KI-Stimme. Info
Mehrwert für die Gesellschaft
1. Oktober: Immer mehr Geldstrafen in Hamburg werden nicht vollstreckt
Über 25 Jahre habe ich als hauptamtlicher Küster mit Kollegen in meiner Kirchengemeinde vielen Menschen mit gemeinnütziger Arbeit die Möglichkeit gegeben, von den Schulden wegzukommen. 30 bis 900 Arbeitsstunden hatten unsere Klienten abzuarbeiten, unterstützt von der Gerichtshilfe-Behörde, die Menschen vorstellte und zuführte. Wertschätzung, die Menschen erfuhren, sinnvolle Arbeit zu leisten, eine Tagesstruktur wieder zu erfahren, entwickelte sogar vereinzelnd, dass wir in den ersten Arbeitsmarkt vermittelten, eine FSJ-Stelle besetzen konnten. Viele sind nach neuen Strafen „gerne“ zurückgekommen, weil wir den Menschen mit Respekt und Achtung begegneten. Unser „Stundenkönig“ hatte über 7000 Stunden in acht Jahren, danach bekam er eine Festanstellung in der Gemeinde. Die Klienten-Ausfallquote lag im einstelligen Promillebereich. Es gibt so viele gemeinnützige Einrichtungen in Hamburg, von Tafeln bis hin zu Sportvereinen, die sich freuen würden, kostenfrei temporär Unterstützung zu bekommen. Es bedarf Führung und Aufsicht in einer Einrichtung, aber der Mehrwert für die Gesellschaft ist unbezahlbar. Es erfordert aber auch, dass die zuständigen Behörden offensiv an so einem Konzept weiterarbeiten, Einrichtungen suchen und begleiten.
Till Westphalen
Neiddebatte
1. Oktober: Ungleich vereint
Die Kommentatorin schreibt: „Selbst Erfahrungen machen: weniger Erbe, schwierigere Zugänge zu Positionen“. Damit impliziert sie, dass das Erreichen beruflicher und/oder gesellschaftlicher Positionen stark vom Erbe abhängig ist. Eine seltsame Einstellung. Es gibt in diesem Land wahrscheinlich sehr viel mehr Menschen, die sich in ihrer Lebensplanung auf sich selbst, ihre Ausbildung und ihren persönlichen Ehrgeiz verlassen, um etwas zu erreichen, als darauf zu hoffen, dass die Verwandtschaft rechtzeitig stirbt, um mit einem Erbe die Zukunft zu gestalten. Und sehr viele Erben werden kaum über das viel zitierte gute Geschirr von Oma hinauskommen. Wie auch der Artikel „Ostbeauftragte will Vermögen in Deutschland gerechter verteilen“ scheint es eher um eine neidschürende Debatte zu gehen, denn Vermögen (ab wann sprechen wir überhaupt von Vermögen?) wird angehäuft, vererbt oder verprasst. Also besser ohne planen.
Christine Friedrich
Veränderung ist das Gesetz des Lebens
Sie wünschen sich, Vermögen gerechter zu verteilen. Mit Sicherheit kennen Sie die Zahlen aus dem Finanzkraftausgleich 2025. Vier westdeutsche Bundesländer bezahlten 2025 zusammen 20 Milliarden Euro: 75 Prozent davon sind in die ostdeutschen Bundesländer inklusive Berlin (Anteil knapp 25 Prozent) geflossen. Haben Sie dafür auch einen Vorschlag, das Geben und Nehmen an dieser Stelle gerechter zu strukturieren? Immer nur laut nach mehr Zuwendungen zu rufen, ist keine Lösung. Ich komme aus einfachen finanziellen Verhältnissen und habe nur durch fast 49 Jahre rentenpflichtige Arbeit ein paar Euro sparen können. Der „rote Faden“ während dieser Zeit lautete: „Veränderung ist das Gesetz des Lebens“ (J. F. Kennedy).
