Mordfall Fabian: Angeklagte im Fall Fabian streitet Tat ab

Im Gerichtsprozess um den ermordeten Fabian ist erstmals die Angeklagte zu Wort gekommen. Sie hat die Tatvorwürfe zurückgewiesen.

Quelle: DIE ZEIT, dpa,

edd

Aktualisiert am 24. August 2026, 13:54 Uhr

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Mordfall Fabian Rostock Prozess Gina H. Landgericht
Die Angeklagte im Mordfall Fabian hat ihre Aussage von einem Stapel DIN-A4-Zettel verlesen. © Bernd Wüstneck/​dpa

Die Angeklagte im Mordfall Fabian hat vor dem Landgericht Rostock die Tat abgestritten. Die 30-Jährige sagte in einer verlesenen Erklärung, dass sie den Fundort des Leichnams am 13. Oktober erstmals gesehen habe – also drei Tage, nachdem der achtjährige Junge aus Güstrow laut Staatsanwaltschaft getötet wurde.

Zeugen hatten im Prozess ausgesagt, dass sie die Frau an Fabians Todestag mit ihrem auffälligen Pickup-Auto auf einem Feldweg in der Nähe des Fundortes gesehen hätten. Die Angeklagte sagte, sie sei am Tattag in der Nähe des Fundortes bei Klein Upahl spazieren gewesen. Hätte sie die Tat begangen, wie ihr vorgeworfen werde, wäre sie mit Sicherheit »nicht so dumm gewesen« und an Zeugen vorbeigefahren.

95 Seiten Papier

Sie verlas, sie habe die Leiche am Abend des 13. Oktober gefunden, als sie mit zwei unterschiedlichen Freunden jeweils am Fundort war. Die Freunde hätten ihr aber eindringlich abgeraten, die Polizei zu rufen, sagte die 30-Jährige. Sie meldete den Fund erst am 14. Oktober.

Die 30-jährige Frau verlas ihre Aussage von einem großen Stapel DIN-A4-Blätter. Nach zwei Stunden unterbrach der Vorsitzende Richter Holger Schütt die Verlesung für eine Pause. Nach Angaben der Verteidigung hatte sie zu dem Zeitpunkt 50 der insgesamt 95 Seiten ihrer Erklärung verlesen.

Aussagen über Beziehung zu Fabians Vater

Während ihrer Aussage beschrieb sie unter anderem ihre Beziehung zu dem achtjährigen Mordopfer Fabian und dessen Vater. Sie habe sich in Fabians Vater verliebt und sei sehr schnell mit ihm zusammengezogen, sagte die 30-Jährige. Ihr etwa gleichaltriger Sohn und Fabian hätten sich gut verstanden. Später kam es ihren Angaben nach zu Spannungen zwischen ihr und Fabians Vater, auch weil sie nach einer ungeplanten Schwangerschaft abgetrieben habe.

Oft schickte sie im Minutentakt Sprachnachrichten an Fabians Vater, mit dem sie bis August 2025 eine vierjährige Beziehung führte. In den Chats ging es um Liebe, Trennung, Vorwürfe der Lüge und Eifersucht. Diese Sprachmemos wurden bereits in den vergangenen Prozesstagen vor Gericht abgespielt.

Küchenrolle mit Fabians Blut

Sie ging in ihrer Aussage auch auf ein Beweismittel ein, welches die Ermittler in den Prozess eingeführt hatten. Es handelt sich dabei um eine Küchenrolle mit dem Blut des toten Fabian, welche im hinteren Teil ihres Autos gefunden worden war. 

Die Angeklagte sagte, dass sich Fabian bei einem Ausflug an einen Badesee im August 2025 leicht am Fuß verletzt habe. Sie habe die kaum blutende Wunde mit einem Pflaster versorgt und mit einer Küchenrolle abgetupft, ohne das Blatt von der Rolle abzureißen.

Emotional wurde die 30-Jährige, als sie vom Tod ihres Lieblingspferdes berichtete. Der Richter unterbrach die Anhörung nach einer halben Stunde, um der Angeklagten eine kurze Pause zu gewähren.

Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen

Wegen einer Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen bezieht die Angeklagte seit Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Weil sie fünf Pferde besitzt, war sie auf die finanzielle Hilfe von Fabians Vater angewiesen.

Die 30-jährige Frau soll Fabian laut Anklage am 10. Oktober 2025 an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow, erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt haben. Das Motiv soll mit dem Verhältnis der Angeklagten zu Fabians Vater und dem zeitweisen Ende dieser Beziehung zusammenhängen.

Letzter Verhandlungstag für den 10. September geplant

In dem seit dem 28. April laufenden Indizienprozess wurden bereits zahlreiche Zeugen gehört und Gutachten vorgelegt. Er stößt seit Beginn auf großes öffentliches Interesse und wird von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet.

Als letzter Verhandlungstag ist der 10. September terminiert. Ob dann das Urteil gesprochen oder der Prozess verlängert wird, ist noch offen.