Stand: 14.10.2026, 20:00 Uhr
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Die Attacke eines 16-Jährigen an einem Gymnasium wurde nun als rechte Gewalttat eingestuft. Einiges wussten die Behörden bereits über den Angreifer.
München – Es ist etwa 12.50 Uhr, als am 8. Juli die ersten Notrufe eingehen. Die Meldung: Mehrere Personen am Welfen-Gymnasium in Schongau von einem Angreifer verletzt. Vor Ort treffen die Einsatzkräfte auf zwei durch ein Messer schwer verletzte, damals 13-jährige Mädchen. Sie haben wohl nur überlebt, da Mitschüler die Blutung stoppen. Lehrkräfte halten derweil in der Nähe der Schule den Angreifer fest – einen ehemaligen Schüler. 17 Minuten dauert es nach der ersten Alarmierung – und die Polizei nimmt den mutmaßlichen Täter fest. Ein schneller Zugriff – doch schnell kommt die Frage auf, ob dieser Angriff hätte verhindert werden können. Denn der mutmaßliche Täter war den Behörden bekannt.
Mutmaßlicher Täter von Schongau war Ermittlern bekannt: Er soll Amokläufe verherrlicht haben
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) berichtete im Innenausschuss des Landtags über den Stand der Ermittlungen. Der beschuldigte 16-Jährige war bereits vor der Tat wegen des Verdachts auf einschlägige Drohungen aufgefallen, erklärte Herrmann. Schon im März 2025 soll er Amokläufe in Sozialen Medien verherrlicht haben. Deshalb leitete die Staatsanwaltschaft München II Ermittlungen wegen des Verdachts auf Billigung von Straftaten gegen ihn ein. Beamte durchsuchten sein Zuhause, fanden etwa eine Schutzweste, mehrere Messer und eine Sturmhaube. Ende 2025 kam ein weiterer Verdacht dazu: Der 16-Jährige soll einem Mitschüler etwas gesagt haben, das als Androhung von Straftaten gewertet werden könnte. Er sei dazu in Anwesenheit seiner Erziehungsberechtigten befragt worden.
Der Jugendliche wurde befristet von der Schule ausgeschlossen, bevor er die Schule letztlich ganz wechselte. In U-Haft kam er nicht. Auch für eine Einstufung als „Risikoperson“ seien die Kriterien nicht erfüllt gewesen, heißt es vom Innenministerium. Die Landtagsabgeordnete Christiane Feichtmeier (SPD) fragte sich dennoch, warum der 16-Jährige nicht engmaschiger betreut worden sei. „Man hätte wesentlich mehr tun können“, sagte sie.
Immer mehr junge Männer gewaltbereit: Schnelleres Handeln gefragt
Man registriere in Bayern „weit über 600 Taten“ im Jahr „mit solchen Androhungen“, sagte Oliver Penonic vom bayerischen Innenministerium dazu. „Da kann nicht jeder in das Bedrohungsmanagement aufgenommen werden.“ Der Jugendliche habe einen Präventionskurs gemacht, sei von der Polizei betreut worden. Bis zum Angriff wurde er nicht mehr auffällig. „Das, was möglich war, haben die Kollegen gemacht“, sagte Penonic. Ein psychiatrisches Gutachten, das die Ermittler bereits im Frühjahr 2026 in die Wege geleitet hatten, lag jedoch bis zum Zeitpunkt der Tat im Juli nicht vor. Dass die Erstellung so lange dauert, ist aber offenbar nicht ungewöhnlich: „Zeitlich fällt das nicht aus der Reihe“, sagte Michael Rothärmel vom Justizministerium dazu.

Nach dem Angriff tauchte wie berichtet ein Schreiben auf, das die Ermittler dem mutmaßlichen Täter zuordnen. Beleidigt werden etwa Mitschüler und Lehrkräfte. Zudem ist es durchsetzt von „Frauenhass, Queerfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus“, sagte Herrmann. „Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse wurde die Tat durch die Polizei als rechte Gewalttat eingestuft.“
Herrmann verwies außerdem darauf, dass es immer mehr Täter im minderjährigen Alter gebe, auch wenn es nur ein Bruchteil der Gesamtschülerzahl sei. „Es geht fast ausschließlich um junge Männer“, fügte der Minister hinzu. Und er sagte, künftig müsse schneller gehandelt werden – auch mit Blick auf das angeforderte Gutachten. „Das soll kein Vorwurf sein“, sagte Herrmann. Aber: „Wir müssen daraus lernen.“ Denn Radikalisierung passiert immer schneller.