Jens Wende
Mehr Maß und mehr Vorbildfunktion
2. Oktober: Ein Strandkorb ist nicht unser Problem
Matthias Iken hat recht: Ein Strandkorb ist nicht das Problem unseres Landes. Zumal Philipp Amthor ihn einschließlich Anlieferung und Aufbau selbst bezahlt hat. Aber vielleicht liegt hinter der ganzen Aufregung dennoch eine ernstere Frage, die in dem Beitrag zu kurz kommt: Welche Vorbilder geben unsere politischen Repräsentanten ab? Politik besteht nicht nur aus Gesetzen, Haushalten und Mehrheiten. Sie lebt auch von Haltung, Maß und dem Verständnis des eigenen Amtes. Gerade in Zeiten schwindenden Vertrauens achten Bürger sehr genau auf Gesten und Symbole. Dann kann selbst ein Strandkorb eine Wirkung entfalten, die mit seinem materiellen Wert wenig zu tun hat. Herbert Wehners Lebensmotto lautete: „Ich diene.“ Zwei erstaunlich aktuelle Worte. Sie bedeuten nicht, dass Politiker asketisch leben müssen. Wohl aber, dass das Amt vor der Person stehen sollte. Gleichzeitig ist Ikens Kritik an der medialen Übertreibung berechtigt. Nicht jede ungeschickte Geste ist ein Skandal. Vielleicht brauchen wir deshalb beides: mehr Maß bei der öffentlichen Empörung – und mehr Bewusstsein für die Vorbildfunktion politischer Ämter. Dann wäre der Strandkorb tatsächlich nur ein Strandkorb.
Uwe Heimböckel
Übelste Meinungsmache
Ihre Kommentare zur Rolle der Medien kann ich nur voll unterstützen und möchte noch deutlicher werden: Seit der Großen Koalition unter Olaf Scholz, aber verstärkt seit der Regierung unter Merz, ist eine zunehmende negative Berichterstattung über die in der Regierung Handelnden festzustellen. Die „Strandkorbaffäre“ erinnert mich sehr an die damaligen Kampagnen gegen Christian Wulff wegen eines Spielzeugautos. Das ist kein Journalismus mehr, sondern übelste Meinungsmache. Merken Ihre Kollegen und Redaktionen in den Medien nicht, dass sie sich dadurch zum Steigbügelhalter der AfD machen? Für viele ist die Kritik an der AfD wegen Rechtsextremismus zurzeit nicht erlebbar, zumal die Partei auf den Wahlzetteln wählbar ist, aber die zynischen Berichte um einen Strandkorb sind für viele nachvollziehbar, aber lächerlich! So stempelt man die Kunden der Medien zu Dummköpfen, die Wichtiges und Unwichtiges nicht unterscheiden können. Liebe Journalisten und Redaktionen, hört endlich auf damit und kehrt wieder zu seriösem Journalismus zurück!
Dietrich Ksoll
Inhuman und diskriminierend
1. Oktober: Nach langem Streit: Die Pflegereform kommt
Es schockiert mich, dass pauschal „Kinderlose“ mehr belastet werden sollen. Sind die Gesetzgeber schon einmal auf die Idee gekommen, dass es auch ungewollt Kinderlose gibt? Viele dieser Menschen leiden erheblich unter ihrer Kinderlosigkeit. Sie nun fast an den Pranger zu stellen wegen dieses Zustandes, indem man sie bei der Pflegeversicherung einfach mehr belastet, finde ich inhuman und diskriminierend. Die Kinderlosigkeit als solche ab einem Alter von 23 Jahren zu definieren, widerspricht der Lebenswirklichkeit. Wünschenswert aus verschiedenen Gründen ist, dass Menschen bis zum Alter von 35 Jahren ihre Kinder bekommen sollten. Diese Einsicht kann man aber nicht erzwingen. Viel mehr Gewicht sollte auf die Rehabilitation gelegt werden, die zurzeit viel zu häufig nicht das Ziel hat, den Patienten wieder zum eigenverantwortlichen Leben zu befähigen, sondern ihn lediglich verwaltet.
