Meinungen der Abendblatt-Leser: 5. September 2026

KI-Stimme. Info

Der Markt versagt komplett

1. September: 148 günstige Saga-Mietwohnungen werden auf der Veddel gebaut

Das Thema Wohnungsmangel wird gesellschaftlich zu großem Sprengstoff. Grund und Boden ist das einzige Wirtschaftsgut, das sich nicht vermehren lässt. Dass immer mehr Grund und Boden sich auf immer weniger Besitzer konzentriert, führt zwangsläufig zu immer weiter steigenden Mieten und immer ungleicher verteiltem Wohlstand – und als Folge nun zu immer mehr Menschen, die sich gar keine Wohnung mehr leisten können. Der gesellschaftliche Sprengstoff ist immens, denn es werden dadurch immer mehr Bürger der Hoffnungslosigkeit verfallen und leichte Beute der radikalen Stimmenfänger. Die Demokratie ist dadurch in höchster Gefahr! Stoppen kann man dies, indem der Staat über seine kommunalen Wohnungsgesellschaften massiv gegensteuert. Wien ist als Beispiel hier bestens anzuschauen. Dass in Deutschland laut Grundgesetz „Eigentum verpflichtet“, lässt sich auf dem Wohnungsmarkt real bisher nicht wiederfinden, wäre aber der Hebel, an dem wir ansetzen könnten, um die Lage für viele Bürger zu entspannen. Immer, wenn ein Grundstück den Besitzer wechselt oder trotz vorhandenem Baurecht brachliegt, sollte der Staat ein Vorkaufsrecht bekommen. Anschließend muss das Grundstück entweder per Erbpacht an einen privaten Investor mit der Vorgabe vergeben werden, dort Wohnraum zu schaffen. Oder die städtische oder kommunale Wohnungsbaugesellschaft schafft selbst neuen Wohnraum. Da „der Markt“ ja offenbar aktuell komplett versagt, müssen andere Möglichkeiten herangezogen werden, um eine Katastrophe zu verhindern.

Stefan Blümer

Taktlos

1. September: Luxusmakler: Ex-Dahler-Chef will Hamburger Immobilienmarkt aufmischen

Also das, liebe Redaktion, geht gar nicht! Ein No-Go! Pure, reinste PR für einen Luxusimmobilienmakler und einen „Branchenprofi“, ohne jeden journalistischen Bezug. Wen interessiert das denn? In der gleichen Ausgabe und vorher (und wahrscheinlich auch danach) wird über Wohnungsnot, über den Mangel an bezahlbaren Wohnungen, über die Ängste von Wohnungsmietern, die stetig steigenden Kosten nicht mehr bezahlen zu können, berichtet. Zumindest ist das äußerst taktlos.

Gerhard Maack 

Missbrauch ahnden, nicht Fortschritt verbieten

2. September: Smart Glasses sollen in Hamburg aus allen Bussen und Bahnen verbannt werden

Dass Menschen mit Smart Glasses heimlich gefilmt werden, ist ethisch und rechtlich nicht hinnehmbar. Daraus jedoch ein grundsätzliches Verbot solcher Brillen in Bussen und Bahnen oder im gesamten öffentlichen Raum abzuleiten, halte ich für unverhältnismäßig und technikfeindlich. Smart Glasses sind weit mehr als unauffällige Kameras. Sie können Fahrpläne erkennen, Texte vorlesen, Produkte übersetzen oder mithilfe künstlicher Intelligenz Zutatenlisten erklären. Für meine Mutter, die infolge einer Aphasie in ihrer Fähigkeit zu lesen, eingeschränkt ist, könnten solche Funktionen ein Stück Selbstständigkeit zurückbringen. Natürlich muss erkennbar bleiben, wenn die Kamera tatsächlich aufnimmt. Deshalb wäre es sinnvoll, das Abkleben oder Manipulieren der Aufnahme-LED ausdrücklich zu verbieten und Verstöße konsequent zu ahnden. Ebenso müssen heimliche und persönlichkeitsverletzende Aufnahmen verfolgt werden. Ein pauschales Geräteverbot setzt dagegen sämtliche Nutzer unter Generalverdacht – unabhängig davon, ob sie filmen, Informationen abrufen oder auf assistive Funktionen angewiesen sind. Ausnahmen für Menschen mit Behinderung ändern wenig an diesem falschen Grundprinzip und schaffen zudem neue Bürokratie und Rechtfertigungszwänge. Politik sollte den fragwürdigen Gebrauch einer Technologie regulieren, nicht ihre sinnvolle Nutzung verhindern. Andernfalls bekämpft Hamburg nicht den digitalen Voyeurismus, sondern vorsorglich auch den digitalen Fortschritt.

