Schockanruf-Betrüger: Bruno (79) trickste Täter zum vierten Mal aus

Publiziert24. Juli 2026, 17:27

Festnahme in Deutschland«Mein armer Sohn!»: Bruno (79) trickst Betrüger zum 4. Mal aus

Statt auf den Schockanruf hereinzufallen, spielte ein 79-Jähriger wie schon in vergangenen Fällen den Betrügern etwas vor. Die Polizei nahm den mutmasslichen Geldabholer fest.

Karin Leuthold

Deutsche Presse-Agentur

Darum gehts

  • Der 79-jährige Rentner Bruno Schmaus aus Süddeutschland hat zum vierten Mal zur Festnahme von Betrügern beigetragen.
  • Er erhielt einen Schockanruf, bei dem 80'000 Euro Kaution gefordert wurden, und hielt den Anrufer so lange hin, bis die Polizei den Abholer in Pullach bei München festnehmen konnte.
  • Mit seiner Hilfe gelangen der Polizei insgesamt fünf Festnahmen in vier verschiedenen Betrugsfällen.

Mit grossem schauspielerischem Talent hat ein 79-Jähriger in Süddeutschland zum vierten Mal zur Festnahme von Betrügern beigetragen.

Er habe am Montag einen Schockanruf von einem Unbekannten erhalten, der sich weinend als sein Sohn ausgegeben habe, schilderte Rentner Bruno Schmaus bei einer Pressekonferenz der Polizei in München. Kurz darauf habe ein vermeintlicher Polizeibeamter den Hörer übernommen und gefordert, dass er 80'000 Euro Kaution für seinen Sohn zahle, weil dieser einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe und sonst ins Gefängnis müsse.

Die drei ersten Fälle des Bruno Schmaus:

Sommer 2014: Bruno Schmaus erhielt einen Anruf von einem Betrüger, der sich als sein «Lieblingssohn» ausgab und dringend Bargeld für einen Wohnungskauf verlangte. Statt darauf hereinzufallen, spielte der Rentner über zweieinhalb Stunden den gebrechlichen, leicht dementen Senior, täuschte die Täter und alarmierte heimlich per Handy die Polizei.

Sommer 2014: Nur vier Wochen später versuchten Betrüger erneut ihr Glück. Diesmal gab sich eine Anruferin als Schmaus’ Tochter aus und forderte 35'000 Euro für einen Wohnungskauf. Der Rentner spielte erneut den verwirrten Senior, hielt die Täterin stundenlang hin und verständigte heimlich die Polizei. Bei der fingierten Geldübergabe wurde schliesslich eine 17-jährige Polin festgenommen.

Februar 2023: Bruno Schmaus erhielt den bislang perfidesten Schockanruf. Ein angeblicher Polizist behauptete, sein Sohn habe bei einem Unfall ein Kind getötet und könne nur gegen 150'000 Euro Kaution freikommen. Da sein echter Sohn neben ihm sass, erkannte Schmaus den Betrug sofort. Er spielte den verzweifelten Vater, hielt die Täter hin und alarmierte heimlich die Polizei. Statt Schmuck und Goldbarren packten Vater und Sohn einen Beutel mit Walnüssen und allerlei Krimskrams. Bei der Übergabe nahm die Polizei eine 36-jährige Tschechin fest.

«Mitzuspielen ist gar nicht so einfach»

Der Rentner, ein ehemaliger Laiendarsteller mit viel offenkundiger Freude an der Schauspielerei, durchschaute den Trick sofort und hielt den Anrufer so lange hin, bis die Polizei den 21 Jahre alten Abholer bei der fingierten Übergabe in Pullach bei München festnehmen konnte. «Da habe ich richtig sauber Vollgas gegeben mit dem Theater», erzählte Schmaus schmunzelnd. Auch wenn ihn die Betrüger ganz schön unter Druck gesetzt hätten.

«Mitzuspielen ist gar nicht so einfach, weil man sehr viel wissen muss, sehr viel beachten muss, und weil die sehr schnell erkennen, dass man sie an der Nase herumführt», ordnete der stellvertretende Leiter des für Callcenter-Betrugs zuständigen Münchner Kommissariats, Markus Nothelfer, ein. Wegen des hohen psychischen Drucks, den die professionellen Banden aufbauen, empfehle die Polizei deshalb, aufzulegen und Anzeige zu erstatten.

Insgesamt führten seine Einsätze in vier Betrugsfällen zu fünf Festnahmen, darunter bei Schockanrufen, dem Enkeltrick und einem Teppichbetrug.

Insgesamt führten seine Einsätze in vier Betrugsfällen zu fünf Festnahmen, darunter bei Schockanrufen, dem Enkeltrick und einem Teppichbetrug.Lennart Preiss/dpa

Mit Hilfe von Schmaus gelangen der Polizei damit nun bereits fünf Festnahmen in vier Fällen: zwei Schockanrufen, einem Enkeltrick und einem Teppichbetrug – hierbei sollten ihm an der Haustür überteuerte Teppiche angedreht werden. In einem fünften Fall scheiterte die Festnahme daran, dass der Abholer bei einem Enkeltrick die richtige Adresse nicht fand.

Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

Deutsche Presse-Agentur

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