Mehrere Weltstars sind Kunden: Gitarren für Metallica kommen aus Deutschland

Stand: 20.08.2026, 08:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Metallica-Leadgitarrist Kirk Hammett spielt ein Nik-Huber-Modell.

Metallica-Leadgitarrist Kirk Hammett spielt ein Nik-Huber-Modell. © Leonie Schäfer

Im hessischen Kreis Offenbach fertigt „Nik Huber Guitars“ seit 30 Jahren Gitarren. Unter anderem für Bands wie Metallica, die Foo Fighters oder die Scorpions.

Rodgau – An der Benzstraße gibt es eine Werkstatt, in der Ahorn, Mahagoni und Palisander zu Gitarren werden, die es weit über die Grenzen Rodgaus schaffen. Seit 30 Jahren baut die Nieder-Röder Manufaktur „Nik Huber Guitars“ Instrumente, die längst auf den Bühnen von so bekannten Bands wie Metallica, Foo Fighters und Scorpions zu Hause sind.

Doch am Anfang dieser Erfolgsgeschichte stand das Holz. „Mein Uropa, mein Opa und mein Vater waren Schreiner. Ich bin also genetisch und staubmäßig vorbelastet“, sagt Nik Huber. Als Sohn einer „Holzwurmfamilie“ war er schon früh in der hauseigenen Werkstatt zugange, hat gebaut, gebastelt, geschnitzt. So entwickelte sich eine Liebe für das Naturprodukt, das nicht nur für Tische, Stühle oder Spielzeugschwerter taugt, sondern auch Gitarren Form und Klang verleiht.

30. Jubiläum von „Nik Huber Guitars“ – Er baut Gitarren für Weltstars wie Kirk Hammett

Um die Finger auch außerhalb der Werkstatt beschäftigt zu halten, griff Huber mit neun oder zehn Jahren – so recht weiß er es auch nicht mehr – zur Gitarre. Vorbilder wie AC/DC und die Beatles machen das Klavier für Huber schnell uninteressant. Er spielt in verschiedenen Bands und steht bei Fastnachtsbällen wie Zinnober und Blau-Weiß auf der Bühne. Eigentlich will er Rockstar werden. Nun ist daraus zwar nichts geworden, aber Teil der Musikwelt ist er trotzdem – wenn auch etwas anders als zunächst gedacht.

Eine Schule für Gitarrenbau auf der spanischen Insel Formentera sollte dem damals 24-jährigen Schreiner zeigen, wie sich seine zwei Leidenschaften zu einem Beruf verbinden lassen. Für Huber war das „eine echte Traumpackung“. Manchmal findet man sein Glück eben über Umwege. Nur drei Jahre später, 1996, gründet er „Nik Huber Guitars“. Danach stellt er seine Instrumente auf der Musikmesse Frankfurt und der Namm-Show in Kalifornien aus. So brauchte es für Huber gar keine klassische Ausbildung zum Zupfinstrumentenmacher, um sich als Gitarrenbauer international einen Namen zu machen.

Nik Huber stammt aus einer Schreinerfamilie. Die Struktur des Holzes ist deshalb Teil des Gitarren-Designs.

Nik Huber stammt aus einer Schreinerfamilie. Die Struktur des Holzes ist deshalb Teil des Gitarren-Designs. © Leonie Schäfer

Hat er früher noch Gitarren aus Pappe auf dem Schulhof verkauft, schauen heute Musiker wie Max Grund und Patrick Riedle, die normalerweise mit Apache und Ayliva auf der Bühne stehen, in der Rodgauer Manufaktur vorbei. Doch wer denkt, der 56-Jährige sei allein am Werk, irrt sich. „Der Gedanke war nie, dass ich einmal 16 bis 17 Leute hier rumspringen habe“, sagt Huber. Doch vielleicht ist genau das ein Erfolgsgeheimnis?

Denn wer nicht alleine kämpft, kann von den Stärken der anderen profitieren. Auch, wenn das bedeutet, dass sie ihr Handwerk besser beherrschen als man selbst. Huber: „Das ist eine Wir-Firma, keine Ich-Firma“, betont er. Das gemeinsame Ziel: die bestmöglichen Gitarren bauen, und zwar kompromisslos. Angefangen beim Holz.

