Ärztemangel auf dem Land
Mobile Landärztin soll Havelland versorgen
Von
Alexander Goligowski
Der Andrang bei der feierlichen Eröffnung der Praxisräume in Friesack (Havelland) ist groß. Anja Malysch hat sich dazu entschieden, hier drei Tage in der Woche Sprechstunden anzubieten. Schon seit Mitte Mai arbeitet Malysch in Friesack als Hausärztin. Am Donnerstag wurde die Praxis ganz offiziell eröffnet. Die Fachärztin für Innere Medizin soll aber nicht nur in der Hausarztpraxis Patienten empfangen, sondern mobil sein und so einen größeren Einzugsbereich versorgen.
Das Pilotprojekt hatte der Landkreis selbst vorangetrieben. Landrat Roger Lewandowski (CDU) sagte dem rbb, er freue sich, dass das Projekt jetzt an den Start gegangen sei. "Unser Interesse besteht ja darin, dass wir die Menschen hier im ländlichen Bereich auch halten und dazu gehört eben auch eine gute ärztliche Versorgung". Auch in weiteren Kreisen sollten mobile Landarztpraxen eingerichtet werden, der nächste Sitz solle in Nennhausen eingerichtet werden, so der Landrat.
Viele Friesacker fuhren nach Neuruppin, Nauen oder Berlin
In der Stadt Friesack gab es zuletzt von ehemals drei Hausärzten nur noch einen. Viele Friesacker hätten deswegen lange Wege auf sich nehmen müssen, sagte Bürgermeister Lothar Schneider (SPD). "Es sind viele Bürgerinnen und Bürger woanders hingegangen, zum Beispiel nach Neuruppin, Rathenow, Nauen und zum Teil sogar bis nach Berlin". Über die neue Ärztin seien alle sehr erfreut.
Anja Malysch war zuletzt als Notärztin im Auto und im Hubschrauber im Einsatz. Sie fühle sich auf dem Land aber am wohlsten, sagt sie. Nur eine eigene Praxis wollte sie nicht unbedingt eröffnen. Angestellt ist sie nun bei den Havelland-Kliniken, die die Praxisräume zur Verfügung stellen und Bürokratie für die Ärztin übernehmen. "Ich kann mich hier tatsächlich auf die Patienten konzentrieren, auf die Behandlungen, alles, was damit verbunden ist", so die Ärztin.
Eine der ersten Patientinnen in der neuen Praxis ist Edelgard Matschke. Sie kommt aus dem Nachbarort und sei aufgrund einer zurückliegenden Tumor-Erkrankung sehr oft in Behandlung. "Und wenn man immer kilometerweit fahren muss, ist eine Belastung. Deswegen bin ich froh, dass sich hier die Frau Doktor niedergelassen hat", so Matschke.
Auch moderne Telemedizin soll eingesetzt werden
Bald bietet Anja Malysch Sprechzeiten in unterschiedlichen Orten an und versorgt so eine größere Region. Sie soll Zeit für Hausbesuche haben und auch moderne Telemedizin einsetzen. Zumindest soll es im Havelland dahin gehen. In Friesack ist der Anfang gemacht.
Sendung: rbb24 Inforadio, 10.07.2026, 13:45 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 10.07.2026, Alexander Goligowski