Nach Landtagswahlen: Junge Union in Mitteldeutschland fordert Neuanfang

Friedrich Merz, Bundesvorsitzender CDU und Kanzlerkandidat, hält auf dem Deutschlandtag eine Rede

AUDIO: Quo vadis, CDU? (3 Min)

Nach Landtagswahlen

Stand: 22.09.2026 18:41 Uhr

Nach den Wahlniederlagen der CDU in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern fordern Vertreter der CDU-Jugendorganisation in Mitteldeutschland tiefgreifende Veränderungen. Es dürfe nun nicht einfach so weitergehen. Es brauche mehr Mut bei den überfälligen Reformen und einen personellen Wandel. Auch über die Brandmauer müsse die Union sprechen.

von Carolin Voigt, MDR AKTUELL

  • Der Thüringer JU-Vorsitzende Lennart Geibert fordert eine Neubewertung der Brandmauer.
  • Die sächsische CDU-Abgeordnete Tina Trompter wünscht mutigere Reformen.
  • Der JU-Vorsitzende in Sachsen-Anhalt Nico Elsner hält personelle Veränderungen für nötig.

Wenn man sich bei den jungen CDUlern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen umhört, hört man vor allem zwei Dinge: Entsetzen und Fragen.

Kein "Weiter so", aber weiter mit Merz

Lennart Geibert, Landesvorsitzender der Jungen Union in Thüringen: "Ein 'Weiter so' kann es jetzt nicht geben. Das ist ganz klar. Die CDU ist das erste Mal aus einem Landesparlament in Deutschland rausgeflogen. Das ist ehrlicherweise etwas, das ich für dieses Jahr nicht auf meiner Bingo-Karte hatte und mich deswegen völlig aus den Schuhen gehauen hat."

Ein 'Weiter so' kann es jetzt nicht geben. Das ist ganz klar. Lennart Geibert, JU-Landesvorsitzender Thüringen

Ein Austauschen von Friedrich Merz als Kanzler sieht der Mann aus Weimar nicht als Lösung. Es sei an Friedrich Merz jetzt die Reformen auf den Weg zu bringen. Die Kommunikation müsse aber besser werden. Außerdem kritisiert Geibert das "Einmauern hinter Brandmauern". Darüber müsse innerhalb der Partei "konzeptionell" gesprochen werden. "Probleme mauert man nicht hinter einer Brandmauer ein. Die bleiben da und werden da größer, wie man jetzt sehen kann."

Mehr Mut bei Reformen und Spitzenpersonal

Einen "großen Knall der Reformen" wünscht sich Tina Trompter, JU-Mitglied in Sachsen und für die CDU im sächsischen Landtag. Die Menschen wüssten, wo die Probleme liegen. Die Zeit des Erklärens sei vorbei. Man sei gewählt, um Probleme zu lösen. "Ich glaube, da braucht es auch wirklich den großen Wurf. Und das vermisse ich so ein bisschen in Berlin. Wir müssen mal wieder mutig sein." Dafür habe ihre Partei einmal gestanden und da müsse sie auch wieder hinkommen. Ein Generationenproblem sieht Trompter in der Partei nicht.

Ich glaube, da braucht es auch wirklich den großen Wurf. Wir müssen mal wieder mutig sein. Tina Trompter, CDU-Abgeordnete im Sächsischen Landtag

Anders als ihr Parteikollege Nico Elsner. Vom Statement des Kanzlers kurz nach den Wahlen zeigt sich der Landesvorsitzende der JU Sachsen-Anhalt enttäuscht. Zwar fordert er nicht Merz' Abdanken als Kanzler, aber mit Blick auf den Parteivorsitz sagt er: "Da hätte es durchaus auch die Verkündung eines personellen Neuanfangs geben können." Es gebe Leute, die hätten ihren Rückzug schon für deutlich weniger verkündet, so Elsner. Namen von potenziellen Nachfolgern will Elsner aber nicht nennen. "Im besten Fall jemand, der deutlich jünger ist. Ich denke da an eine Person zwischen 30 und 50, was eigentlich ein gutes Alter ist, so eine Verantwortung zu übernehmen."

Video: Stürzt die Union ihren eigenen Kanzler? (1 Min)

Chance für personellen Wandel an Parteispitze

Für Elsner sind die letzten Wahlergebnisse der CDU nicht einfach ein Ausdruck von schlechter Stimmung, sondern ein großes Desaster. Was die Beliebtheitswerte von Merz angehe, seien alle Messen gelesen. Merz habe nichts zu verlieren und könne damit jetzt auch unpopuläre Reformen angehen.

Ich sehe das jetzt auch als Chance, sich von diesen Low Performern zu trennen und jetzt Leute zu nehmen, die wirklich Lust haben, diese Partei und dieses Land zu gestalten. Nico Elsner, JU-Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt

Für die nächsten Jahre sieht der Wittenberger zwei zentrale Stellschrauben: Die CDU brauche viele neue Mitglieder. Und: "Wir müssen auch anerkennen, dass die Wahlergebnisse, die wir da erzielt haben, auch eine Abrechnung mit den Persönlichkeiten sind, die wir teilweise in der Politik haben. Wir haben zu tun mit vielen Low Performern. Und ich sehe das jetzt auch als Chance, sich von diesen Low Performern zu trennen und Leute zu nehmen, die wirklich Lust haben, diese Partei und dieses Land zu gestalten." Für ihn, so Elsner, gelte das Prinzip: Erst das Land, dann die Partei und zum Schluss die Person.