Dierck Beckmann

Als Nächstes die Schwäne?

31. August: Hamburgs Reiterstaffel vor dem Aus: CDU will die Polizeieinheit retten

Die Hamburger Reiterstaffel abzuschaffen, weil sie nicht mehr erforderlich ist, wäre zu akzeptieren, nicht aber aus Kostengründen. Warum muss in dieser einstmals schönen, lebenswerten Stadt alles von einem rot-grünen Senat umgekrempelt werden? Andere Bundesländer leisten sich doch auch Reiterstaffeln und sind nicht bankrott. Nicht die Polizeipferde sind schuld, dass der Haushalt komplett aus den Fugen geraten ist, sondern unser rot-grüner Senat, der nicht in der Lage ist, richtig zu wirtschaften. Wann ist mit der Abschaffung der Alsterschwäne zu rechnen? Sie sind doch „nur“ Hamburgs Wahrzeichen, und leisten gegenüber den Polizeipferden nichts.

Evelyn Meister

Warum keine Eishalle?

2. September: Hamburg investiert eine Milliarde in neue Sportstätten

Leider kommt der Eissport in diesem Bericht überhaupt nicht vor. Die Eishalle in Farmsen ist deutlich in die Jahre gekommen und dringend sanierungsbedürftig. Das ist auch unter Fachleuten unstrittig. In Stellingen soll eine neue Eisfläche entstehen, mit Platz für rund 300 Zuschauer. Das reicht leider nicht einmal für die Regionalliga. Warum kümmert sich der Senat nicht um eine Eishalle, in der sowohl Breitensport als auch Leistungssport in der Oberliga und ggf. auch in der 2. Liga möglich wären?

Knud Schlösser 

Ein starkes Zeichen

Eine Milliarde für neue Sportstätten – diese Schlagzeile im Hamburger Abendblatt lässt aufhorchen und begeistert zugleich jeden Sportler und Sportverein. Ein starkes Investitionsprogramm haben sich Sportsenator Andy Grote und die federführende Sportbehörde vorgenommen. Gerade nach dem missglückten Referendum zur Olympiabewerbung ist diese Ankündigung ein starkes Zeichen an alle Nörgler und Gegner des Referendums. Ja, Hamburg kann und will Sport, zum Wohle aller Bürger. Vielleicht ist diese Investition auch ein Weckruf an engagierte Unternehmer und Firmen, sich mehr am Sponsoring zu beteiligen. Dem Sportsenat ist zu wünschen, dass die Pläne nicht nur Pläne bleiben, sondern tatkräftig umgesetzt werden und Hamburg die Sport- und Weltstadt wird, die es immer werden möchte – auch ohne Olympia.

