"In 48 Stunden zunichte gemacht": Meloni fassungslos über Richter

Kritik an Richter-Entscheidung

Meloni fassungslos: "Wer erklärt das dieser Familie?"


Aktualisiert am 03.09.2026 - 01:06 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein Richter in Turin setzt einen Verdächtigen nach zwei Tagen auf freien Fuß. Dafür gibt es scharfe Kritik der italienischen Ministerpräsidentin.

Eine Entscheidung eines Richters in Turin hat die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni fassungslos gemacht. Ein 42 Jahre alter Angestellter eines Lebensmittelladens war wegen sexueller Übergriffe auf ein 13-jähriges Mädchen und eine Frau am vergangenen Wochenende im Turiner Stadtteil Madonna di Campagna nahe Turin festgenommen worden. Nach zwei Tagen wurde der Mann aus Bangladesch aus dem Gefängnis entlassen, obwohl die Staatsanwaltschaft Haft beantragt hatte.

Der Mann hatte laut italienischen Medienberichten vor dem Richter gesagt, er habe einen Fehler begangen, den er bereue. Das reichte dem Richter, ihn auf freien Fuß zu setzen – er muss sich aber bei der Polizei melden.

Meloni: Meine volle Solidarität mit dem Mädchen

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zeigte sich auf Facebook fassungslos. "Die Ordnungskräfte haben ihre Pflicht getan, in wenigen Stunden. Ausgezeichnet. Die Staatsanwaltschaft hat die härteste Maßnahme beantragt. Die gesamte Kette hat funktioniert". Die Entscheidung des Richters habe das Ganze "in 48 Stunden zunichtemachte". Sie werde eine Untersuchung einleiten, mehr könne sie nicht tun. "Wer erklärt das dieser Familie? Wer erklärt das diesem Viertel, das heute Nacht weiß, dass dieser Mann wieder dort ist?", schrieb sie auf Facebook. "Meine volle Solidarität mit dem Mädchen und ihrer Familie", hieß es weiter.

Der italienische Justizminister Carlo Nordio bestätigte, dass es eine Untersuchung gebe und er Inspektoren entsenden werde. Gleichzeitig betonte er, dass die Entscheidung in den Bereich der richterlichen Unabhängigkeit falle.

Videokamera hatte Vorfall aufgenommen

Die italienische Vereinigung der Richter (Associazione Nazionale Magistrati) kritisierte die Aussagen der Regierung in Rom, wie unter anderem die Zeitung "La Repubblica" berichtete. Ihr Präsident Giuseppe Tango verurteilte die "diversen Angriffe hochrangiger Regierungsvertreter, die über bloße Kritik hinausgegangen sind". Zudem bezeichnete er die Entsendung der Inspektoren als "unorthodox".

Der Vorfall nahe Turin hatte in den sozialen Medien große Aufmerksamkeit erhalten. Videoaufnahmen aus dem Laden, in dem das Mädchen und die Frau einkaufen gewesen waren, sollen die Übergriffe zeigen. Der Ladenangestellte selbst hatte sie der Polizei übergeben.