Dr. Ursula Augener
Von Nachtruhe kann keine Rede sein
30. September: Fluglärm: Nachts weniger Flüge, aber mehr Beschwerden von Anwohnern
Gemeinhin gilt die Nachtruhe ab 22 Uhr. Betrachtet man die Zeit von 22 bis 24 Uhr, so hat die Zahl der Flüge nicht abgenommen, sondern zugenommen. In der Zeit zwischen 22 und 23 Uhr starten oder landen Flugzeuge im Durchschnitt alle drei Minuten; obendrauf kommen dann noch fast täglich Flüge bis 24 Uhr hinzu, und ab 6 Uhr morgens geht das „Vergnügen“ dann wieder von vorn los – von Nachtruhe kann da keine Rede sein. Es wäre schön, wenn die sogenannten „Gründe wegen unvermeidbarer Verspätungen“ einmal transparent würden. Unwetter können es selten sein, denn es dominieren Billig-Airlines, oft wiederholt auf den gleichen Verbindungen. Offensichtlich sind die möglichen Verspätungszuschläge einkalkuliert. Die gesundheitlichen Folgen von Lärm – und insbesondere Nachtlärm – auf z. B. Herzkrankheiten dürften bekannt sein, scheinen aber für den Senat keine Rolle zu spielen, ebenso wie die ökologischen Folgen des Flugverkehrs. Dass sich dann angesichts der gleichbleibenden Belastungen und der weitgehenden Tatenlosigkeit der Verantwortlichen überhaupt so viele Menschen noch beschweren, ist für mich überraschend. In Artikeln über Fluglärm ist ständig von Anwohnern die Rede. Das unterstellt, dass nur das nahe Umfeld betroffen ist – der Lärm hört allerdings nicht nach einem Kilometer auf, sondern betrifft täglich Zehntausende in Hamburg und dem Umland.
Harald Lübkert
Neuregelung dringend erforderlich
2. Oktober: Organspende braucht klare Entscheidungen
Leider muss man immer wieder die Organspende thematisieren. Zum Glück gibt es im Bundestag bei diesem Thema immer wieder Initiativen, um eine Neuregelung für die Organspende zu erreichen. Ich schaue als Betroffener neidisch in die anderen EU‑Länder. Hier gibt es eine pragmatische Regelung: das Widerrufsrecht. Hier reden wir von Wartezeiten von einem Jahr. In Deutschland muss ich schon mit einer Wartezeit von bis zu zwölf Jahren rechnen. Trotz Beratungen durch die Haus- und Fachärzte gibt es leider zu wenig mögliche Spender. Eine Neuregelung ist hier dringend erforderlich. Es würde auch die Angehörigen eines Verstorbenen deutlich entlasten, einer Spende zuzustimmen. Alle werden Spender, und wenn ich es nicht möchte, dann sage ich eben nein. Einfacher geht es doch nicht. Aus meiner Sicht erfordert es in der Öffentlichkeit eine noch aktivere Aufklärung. Nur Plakate in den Straßen reichen offenbar nicht aus. Es braucht mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Vermutlich gibt es aufgrund knapper Kassen auch hierfür kein Budget. Es ist schon einschneidend, von daher muss es besser und präsenter erklärt werden. Das gilt natürlich auch für andere schwerwiegende Erkrankungen. Hier muss es statt Plakaten ein grundsätzliches Umdenken geben. Nicht immer nur verdrängen, sondern besser er- und aufklären. Bundestrainer Klopp ist einer von 83 Millionen. Ich bin einer von 8000. Hoffen wir für alle Betroffenen, dass es im Bundestag zu einer erfreulichen Neuregelung kommt.
Timo Rickers
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