Stand: 17.07.2026, 18:08 Uhr
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Nach zwei gescheiterten Hausbesetzungen in Gießen soll vorerst Schluss sein. Ganz aufgeben wollen die Aktivist:innen aber nicht.
Sie wollen bis Sonntag bleiben: die Organisierenden der Mahnwache für die Hausbesetzer:innen in Gießen. Am vergangenen Sonntag hatte die Gruppe „LinkesLebenGießen“ ein leerstehendes Gebäude der Justus-Liebig-Universität (JLU) in der Hein-Heckroth-Straße 3 besetzt.
Nach der Räumung durch die Polizei am Dienstag hatten die Aktivist:innen dann kurzerhand ein leerstehendes Gebäude in der Iheringstraße 6 besetzt, das sie aber schnell wieder freiwillig verließen. Ein „Freitraum“-Haus wollte man gründen.
Seitdem findet vor dem „Freitraum“-Haus eine Mahnwache statt. Mit einem bunten Programm, von Gesprächsrunden zu konsensualer Nichtmonogamie bis hin zu DJ-Workshops.
„Das Präsidium hat bei laufenden Verhandlungen kriminalisiert, gelogen und Alleingänge gemacht“, kritisieren die Besetzer:innen in ihrem „Freitraum-Haus“-Telegram-Kanal. Das dürften einige mit einer gewissen Ironie zur Kenntnis nehmen. So stehen ähnliche Vorwürfe gegen die Besetzer:innen im Raum.
Eigentlich war am vergangenen Sonntag eine gemeinsame Demo verschiedener linker Organisationen gegen das selbst auferlegte Spardiktat der Bundesregierung geplant. Während der Demo hatte sich dann die als anarchistisch geltende Spitze vom Demozug getrennt, um das Haus in der Hein-Heckroth-Straße zu besetzen. Viele Mitdemonstrierende fühlten sich dadurch hinters Licht geführt.
„Was als Demonstration gegen die massiven Kürzungen der Bundesregierung beworben wurde, wurde zur Überraschung vieler Teilnehmenden kurzerhand zu einem Ablenkungsmanöver und zur Mobilisierungskampagne für eine zeitgleich durchgeführte Hausbesetzung“, kritisierte etwa die Kommunistische Partei Gießen auf Instagram.
„Wir wurden als Bündnispartner-Orgas aktiv angelogen, wir haben richtig viele Ressourcen in die Planung, Mobi etc. gesteckt, und uns wurde bis man dann vor dem Haus stand nicht gesagt, dass es sich eigentlich gar nicht um eine Demo handelt“, kommentierte eine Userin.
Nachdem die JLU Strafantrag gegen die Besetzer:innen gestellt und mehrere Fristen gesetzt hatte, wurde das Haus schlussendlich von rund 150 Polizist:innen geräumt. Der Asta der Uni Gießen hat in einer Sondersitzung am Mittwoch beschlossen, das Präsidium aufzufordern, die Strafanträge gegen die Aktivist:innen zurückzunehmen. Auch die Fachschaftenkonferenz, das gemeinsame Gremium aller Fachschaften, hat beschlossen, diese Forderung zu unterschreiben.
Die Aktivist:innen selbst äußerten sich auch in der Senatssitzung. „Gießen braucht Orte wie diesen: für Begegnung, kulturelle Teilhabe und Weiterbildung.“ Solche „dritten Orte“ seien ein wichtiges Mittel gegen einen fortschreitenden autoritären Umbau unserer Gesellschaft. Mit der Räumung habe die Universität diesem Umbau Vorschub geleistet, statt ihm entgegenzuwirken“, hieß es in der Rede.
Die „Freitraum“-Pläne scheinen derweil nicht ausgeträumt. „Dieser Ort ist uns sehr ans Herz gewachsen. Zum Glück haben wir nicht vor, ihn aufzugeben“, steht im Telegram-Kanal. Gießen darf also gespannt sein, wie es weitergeht.