Gert-Rüdiger Wüstney

Zustände wie in St. Georg

1. September: Drogenzentrum Abrigado in Harburg: Wie konnte die Lage hier so eskalieren?

Vielen Dank für diesen kritischen und interessanten Beitrag über die Zustände im und um das Abrigado in Harburg. Es hat mir nur ein Punkt wesentlich gefehlt. Man denkt, mit dem Umzug in die Buxtehuder Straße 31 im Jahr 2028 wird sich die Problematik legen, und es wird gar nicht mehr über diesen geplanten Neubau diskutiert. Der Neubau liegt circa 200 Meter Luftlinie entfernt vom jetzigen Standort und die Süchtigen werden sich auch dann natürlich weiterhin im und um den Park herum aufhalten. Man investiert und verbrennt hier Steuergelder, um noch mehr Probleme in diesen Bezirk zu transferieren. Auf der B73 werden sich mit dem Umzug sicherlich Verkehrsunfälle vermehren und auch weitere soziale Spannungsfelder aufbauen. Es ist unverständlich und absolut katastrophal, diese Einrichtung an dieser neuen Adresse zu platzieren und hier Millionen zu verbraten, um dann Zustände wie in St. Georg zu erhalten. Die leer stehende Flüchtlingseinrichtung Schlachthofstraße oder diverse Objekte am Großmoorbogen könnten viel billiger und problemloser für Abrigado genutzt werden, werden aber ignoriert, warum auch immer. Den Schwarzenberg haben wir schon aufgegeben, nun hoffe ich, dass wir durch diesen Umzug nicht auch noch unsere Wohnungen aufgeben müssen.

Kevni Drbac

Ein Vergnügen zum Zuhören

3. September: Elke Heidenreich in St. Petri: „Die Männer lesen keine Frauen“

Ihren Artikel zur Lesung von Elke Heidenreich in St. Petri habe ich gerne und auch mit etwas Augenzwinkern gelesen. Es war ein literarischer, amüsanter, bewegender und sehr unterhaltsamer Abend. Ihre Bonmots und Streifzüge über kleine und große Eitelkeiten in der Literaturszene waren ein Vergnügen zum Zuhören. Der Standpunkt, „dass Männer Frauen nicht lesen“ (Elke Heidenreich), trifft allerdings nicht (immer) zu. Bei mir im Bücherregal steht eine Vielzahl kluger und für mich wichtiger Literatur, Wegbegleiterinnen, die Autorenschaft ausschließlich weiblich. Und: Elke Heidenreichs Lesetipps haben mir seit Jahren spannende, überraschende und vielfältige Leseentdeckungen geschenkt.

Rainer Neumann

Eindeutige Pensionsvorteile

1. September: Beamte protestieren gegen längere Arbeitszeit

Pensionen müssen versteuert werden, ja. Das ist bei Renten, die über circa 1500 Euro pro Monat liegen, ebenso. Auch müssen Rentner weiterhin in Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen. Das müssen Pensionäre nur teilweise, denn es gibt ja weiterhin die Beihilfe, die auch im Alter die private Versicherung unterstützt. Für das Ruhegeld der Pensionäre zählen im Wesentlichen die letzten fünf Jahre, für Rentner aber die Rentenpunkte des gesamten Arbeitslebens. Wenn man etwa die Bezüge von Lehrern im verbeamteten als auch im angestellten Arbeitsverhältnis der Stufe A14 (Beamte) und E14 (Angestellte) vergleicht, sieht man schnell, dass Beamte rund 500 bis 600 Euro netto mehr vom ähnlich hohen Bruttogehalt haben. Schaut man auf die Altersversorgung, sieht man eklatante Unterschiede von ca. 4500 bis 5000 Euro Pension zu 2500 Euro Rente plus ca. 500 Euro VBL-Zusatzversicherung des öffentlichen Dienstes. Und beide Gruppen müssen diese Ruhestandseinkommen versteuern und in die Krankenversicherung sowie Pflegekassen einzahlen. Bei anderen Berufsgruppen im öffentlichen Dienst sind die Unterschiede zwischen Beamten und Angestellten ebenfalls deutlich sichtbar. Um unsere Sozialkassen zukunftsfest zu machen, ist der aktuellen Regierung der große Wurf leider nicht gelungen. Unser Nachbar Österreich hat vor über 20 Jahren das System, auch gegen starke Widerstände, für die Zukunft fit gemacht. Alle, aber auch wirklich alle zahlen in die gesetzliche Rentenkasse ein. Zweiklassenmedizin und die Ausnahmen bei der Altersversorgung und Nichteinbeziehung des Beamtenstandes in die aktuellen Reformen, lassen weiterhin Verdruss im gesamten demokratischen Gefüge aufkommen. Reformen ja, aber bitte für alle.

Karsten Bittner

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