Stand: 16.08.2026, 16:51 Uhr
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Eine junge Frau aus Frankfurt war beim Berliner CSD dabei, als ein Attentäter in die Menge fuhr. Jetzt steht sie in Darmstadt auf dem Karolinenplatz – umringt von Polizeiwägen.
Eine junge Frau begrüßt und umarmt ihre Freunde, ihr Körper ist mit schimmerndem Glitter bedeckt, und aus ihrer Tasche blitzt ein bunter Sonnenschirm hervor. Vom Darmstädter Hauptbahnhof machen sich zahlreiche Menschen mit Regenbogensocken und glitzernden Gesichtern auf den Weg in Richtung Innenstadt. Dort hat der queere Verein „vielbunt“ unter dem Motto „Zeig dich. Für uns alle“ am vergangenen Samstag, 15. August, einen Christopher Street Day (CSD) veranstaltet.
Auch die junge Frau mit Schirm steht mittlerweile auf dem Karolinenplatz. Sie heißt Saskia und kommt aus Frankfurt. „Ich bin hier mit viel, viel Vorfreude“, erzählt sie. „Ich habe Lust, auf der Straße zu tanzen und für meine Rechte einzustehen.“ Trotzdem habe sie auch gemischte Gefühle: „Weil ich auch in Berlin dabei war. Und das ist hier jetzt so ein bisschen der Test: Wie sicher fühle ich mich.“
Am 25. Juli fuhr der islamistische Attentäter Abdul B. mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge auf dem Berliner CSD. Dabei wurde eine Frau aus Warschau getötet, viele Personen wurden verletzt. „Ich hoffe, dass meine Berlin-Erfahrung hiermit so ein bisschen überschrieben werden kann“, sagt Saskia. „Und ich freue mich einfach auf einen Tag voller Liebe, Freude, Tanzen und Einstehen für die eigenen Rechte.“
Unter großen Regenbogenschirmen und mit Prideflaggen auf dem Rücken schützen sich die Menschen vor der Sonne und wedeln sich mit farbenfrohen Fächern Luft zu. Birgit und Klaus-Peter stehen vor dem Haus der Geschichte im Schatten einer Säule. Ihr Sohn ist Teil der queeren Community, sie selbst sind bei „vielbunt“ aktiv.
„Wir wollen einfach unseren Sohn unterstützen,“ sagt Birgit. „Er war in Berlin und wir hatten ziemlich Angst um ihn,“ berichtet die 62-Jährige. „Weil wir mehrere Stunden nicht wussten, ob ihm jetzt etwas passiert ist oder nicht.“
Veranstaltungen wie der CSD fühlten sich nicht mehr sicher an, findet Klaus-Peter. Die Politik unterstütze sie nicht in dem notwendigen Umfang. „Ein AfD-Verbot wäre ein richtiger, großer Schritt“, sagt er. „Generell muss einfach Widerstand gegen diese Hetze und diesen Hass auch von der Politik deutlich gemacht werden.“
Eine Frau hält eine schillernde Prideflagge in die Höhe. Sie ist mit Hunderten, schimmernden Glitzersteinchen besetzt, die in der Sonne leuchten. Andere tragen bunte Schilder, auf denen steht: „Vielfalt statt Gewalt“ oder „Liebe, Respekt, Solidarität“. Festwagen, die mit Ballons und Wimpeln geschmückt sind, stehen bereit. Der Karolinenplatz ist umringt von Polizeiwägen und Einsatzkräften.
„Normalerweise sind CSDs friedlich, aber durch den Vorfall in Berlin ist halt viel Angst mit ins Spiel gekommen“, erzählt Tiff. In Darmstadt gebe es zumindest sichtbaren Schutz. „Bei mir in der Heimatstadt beim CSD waren nur zwei Polizeiautos. Wenn da einer reingekracht wäre, hätte es mehr Chaos gegeben.“
Tiff ist 17 Jahre alt und kommt aus der Kleinstadt Miltenberg in Unterfranken. „Bei uns ist das mit dem Sicherheitskonzept für den CSD noch nicht so durchgesetzt worden.“ Dennoch ist Tiff mit einem entspannten Gefühl zur Veranstaltung gekommen. „Wir wollen eigentlich nur Spaß haben, das ist für mich das Wichtigste.“
Lady Gagas „Pokerface“ schallt aus einem Lautsprecher. Die Menschen laufen mit dem Demozug über den Luisenplatz, tanzen, lachen und jubeln. „Die Stimmung hier ist grandios“, findet Sören. „Es ist ganz besonders schön, dass du dich hier total öffnen kannst.“
Der 31-Jährige ist bisexuell und besucht seit einem Jahr regelmäßig CSDs. „Man muss sich immer wieder bewusst machen, dass wir hier auf einer Demo sind, nicht auf einer Party“, sagt er. „Aber ich finde die Kombination immer schön. Alle haben gute Laune und sind super rücksichtsvoll.“
Während Technobeats im Hintergrund wummern, wird auf der Wilhelminenstraße eine Konfettikanone abgefeuert. Schillernde Papierfetzen rieseln zu Boden. In der Darmstädter Fußgängerzone herrscht an diesem Samstag etwas Farbe vor statt des üblichen grauen Betons.