Geburtstagsparty am 22. August

„Nik Huber Guitars“ feiert am Samstag, 22. August, sein 30-jähriges Bestehen. Auf der Bühne vor der Manufaktur (Benzstraße 3a) treten Musiker wie Joey Jones und Max Grund sowie das Jazz-Duo „Blair/Huber“ auf. Aus Australien reist Gitarrist Adam Miller an. Jeder angemeldete Gast erhält ein Tombola-Los und hat die Chance, eine „Dolphin-Special-Guitar“ zu gewinnen. Im Gegenzug wird um eine Spende für das Kinderhospiz gebeten. Neben dem Hauptpreis gibt es Gitarren-Zubehör wie Gurte oder Saitensets. Bei einem Q&A können Besucher Fragen stellen. Die Foodtrucks „Waffelprinzessin“ und „Pinos Italianfood“ sowie zwei Getränkewagen sorgen für das leibliche Wohl. Die Feier ist für spontane Besucher offen, für die bessere Planbarkeit wird jedoch um Anmeldung gebeten. Online unter nikhuber-guitars.com

Begleitet vom lauten Surren der Maschinen und dem rhythmischen Klopfen von Werkzeugen wird eine Decke aus Ahorn auf einen Mahagoni-Korpus gesetzt. Aus einem Palisanderscheit wird ein Griffbrett und aus Mahagoni ein Hals. 70 bis 80 Gitarren seien gerade in Arbeit, erklärt Huber. Wird in einem Raum Holz gebeizt und lackiert, entstehen nebenan aus den Einzelteilen fertige Gitarren. Die Modelle unterscheiden sich in ihrer Form und Maserung. Denn die natürliche Struktur des Holzes schimmert nicht nur leicht durch, sondern ist Teil des Designs.

Eine Bienenwabenstruktur im Inneren der Gitarre (auch „Honeycomb Guitar“ genannt) reduziert das Gewicht und sorgt für eine andere Resonanz.

Eine Bienenwabenstruktur im Inneren der Gitarre (auch „Honeycomb Guitar“ genannt) reduziert das Gewicht und sorgt für eine andere Resonanz. © Leonie Schäfer

Was das betrifft, erfüllt das Team einige Extrawünsche – besonders, wenn sie von Kunden wie dem Scorpions-Sänger Klaus Meine geäußert werden. Auch wenn das bedeutet, „viel zu viel“ Arbeitsstunden in Kauf zu nehmen, etwa für einen präzise eingelegten Schriftzug aus Perlmutt, der den Hals der Gitarre ziert. Am Ende zählt eben nur eines: „Klaus war begeistert.“ Und dass ein Weltstar mit der eigenen Gitarre zu sehen ist, schadet dem Geschäft natürlich auch nicht. So eine „Sisyphus-Gitarre“, wie Huber sie nennt, hat allerdings ihren Preis: Um die 14.000 Euro wird das Meine-Modell kosten, von dem gerade zwölf limitierte Ausgaben in Produktion sind.

Für den Scorpions-Gitarristen Klaus Meine (rechts) hat Nik Huber ein personalisiertes Instrument gebaut.

Für den Scorpions-Gitarristen Klaus Meine (rechts) hat Nik Huber ein personalisiertes Instrument gebaut. © Leonie Schäfer

Er hätte auf Formentera oder in den USA arbeiten können. Doch Huber hat sich bewusst für seine Heimatstadt Rodgau entschieden, wo er seine ersten Schritte in der Musikwelt machte. „Es hat mich einfach gefuchst, das hier selbst zu machen“, sagt er. Als Freigeist hätte ein Angestelltenverhältnis ohnehin nicht funktioniert, da ist er sich sicher. In der eigenen Manufaktur und mit dem richtigen Team klappt es aber ganz gut. Und nach dem 30. Geburtstag kann „Nik Huber Guitars“ wohl schon nächstes Jahr 6.000 gebaute Gitarren feiern.