„Dschihadist“: Trump attackiert Senatskandidat El-Sayed – jetzt kommt Kritik aus dem eigenen Lager

Michigan-Wahlkampf: Trump attackiert demokratischen Kandidat als „Dschihadisten“ und zieht 9/11 heran

Stand: 26.10.2026, 20:46 Uhr

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Trump bezeichnet den demokratischen Kandidaten Abdul El-Sayed als „Dschihadist“. Doch aus dem eigenen Lager kommt scharfe Kritik.

Port Huron – Im Kampf um die Macht im US-Kongress spitzt sich die Auseinandersetzung um den Senatssitz im Bundesstaat Michigan zu. Bei einem Wahlkampfauftritt in Port Huron am Sonntag (25. Oktober) bezeichnete er den demokratischen Kandidaten Abdul El-Sayed als „Dschihadisten“. Er stehe „auf der Seite der Terroristen“ und müsse „einen Metalldetektor passieren“, bevor er „den Senatssaal betreten dürfe“. Er verglich die Situation laut PBS wiederholt mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, die sich in das historische Gedächtnis der USA eingebrannt haben.

Das Rennen um Michigan bei den US-Midterms ist noch unentschieden.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama zusammen mit dem demokratischen Kandidaten für den US-Senat, Abdul El-Sayed. © picture alliance/Paul Sancya

Auf der Plattform Truth Social warf Trump El-Sayed der India Today zufolge zudem vor, das islamische Scharia-Recht einführen zu wollen. Für Trumps Vorwürfe gibt es keine Belege. Dennoch macht Trump das Rennen in Michigan mit dieser Rhetorik zu einem Kampf gegen eine US-amerikanische Ur-Angst. Für die Republikaner geht es um viel: Sie versuchen, den Sitz des ausscheidenden demokratischen Senators Gary Peters für sich zu gewinnen. Mit den Angriffen auf El Sayed wollen die Republikaner wohl konservative Wählerschichten mobilisieren.

US-Midterms: Darum geht es beim Kopf-an-Kopf-Rennen in Michigan

Der republikanische Kandidat Mike Rogers bezeichnete El-Sayed laut The Daily Wire in Wahlwerbungen als Risiko für die nationale Sicherheit. Der ehemalige Kongressabgeordnete setzt im Wahlkampf stark auf Sicherheits- und Wirtschaftsthemen. Unterstützung erhält Rogers von republikanischen Senatoren wie Ted Cruz und Tim Sheehy, die betonen, die Wähler hätten ein Recht darauf, mögliche Verflechtungen von Kandidaten zu hinterfragen.

Das Rennen um Michigan im Überblick

Das Senatsrennen in Michigan zählt dem Analyse-Portal Cook Political Report zufolge bundesweit zu den am stärksten umkämpften Staaten.

Kandidaten: Abdul El-Sayed (Demokrat) vs. Mike Rogers (Republikaner)

Freiwerdender Sitz: Sitz des ausscheidenden demokratischen Senators Gary Peters

Zentrale Wahlkampfthemen: Lebenshaltungskosten & Inflation, Spritpreise, Außenpolitik (Iran-Konflikt), Nationale Sicherheit und Loyalitätsfragen

Umfragelage: Zuletzt leichter Vorsprung für El-Sayed (+5 Punkte laut NYT/Siena via The Guardian)

Bedeutung des Rennens: Michigan ist ein klassischer „Swing State“ mit einer einflussreichen arabisch-amerikanischen Wählerschaft. Der Ausgang kann über die Mehrheit im US-Senat entscheiden. Bei einem Sieg wäre El-Sayed der erste muslimische Senator der US-Geschichte.

Abdul El-Sayed wies die Anschuldigungen bei 20min zurück und nannte sie beschämend: „Nach November kann er mich einfach ‚Senator‘ nennen.“ Sein Team sprach von verzweifelten Attacken in böser Absicht. Kritik kam auch aus Trumps eigenem Lager: Bishara Bahbah, Mitgründer von „Arab Americans for Peace“ (ehemals „Arab Americans for Trump“), kritisierte Trumps Worte bei PBS scharf: „Sie überschreiten eine rote Linie. Sie sind rassistisch.“ Bahba sagte: „Dass der Präsident der Vereinigten Staaten so etwas über eine Person wegen ihrer Religion sagt, ist einfach nicht akzeptabel.“ Er warnte: „Daran werden sich die Menschen am 3. November erinnern.“

Was bei den US-Zwischenwahlen auf dem Spiel steht

Das Duell in Michigan ist zentraler Teil der Midterm-Wahlen am 3. November 2026. Sie entscheiden über die zukünftigen Mehrheitsverhältnisse im US‑Kongress. Aktuell haben Trumps Republikaner die Mehrheit in beiden Kammern. Den Demokraten fehlt daher die Macht, sich wirksam gegen die Vorhaben der Trump-Regierung zu stellen. Die Kongresswahlen finden alle zwei Jahre statt, also zu Beginn und zur Mitte der vierjährigen Amtszeit eines US-Präsidenten. Diese heißen dann Zwischenwahlen (Midterms). Der US-Kongress bildet die Legislative der Vereinigten Staaten und besteht aus zwei Kammern:

  1. Der Senat (Oberhaus): Besteht aus 100 Sitzen (jeder der 50 Bundesstaaten stellt genau zwei Senatoren). Senatoren werden für sechs Jahre gewählt. Alle zwei Jahre stehen etwa ein Drittel der Sitze zur Wahl. Der Senat bestätigt unter anderem Bundesrichter, Minister und internationale Verträge.
  2. Das Repräsentantenhaus (Unterhaus): Besteht aus 435 Sitzen, verteilt nach Bevölkerungsgröße der Bundesstaaten. Alle Abgeordneten werden alle zwei Jahre komplett neu gewählt. Das Repräsentantenhaus hat das Initiativrecht für alle Haushaltsgesetze.

Bei den aktuellen Zwischenwahlen stehen 35 der 100 Senatssitze sowie alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses zur Wahl. Aktuell halten die Republikaner im Senat eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen. Da nur eine Handvoll Bundesstaaten als wirklich unentschieden („Toss-Up“) gelten, entscheidet sich die Wahl an wenigen Einzelrennen wie in Michigan. (Quellen: Cook Political Report, Guardian, PBS, India Today, The Daily Wire) (cdz)