KI-Stimme. Info
Liebe Leserin, lieber Leser,
heute blicke ich für Sie auf die alte Hauptstadt Bonn, wo es zu einem interessanten Schaulauf kommt. Beim Deutschlandtag der Jungen Union tritt heute Abend Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst auf, am Samstag Kanzler Friedrich Merz und am Sonntag Markus Söder.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Es wird spannend zu beobachten sein, wer beim Parteinachwuchs am besten ankommt. Hier wird der Applaus mehr verraten, als die offiziellen Reden. Ein Applausometer könnte einen Hinweis darauf geben, wer von den dreien für die Jungen der Hoffnungsträger der Konservativen ist. An dieser Stelle muss ich nicht gendern, die Union hat für Parteispitze und Kanzleramt nur Männer im Angebot.
Hendrik Wüst, der Junge

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst© FUNKE Foto Services | Reto Klar
Der NRW-Ministerpräsident kann sich auf einen freundlichen Empfang einstellen, weil er mit 51 Jahren am nächsten an den Jungen dran ist und ihre Lebenswelt am ehesten noch kennt. Wüst war selbst JU-Vorsitzender in NRW und hält engen Kontakt zu den Jungen. Als er letztes Jahr ein Abendessen für die JU in der Düsseldorfer Staatskanzlei schmiss, gab es ordentlich Ärger mit der SPD. Aber aus machttaktischer Sicht war das Steuergeld für Wüst gut investiert.
Ärgerlich für Wüst ist allerdings, dass heute kurz vor dem Auftritt in Bonn hässliche Zahlen auf den Tisch kamen. Laut INSA hat die NRW-CDU acht Prozentpunkte verloren und liegt nur noch bei 26 Prozent. Damit wäre – Stand heute – die schwarz-grüne Mehrheit in NRW weg. Damit liegt die CDU in NRW nur noch knapp vor der AfD, die vier Prozent zugelegt hat und damit auf 21 Prozent kommt.
Friedrich Merz, der Strenge

Kanzler Friedrich Merz© FUNKE Foto Services | Reto Klar
Der Kanzler wird es bei den Jungen am schwersten haben, weil dort die Enttäuschung über seine gebrochenen Versprechen am größten ist. Die Delegierten haben auch den letzten Deutschlandtag der Jungen Union im Vergnügungspark Rust in schlechter Erinnerung, wo der Kanzler seine treuen Unterstützer aus dem Wahlkampf nicht streichelte, sondern ihnen rhetorisch den Hammer über den Kopf zog. „Es kann doch nicht euer Ernst sein“, kanzelte er die Jugend der Partei ab, die angeblich einen „Unterbietungswettbewerb“ um das niedrigste Rentenniveau betrieb.
Dass sich die Jungen um die eigene Rente sorgten, hat der Kanzler damals nicht verstanden. Zwischen ihm und JU-Chef Johannes Winkel kam es damals zu einem Bruch, der bis heute nicht ganz geheilt ist.
Markus Söder, der Kumpeltyp

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder© Sven Hoppe/dpa | Sven Hoppe
Bayerns Ministerpräsident ist Vollprofi und wird sich rhetorisch perfekt an die Parteijugend anpassen. Er betritt in Bonn söderfreundliches Terrain, schließlich stand die Junge Union 2021 mehrheitlich hinter Söder, als er aus der Deckung kam und nach der Kanzlerkandidatur griff. Damals wurde es nach dem Drehbuch des Strippenziehers Wolfgang Schäuble der Nordrhein-Westfale Armin Laschet – und die Folgen sind bekannt.
Allerdings musste sich Söder bei den eigenen Jungen in Bayern schon manche Kritik anhören, zum Beispiel wegen seiner „One-Man-Show“ auf Social Media. Im Wahrnehmungskosmos von Söder fiel das in den Bereich Gotteslästerung, aber Ähnliches hat er in Bonn am Sonntag nicht zu erwarten. Wie ich Söder kenne, hat er an dieser Rede persönlich gefeilt, um im Wüst-Land dem Gastgeber die Wurst vom Brot zu ziehen.

