Waldbewohner aus Zofingen muss Wohnort räumen

Mike Häfliger lebt seit über 30 Jahren in Aargauer Wald – jetzt muss er um sein Zuhause kämpfen

Unwetter zerstört sein Tipi – dann kommen die Behörden

Mehr als 30 Jahre war Mike Häfliger (59) in seinem Tipi im Zofinger Wald im Kanton Aargau zu Hause und geduldet. Ende August musste er seinen langjährigen Waldplatz räumen. Jetzt versucht er mit einem Baugesuch ein neues Tipi legal im Wald aufzubauen.

Publiziert: vor 35 Minuten

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Aktualisiert: vor 29 Minuten

Darum gehts

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  • Nach 33 Jahren im Wald muss Mike Häfliger seinen Standort im Wald bei Zofingen räumen
  • Ein Unwetter zerstörte sein Tipi im Wald fast vollständig. Ein Wiederaufbau ist bewilligungspflichtig
  • Ein Baugesuch für ein neues Tipi hat Häfliger eingereicht und hofft auf einen positiven Bescheid
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Corine Turrini FluryRedaktorin Wohnen

Ein Unwetter Anfang August war das Ende von Mike Häfligers Wohntraum in einem Waldgebiet bei Zofingen. Ein morscher Baum stürzte auf Häfligers Tipi, wo er seit Jahren lebte. «Zum Glück war ich nicht zu Hause. Ich hatte einen Konzertauftritt in Deutschland. Das hätte ich sonst nicht überlebt», sagt der Aargauer Musiker. Sein Tipi war fast vollständig zerstört und unbewohnbar. Für den Aussteiger Häfliger, der sich mit Gelegenheitsjobs und Konzerten mehr oder weniger über Wasser hält und seit über 30 Jahren im Wald lebt, war es aus Kostengründen nicht möglich, ein neues Tipi aufzubauen.

Gut gemeinte Hilfsaktion und Solidarität mit negativen Auswirkungen

Ein Influencer, den Häfliger vor einiger Zeit kennenlernte, hat von Häfligers Misere erfahren und ihn besucht. Zusammen starteten sie ein Crowdfunding für ein neues Tipi. Die Solidarität mit Häfliger war gross: In nur 24 Stunden kamen rund 5000 Franken für ein neues Tipi zusammen. Doch Häfligers Erleichterung war nur kurz. Die Behörden bekamen durch die Aufmerksamkeit auf den sozialen Medien und einen Hinweis Wind vom geplanten Neuaufbau und machten dem Waldbewohner einen Strich durch die Rechnung. In einem Schreiben der Bauverwaltung Zofingen wurde Häfliger mitgeteilt, dass ein neuer Aufbau eines Tipis nicht ohne Bewilligung erlaubt sei und er den bisherigen Platz im Wald zu räumen habe. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, nimmt die Verwaltung auf Anfrage von Blick nur schriftlich Stellung zum Fall. Eine Bewilligung für die langjährige Baute habe bisher nicht bestanden. «Der Zustand wurde aufgrund der schon sehr langen Nutzungsdauer geduldet. Mit der Zerstörung des Zeltes entfiel die Grundlage für die Duldung.»

Räumung erfolgt und Baugesuch eingereicht

Wie von den Behörden gefordert, hat Häfliger inzwischen «seinen» langjährigen Wohnort im Wald geräumt. Ans Aufgeben denkt er aber noch nicht. Er versucht auf legalem Weg, einen Wiederaufbau eines Tipis zu erwirken. Statt für sein geplantes neues Tipi verwendet er einen Teil des Geldes aus dem Crowdfunding für ein entsprechendes Baugesuch. Für Baugesuche im Wald sei der Kanton Entscheidbehörde. Die kommunale Baubewilligungsbehörde eröffnet den Entscheid des Kantons anschliessend dem Gesuchsteller, wie die Stadt Zofingen auf Anfrage schreibt. Gemäss der Stadt müsse für ein ordentliches Baugesuch mit drei bis vier Monaten gerechnet werden. Wenn der Sachverhalt einfach sei, könne es auch schneller gehen.

Alternative Wohnformen mit unterschiedlichen Regelungen

Ein Einzelfall ist Waldbewohner Häfliger nicht. Auch in einem Waldgebiet im Kanton Bern ist aktuell ein Waldbewohner im Clinch mit den Behörden und sucht nach einer legalen Lösung für seine Mini-Naturhütte. Das Waldgesetz in der Schweiz ist aber streng geregelt. Bauten, selbst kleine Hütten, benötigen forstrechtliche Ausnahmebewilligungen und werden bis jetzt für private Wohnzwecke praktisch nicht erteilt. Einfach dürfte der Sachverhalt demnach auch im Zofinger Fall nicht sein, da alternative Wohnformen wie Jurten, Tipis oder Tiny Houses in der Schweiz, in der Bewilligungskompetenz bei den Kantonen und lokalen Gemeinden liegt. Jede Gemeinde entscheidet im Einzelfall nach ihrer Bau- und Zonenordnung. Unterstützung bei Baugesuchen für alternative Wohnformen bietet der Verein Kleinwohnformen Schweiz, der sich für eine Liberalisierung einsetzt und auch Leitfäden für Baugesuche erstellt hat.

Häfliger hat sein Baugesuch inzwischen eingereicht. Jetzt muss er sich aber bis zum Entscheid gedulden. Vorübergehend haust er an verschiedenen Orten irgendwo im Wald in der Region. Die Zeit eilt insofern, als der bevorstehende Winter eine längerfristige Lösung für Häfligers Wohnort erfordert. Seine momentan ungewisse Situation nimmt Häfliger dennoch gelassen: «Ich bin ‹survivalerprobt› und schaue optimistisch in die Zukunft. Mit dem Baugesuch habe ich meine rechtlichen Möglichkeiten vorerst genutzt und mich um eine legale Lösung bemüht.»