Kündigungsschutz kippen – Mehrwertsteuer rauf: Top-Ökonom mit radikalem Krisen-Plan

Mehrwertsteuer hoch, Kündigungsschutz weg: Ökonom mit radikalem Plan gegen die Krise

Stand: 19.08.2026, 13:53 Uhr

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Mit mehr Flexibilität gegen die Krise. So lautet der Vorschlag von Top-Ökonom Moritz Schularick. Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft schaut dabei in Dänemark ab.

München – Die wirtschaftliche Krise in Deutschland geht weiter. Eine Insolvenz jagt die nächste. Und weiter sucht die Merz-Regierung nach der Patentlösung. Besonders im Fokus ist dabei das Steuerpaket von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Denn in einem Punkt sind sich viele Ökonomen einig: Arbeit kostet in Deutschland zu viel. Auf diesen Punkt zahlt jetzt auch ein Vorschlag von Moritz Schularick, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, ein.

EIne Frau hält ein Kündigungsschreiben in der Hand. (Symbolbild)

EIne Frau hält ein Kündigungsschreiben in der Hand. (Symbolbild) © Christin Klose/dpa

Schularick schlug im Gespräch mit dem Fachmagazin Capital gleich mehrere Neuerungen vor, die „den Faktor Arbeit in Deutschland günstiger machen“ sollen. Die Mehrwertsteuer soll demnach etwa um drei Prozent steigen. Das würde den Einkauf im Supermarkt teurer machen. Allerdings sollen die zusätzlichen Einnahmen laut Schularick dann nicht der Klingbeilschen Kasse zugutekommen. Mit dem Geld solle vielmehr Einkommenssteuer und Sozialabgaben reduziert werden. Auch Ifo-Chef Clemens Fuest hatte sich zuletzt für eine Reform der Mehrwertsteuer ausgesprochen – allerdings mit einem anderen Fokus als Schularick.

Top-Ökonom will Kündigungsschutz kippen – wegen KI

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft hat aber noch einen weiteren Vorschlag: Schularicks Meinung nach müsste auch der Kündigungsschutz in Deutschland radikal heruntergefahren werden. Dadurch seien Unternehmen in der modernen Wirtschaft mit Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung deutlich flexibler. Durch neue Technologien bräuchten Firmen öfter neues Personal mit neuen Fähigkeiten. Oft könnten Firmen aber keine neuen Leute einstellen, da sie alte, für neue Herausforderungen womöglich nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter nicht oder nur sehr schwer kündigen könnten.

Schularicks Vorwurf: Der deutsche Arbeitsmarkt orientiere sich noch an den wirtschaftlichen Bedingungen der 60er und 70er Jahre. Heute werde dagegen deutlich stärker projektbezogen gearbeitet. Das erfordere mehr Flexibilität. Schularick plädiert gegenüber Capital für ein System, ähnlich dem in Dänemark. Hier gelten zwar deutlich kürzere Kündigungsfristen – eine bessere Arbeitslosenversicherung fängt die sozialen Härten jedoch ab. Seine Idee:

  • Kündigungsschutz für alle auf drei Monate setzen
  • Arbeitslosengeld im Anschluss für alle für je zwölf Monate
  • In dieser Zeit werden 80 Prozent des bisherigen Gehalts bezahlt

Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, spricht während eines Interviews. Der Ökonom leitet das Institut seit Juni 2023.

Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, spricht während eines Interviews. Der Ökonom leitet das Institut seit Juni 2023. © Frank Molter/dpa

Es ist nicht das erste Mal, dass Schularick sich in diese Richtung äußert. Schon Anfang 2026 hatte er sich im Spiegel dafür ausgesprochen, den Kündigungsschutz für Besserverdiener aufzuweichen – auch im öffentlichen Dienst. Jetzt weitet er diese Idee auf alle Angestellten aus. Das wäre ein radikaler Systemwechsel in Deutschland. Da überrascht es nicht, dass Schularick von Klingbeils aktueller Steuer-Reform enttäuscht ist. Er habe sich „mehr Mut gewünscht“, so der Top-Ökonom.

Debatte um den Kündigungsschutz nicht neu

Auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hatte sich Anfang des Jahres für eine Lockerung des Kündigungsschutzes nach dem Dänemark-Modell ausgesprochen. Sie warnte aber auch, dass das System nur funktioniere, wenn auch die soziale Absicherung und die Vermittlung in neue Arbeit sowie die Qualifizierung umgesetzt würden. Andernfalls drohten Unsicherheit und Abstiegsangst. Fraglich ist zudem, ob Deutschland das dänische Modell überhaupt finanzieren könnte. Dänemarks System ist generell ganz anders aufgebaut.

Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte sich für eine Lockerung des Kündigungsschutzes ausgesprochen. (Quellen: Capital, Welt, Spiegel, afp, dpa, frühere Berichterstattung) (rjs)