Nach Iran-Fiasko: Mossad-Chef feuert israelische Spitzenbeamte

Der Chef des Mossad, Roman Gofman, hat die Leiter der Geheimdienstdirektion und der Iran-Abteilung entlassen. Das berichtete der israelische Sender Channel 12. Hintergrund seien die gescheiterten Bemühungen, die Staatsführung in Teheran zu stürzen.

Laut Haaretz war die Entscheidung mit beiden Beamten abgesprochen, sie hätten zugestimmt. Die interne Aufarbeitung der Iran-Operation ist aber noch nicht abgeschlossen. Beide bleiben im Mossad, verlieren aber ihre Führungsposten. Der Leiter der Einflussdirektion, der die Operation geleitet hatte, war schon im Juni entlassen worden, gleich zu Beginn von Gofmans Amtszeit.

Vorwurf: Bauernopfer für Netanjahu

Eine mit den internen Entscheidungsprozessen vertraute Person kritisierte die Entlassungen gegenüber Haaretz scharf. Gofman selbst sei als früherer Militärsekretär Netanjahus einer der wichtigsten Befürworter des Plans gewesen, die Staatsführung in Iran zu stürzen. Mit den Entlassungen wolle er nun helfen, Benjamin Netanjahu von der Verantwortung für das Ausbleiben des Umsturzes zu entlasten, so die Quelle.

Der Plan sei dabei nicht gescheitert, sondern schlicht nie umgesetzt worden, weil ihm die Zustimmung von US-Präsident Donald Trump gefehlt habe. Verantwortlich für eine solche Freigabe sei der Regierungschef, nicht die Mossad-Führung, erklärte die Quelle weiter. Die Entlassungen bezeichnete sie als feigen Akt und als fehlende Rückendeckung für Mitarbeiter, die der Sicherheit Israels über Jahre gedient hätten.

Neue Untersuchung zum 7. Oktober

Gofman hatte bereits im Juni eine erneute, umfassende interne Untersuchung des Vorgehens des Mossad rund um den 7. Oktober sowie während des anschließenden Kriegs angeordnet. Nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten Personen soll die Untersuchung frühere interne Aufarbeitungen nicht ersetzen, sondern sei Teil seines Einstiegs als neuer Direktor. Zusätzlich berichtete die israelische Zeitung Maariv, Gofman habe fünf externe Berater rekrutiert, die die operativen Ziele des Mossad für die kommende Amtszeit mitgestalten sollen. Ein unorthodoxer Schritt, da die Berater keine klassische Mossad-Laufbahn durchlaufen hätten.

Gescheiterter Mobilisierungsplan der Opposition

Die New York Times hatte im März berichtet, der frühere Mossad-Chef David Barnea habe Netanjahu noch vor dem Krieg mit Iran mitgeteilt, der Dienst könne innerhalb weniger Tage die iranische Opposition mobilisieren und Unruhen auslösen, die zu einem Sturz der Staatsführung in Teheran führen könnten. Barnea habe diesen Plan auch hochrangigen Vertretern der Trump-Regierung bei einem Besuch in Washington Mitte Januar vorgestellt.

Netanjahu hatte sich laut den von der New York Times zitierten Quellen die optimistische Einschätzung des Mossad zu eigen gemacht, um Trump von der Realisierbarkeit eines Führungswechsels zu überzeugen. Hinter den Kulissen habe er später Frust darüber geäußert, dass sich die Erwartungen des Mossad nicht erfüllt hätten.

Weitere mit den Details vertraute Personen wiesen den Bericht der New York Times gegenüber Haaretz allerdings zurück. Demnach war die Einschätzung der Mossad-Führung im Vorfeld des Angriffs auf Iran, dass sich Proteste in Teheran frühestens nach Kriegsende mobilisieren ließen. Ein tatsächlicher Wechsel an der Staatsspitze hätte danach noch viele Monate dauern können.

Die jüngsten Personalentscheidungen reihen sich damit in eine Serie von Umbauten an der Mossad-Spitze seit Gofmans Amtsübernahme im Juni ein, mit denen der neue Chef sowohl die Aufarbeitung des Kriegsjahres als auch die strategische Neuausrichtung des Dienstes vorantreiben will.

Lesen Sie mehr zum Thema