Mit 33 Jahren ins Kanzleramt: Doch politische Affäre hätte Amthor fast die Karriere gekostet
Stand: 25.07.2026, 12:24 Uhr
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Philipp Amthor wird neuer Koordinator zwischen Bund und Ländern: Gleichzeitig wächst der Protest gegen die geplante IFG-Reform – ein alter Skandal rückt wieder näher.
Berlin – Philipp Amthor klettert die Karriereleiter weiter steil bergauf: Bislang war der 65-jährige Michael Meister Koordinator zwischen Bund und Ländern. Doch nachdem es der Regierung nicht gelungen war, etwa die Entlastungsprämie für Beschäftigte in Höhe von 1000 Euro durch den Bundesrat zu bekommen, und die Länder sich zunehmend unzufrieden zeigen, übernimmt nun der fast halb so alte, 33-jährige Philipp Amthor.

Doch auch Amthor ist nicht unumstritten: Eine politische Affäre hätte ihn fast die Karriere gekostet und hängt ihm bis heute nach. Jüngst drohte dieser Skandal erneut in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu gelangen. Neben diesem Aspekt könnte Bundeskanzler Merz mit Amthors Ernennung auch einen Kurswechsel in den Umfragewerten für eine kommende Landtagswahl bezwecken.
Amthor übernimmt Bund-Länder-Koordination – der IFG-Streit gärt
Philipp Amthor ist jung, aber nicht unbeschrieben: Vor sechs Jahren erst enthüllte eine Anfrage des Informationsfreiheitsgesetzes die Seilschaften zwischen dem damals 27-jährigen Politiker und dem amerikanischen IT-Unternehmen Augustus Intelligence. Amthor hatte im Vorfeld der Veröffentlichung zu Protokoll gegeben, für seine Tätigkeiten im Dienste des US-Unternehmens „kein Gehalt“ erhalten zu haben.
Später wurde enthüllt, dass Amthor für das US-Unternehmen Lobbyarbeit gegenüber Wirtschaftsminister Peter Altmaier betrieben hatte und dafür mehrere teure Reisen und Aktienoptionen im Wert von rund einer Viertelmillion Euro erhielt. Kritiker sehen darin einen Interessenkonflikt, wie das Portal Abgeordnetenwatch darlegt. Für Amthor wurde dieser Skandal folgenschwer: Trotz der Lobbyaffäre wollte er an seiner Kandidatur zum Landesvorsitz der CDU in Mecklenburg-Vorpommern festhalten, zog sie jedoch später wieder zurück. Ausgerechnet dieser Skandal sorgt aktuell erneut für Furore.
Transparenz unter Druck: 135 Organisationen stellen sich gegen IFG-Pläne der CDU
Im Koalitionsvertrag wurde 2025 festgehalten, es benötige mehr Transparenz und mehr öffentliche Kontrolle. Demnach müsse das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) reformiert werden. Der Journalist und Leiter des Portals Frag den Staat, Arne Semsrott, bewertet die neuesten Maßnahmen als „massiven Bruch des Koalitionsvertrags – und den größten Angriff auf staatliche Transparenz in der Geschichte der Bundesrepublik“. Konkret bezieht sich Semsrott darauf, dass bislang kein Grund für die IFG-Antragstellung genannt werden musste. Zukünftig sollen Anfragen jedoch nur noch mit „berechtigtem Interesse“ möglich sein. Semsrott erklärt: „Damit wären fast alle Anfragen nicht mehr möglich – das IFG wäre de facto abgeschafft.“
Den Grund für diesen Kurswechsel sieht der Journalist in der Zusammensetzung des Koalitionsausschusses: Der jüngst zurückgetretene CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn, wurde durch die Transparenz massiv bedroht: Im Zuge der Maskenaffäre wurden zahlreiche interne E-Mails veröffentlicht, und auch sein ominöser Villenkauf geriet dadurch an die Öffentlichkeit. Zuletzt konnten IFG-Anfragen die Verbindungen Spahns zum Tech-Oligarchen Peter Thiel belegen. Und auch Amthor gerät im Zuge dessen ins Visier Semsrotts.
„Märchenstunde“: Amthor weist Vorwürfe zur IFG-Reform zurück
Amthors Vorgehen, dessen Lobbyskandal ebenfalls durch eine IFG-Anfrage an die Öffentlichkeit gelangte, bewertet Semsrott als Forcierung einer „Abschaffung des IFG“. Gegenüber dem NDR erklärt Amthor, die Vorwürfe gegen ihn seien „niveaulos“. Aus den internen Dokumenten würden Halbwahrheiten verbreitet. Und weiter: „Jetzt hier irgendwie so eine Märchenstunde zu machen, dass irgendwelche Informationsrechte beschnitten werden sollen, das hat mit der Realität leider gar nichts zu tun.“
Ob Märchenstunde oder nicht: Zahlreiche Journalistenverbände protestieren derzeit gegen eine Reform des IFG. So berichtete Frag den Staat zuletzt, dass sich ein breites Bündnis aus 135 zivilgesellschaftlichen Organisationen für einen Stopp der Pläne einsetze. Sie berufen sich außerdem auf eine Studie im Auftrag des Bundes, nach der 83 Prozent der Befragten sich mehr proaktive Transparenz und Informationsfreiheit der Behörden wünschen würden.
Merz setzt auf Amthor – auch mit Blick auf die Wahl in MV
Mit der Berufung Amthors zum neuen Koordinator zwischen Bund und Ländern könnte Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz einen weiteren Plan verfolgen: Amthor stammt gebürtig aus Mecklenburg-Vorpommern, wurde von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen und studierte an der Universität Greifswald. In Mecklenburg-Vorpommern wird in diesem Jahr auch gewählt. Die ersten Prognosen deuten auf eine schwere Aufgabe für die CDU hin.
| AfD | 36 % |
|---|---|
| SPD | 29 % |
| Linke | 12 % |
| CDU | 9 % |
| Grüne | 5 % |
| BSW | 4 % |
| Sonatige | 5 % |
Die letzte Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des NDR, machte das deutlich: Die CDU verlor zuletzt einen Prozentpunkt und ist damit weiterhin abgeschlagen im Rennen um die Staatskanzlei in Schwerin. Dieses dürfte sich zwischen der AfD und der SPD entscheiden. Während die AfD bei 36 Prozent stagniert, setzt die SPD mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihren Aufwärtstrend der letzten Wochen fort und kann gleich zwei Punkte gutmachen. Derzeit steht die Partei bei 29 Prozent.
Zu der Aussagekraft von Meinungsumfragen
Um die Daten zu erfassen, befragte das Meinungsforschungsinstitut vom 2. bis 7. Juli 1.167 Menschen. Die maximale Fehlertoleranz beziffert Forsa auf 2,5 Prozent.
Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf etwaige Wahlausgänge.
Auch die Grünen konnten nach dem Besuch von Ricarda Lang einen weiteren Prozentpunkt gewinnen, und zögen mit fünf Prozent in den Landtag ein. Die Linken (zwölf Prozent) und das BSW (vier Prozent) verloren hingegen einen Punkt. Letzteren droht, nicht in den Landtag einzuziehen. Ob Amthor mit seiner neuen Verantwortung die Wende in der Heimat herbeiführen kann, ist offen. Für die angeschlagene CDU käme sein Erfolg jedenfalls wie gerufen. (Quellen: dpa, AFP, Abgeordnetenwatch, Frag den Staat, NDR, Infratest dimap, frühere Berichterstattung ) (kox)