Jörg Quoos.
Sie interessieren sich für politische Hintergründe und wollen wissen, was in der Hauptstadt hinter verschlossenen Türen passiert? Dann ist der Newsletter „Hauptstadt Inside“ von Jörg Quoos, dem Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion, genau das Richtige für Sie. Dreimal pro Woche fasst er zusammen, was Sie wissen müssen – und ordnet die Geschehnisse ein. Hier können Sie sich anmelden.
Alkoholverbot in Theorie und Praxis
Seit gestern gilt an allen 5700 Bahnhöfen der Deutschen Bahn in Deutschland ein Alkoholverbot. Auf Welt-TV hörte ich dazu heute Morgen den Chef der Bundespolizeigewerkschaft, Manuel Ostermann, der nicht daran glauben will, dass die Bahn das Verbot auch durchsetzen kann. Die Bundespolizei wird jedenfalls nicht mithelfen, das Hausrecht müssen die Bahnmitarbeiter selbst durchsetzen.
Mangels einschlägiger Expertise habe ich für Sie heute den Selbsttest gemacht. Für erstaunlich günstige 1,60 Euro habe ich direkt im DB-Bahnhof am Potsdamer Platz eine 0,33-Liter-Flasche gekühltes Beck´s gekauft und bin mit dem geöffneten Bier durch alle Gänge und über alle Bahnsteige gewandelt. Dort traf ich weitere Bierfreunde, aber auf keinerlei Gegenwehr.
Nach einer halben Stunde wurde ich übermütig und umkreiste mit meiner Flasche diverse Bahnsicherheitsbeauftragte in gelben und orangefarbenen Westen, auch einen Pulk Zugbegleiter in ihren blauen Anoraks. Zum Schluss schritt ich an einem Bahnsicherheitmitarbeiter – aus der Flasche trinkend – in zwei Metern Abstand vorbei.
Statt den Platzverweis zu kassieren – die Höchststrafe bei diesem Delikt – konnte ich dem Mann zusehen, wie er schnell nach dem Handy griff, um seine Nachrichten zu checken.
Funfact am Rande: Die deutsche Bahnzentrale mit dem Vorstand steht direkt über meinem Testbahnhof. Es gibt für die Bahnchefin also noch einiges zu tun, bis aus der Ankündigung Realität wird.
Eine unglaubliche Geschichte

Forschungsministerin Dorothee Bär (li.) mit der FUNKE-Aufsichtsratsvorsitzenden Julia Becker© Studien Wirken | Charles Yunck
Die herzzerreißendste Geschichte hörte ich diese Woche in der Hauptstadt bei der Initiative „Studien Wirken“.
Marlene Assmann-Khoueiry berichtete dort auf der Bühne, wie ihr nach der Diagnose eines bösartigen Hirntumors geraten wurde, das Baby im Mutterleib abzutreiben, weil es die Chemo mutmaßlich nicht überstehen würde und als Halbwaise ohnehin ein schweres Leben zu erwarten habe.
Nur weil die junge Frau so tapfer war und durch Zufall von einer klinischen Studie erfuhr, überlebte sie den Krebs und ist heute Mutter eines munteren Siebenjährigen, dessen Hobby es ist, lustige Witze zu erzählen.
Die Initiative – die von der FUNKE Mediengruppe ins Leben gerufen wurde – kämpft unter anderem dafür, dass mehr Patientinnen und Patienten Zugang zu lebensrettenden Studien erhalten. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sagte zum Auftakt der Veranstaltung: „Die Medizin war noch nie so gut wie heute – und dazu haben klinische Studien ganz maßgeblich beigetragen.“ Mehr Infos für Patientinnen und Patienten gibt es auf studien-wirken.de.
Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und gesundes Wochenende,
herzlich, Ihr
Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Sie haben Kritik oder Anmerkungen? Schreiben Sie mir gerne eine Nachricht.
Wie gefällt Ihnen dieser Newsletter? 👉 Jetzt an unserer kurzen Umfrage teilnehmen!