Mit diesen Preppern kann man nicht überleben

Stand: 16.09.2026, 00:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Tatort: Die letzten Menschen von Köln - Der neue Krimi mit den Ermittlern Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) spielt in einem teils menschenleeren Köln - und in der Prepperszene. Ob das die Suche nach dem Täter einfacher macht? Der "Tatort: Die letzten Menschen von Köln" hat zwei gute Ideen - und macht wenig daraus.

Tatort: Die letzten Menschen von Köln - Der neue Krimi mit den Ermittlern Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) spielt in einem teils menschenleeren Köln - und in der Prepperszene. Ob das die Suche nach dem Täter einfacher macht? Der "Tatort: Die letzten Menschen von Köln" hat zwei gute Ideen - und macht wenig daraus. © WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost

Im 96. Krimi mit Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) befindet sich die Domstadt im Ausnahmezustand. Wegen der Entschärfung einer Weltkriegsbombe wird im „Tatort: Die letzten Menschen von Köln“ ein Stadtareal zur menschenfreien Zone. Gerade dort wird ein Mörder gesucht!

Am Rande eines Kölner Stadtparks wird einem Mann in der Nacht die Kehle durchgeschnitten. Gleichzeitig versucht Elara Schmidtke (Katharina Schüttler), die Schwester des Opfers, fieberhaft ihren Bruder zu erreichen. Offenbar wollte das Geschwisterpaar im „Tatort: Die letzten Menschen von Köln“ einen Plan umsetzen. Doch nur Elara schafft es in ein Auto, welches Menschen einsammelt, die in einem Kölner Bunker an einem Prepperkurs teilnehmen. Angeleitet wird das Überlebenstraining von Moritz Zechmann (Florian Stetter), der Sohn Mats (Paul Ahrens) zum Survivalkurs mitgebracht hat. Doch warum wollten Elara und ihr Bruder offenbar diese Erfahrung machen? Und warum musste der Bruder vor Beginn des Kurses sterben?

Tatort: Die letzten Menschen von Köln - Kursteilnehmerin Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) und Survivaltrainer Moritz Zechmann (Florian Stetter) haben kein Vertrauen ineinander. Wer spielt hier welches Spiel?

Tatort: Die letzten Menschen von Köln - Kursteilnehmerin Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) und Survivaltrainer Moritz Zechmann (Florian Stetter) haben kein Vertrauen ineinander. Wer spielt hier welches Spiel? © WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost

Während Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) die Familienverhältnisse der Opferfamilie durchleuchten, wird eine Weltkriegsbombe mit gewaltiger Sprengkraft im Kölner Stadtgebiet entdeckt. Das bringt die Ermittler in eine brenzlige Situation: Einerseits suchen sie verzweifelt nach dem Ort des Survivaltrainings, denn dort scheint der Schlüssel für den Mordfall zu liegen. Andererseits dürfen viele Areale der Domstadt eigentlich nicht betreten werden.

Das erfahrene Drehbuchehepaar Eva und Volker Zahn kombiniert in seinem neuen Köln-Krimi zwei durchaus reizvolle Ideen: ein Porträt der Prepperszene und ihrer Motive sowie die dystopische Vorstellung einer verlassenen Stadt. Beides hat miteinander zu tun, denn die Prepper bereiten sich auf Ausnahmezustände jener Art vor. Auf eine Welt, in der nichts mehr so ist wie früher und in der öffentliche Ordnung und Versorgung zusammengebrochen sind. Ironischerweise bekommen die unter der Erde abgeschotteten Prepper nichts von der Evakuierung mit, denn die Handys mussten zu Beginn des Kurses abgegeben werden - auch diese Idee ist nicht schlecht.

Der Prepper als spinnertes Abziehbild

Leider wird aus den beiden guten Grundideen im 96. Krimi mit Ballauf und Schenk kein guter Film. Der „Tatort: Die letzten Menschen von Köln“ funktioniert weder als Spannungsstück noch als authentischer Ausflug in die Prepperszene. Gerade mal zwei weitere Teilnehmer neben Veranstalter Moritz Zechmann haben es unter die Erde in den Bunker geschafft. Der eine scheint intellektuell minderbegabt und anfällig für rechte Verschwörungstheorien. Der andere ist ein verklemmt einsamer Buchhalter mit dem dringenden Drang, mal was Krasses zu erleben. Zwei Klischeefiguren, die vom Drehbuch nicht allzu wichtig genommen werden.

Tiefgründiger geht es im Film darum, ob man extreme Herausforderungen gemeinsam bewältigen will oder das „Survival of the Fittest“-Prinzip ausruft. Verhandelt werden jene Fragen in Drehbuchstanzen. Da nutzt auch die prominente Besetzung des Premium-Krimis mit Katharina Schüttler, Florian Stetter und Ann-Kathrin Kramer nichts, die eine Cousine des Mordopfers spielt, die von den Ermittlern intensiver unter die Lupe genommen wird.

Nach zuletzt sowohl experimentierfreudigen wie auch sehenswerten bis starken Köln-„Tatorten“, die an der Oper („Tatort: Die Schöpfung“) und bei einer Kult-Fernsehsendung für Kinder („Tatort: Showtime“) spielten, macht der neue Fall der rheinischen Routiniers zu wenig aus seinen reizvollen Grundideen. Weder mit dem menschenleeren Köln noch der Prepperszene, die man schon viel besser in Szene gesetzt sah, konnten das Autorenteam oder auch Regisseur Marcus Weiler etwas anfangen. So ist es eben manchmal, dass trotz guter Zutaten und fähiger Köche ein Plot-Teig nicht richtig aufgeht. Die Altkommissare werden's verkraften. Sie haben schon viel Wasser den Rhein herunterfließen sehen und wissen im Gegensatz zu fanatischen Preppern: Es kommen auch (bald) wieder bessere Zeiten. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)