Stand: 16.10.2026, 21:00 Uhr
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Hinweise auf frühere Infektionen gab es nahe der hessischen Grenze schon vor Jahren. Was der nun erste bestätigte Infektionsfall mit dem Sindbis-Virus für Hessen bedeutet.
Hessen – Ein seltener Virusfall im benachbarten Baden-Württemberg wirft Fragen auf, die auch Hessen betreffen: Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) ist im September bei einem 60-jährigen Mann aus Baden-Württemberg eine Infektion mit dem Sindbis-Virus labordiagnostisch bestätigt worden. Den Beginn der Erkrankung datieren die Experten auf den 12. Juli 2026. Nach Angaben des RKI wird das Virus durch Stechmücken übertragen. Auch Vögel spielen im Übertragungszyklus eine Rolle. Menschen können sich zwar anstecken, tragen aber nicht zur weiteren Verbreitung bei, da sie das Virus nicht übertragen.
Das RKI erklärt, dass solche Infektionen häufig ohne oder nur mit milden Symptomen verlaufen. Wenn Beschwerden auftreten, sind diese typischerweise Fieber, Hautausschlag und Gelenkbeschwerden. Sie können sehr stark sein und auch nach der eigentlichen Infektion anhalten.
Virus nahe der hessischen Grenzeschon seit 2009
In Deutschland wurde das Virus erstmals 2009 in Stechmücken nachgewiesen. Eine Studie legt nahe, dass das Virus von Zugvögeln aus dem skandinavischen Raum stammen könnte. Vereinzelte Antikörperfunde bei Blutspendern aus der Region Weinheim in Baden-Württemberg, unweit der hessischen Grenze, deuteten in den Folgejahren auf unbemerkte Ansteckungen beim Menschen hin. Die jetzt gemeldete Infektion ist jedoch die erste nachgewiesene Erkrankung mit dem Virus in Deutschland.
Nach Angaben des Hessischen Landesamts für Gesundheit und Pflege sind in Hessen jedoch bislang keine Fälle bekannt, bei denen sich Menschen mit dem Sindbis-Virus angesteckt haben. Als Überträger kommen aber mehrere Mückenarten infrage, heißt es. „Bei einigen von ihnen handelt es sich um in Deutschland heimische Mückenspezies, womit eine mögliche Übertragung des Erregers durch hiesige Mücken nicht auszuschließen ist“, so eine Sprecherin des Amts.
Immerhin sinkt das Risiko mit der anstehenden kühleren Jahreszeit deutlich. In der Mückensaison von Frühjahr bis Frühherbst rät das Amt, sich „mit alltagstauglichen Maßnahmen“ – wie etwa Fliegengitter und Insektenschutzmittel – vor Mückenstichen zu schützen, um so das Ansteckungsrisiko mit verschiedenen Erregern zu senken.
Gefährliches Malaria-Virus am Flughafen Frankfurt
Auch in Frankfurt und Umgebung sind über Mücken übertragbare, seltene Infektionen ein Thema. Seit Juli sind im Umfeld des Flughafens acht Menschen an Malaria erkrankt, drei von ihnen starben. Sechs Erkrankte arbeiteten am Flughafen, zwei weitere lebten in Schwanheim. Auffällig ist, dass sich keiner der Erkrankten zuvor in einem Malariagebiet aufgehalten hatte. Als mögliche Ursache vermutet das Gesundheitsamt eingeschleppte Anopheles-Mücken. Wie die Mücken nach Frankfurt gelangt sein könnten, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport hat das Gesundheitsamt Mückenfallen am Flughafen Frankfurt aufgestellt. Die darin gefangenen Mücken werden im Tropeninstitut in Antwerpen genetisch untersucht, um ihre Herkunft und Art zu bestimmen. Fraport gibt zudem an, bei Beschäftigten mit unklaren Beschwerden eine gezielte medizinische Abklärung zu veranlassen, um Malariafälle frühzeitig auszuschließen. „Wir beobachten die Situation weiterhin sehr aufmerksam und passen unsere Maßnahmen regelmäßig in Abstimmung mit den zuständigen Behörden an“, so das Unternehmen.
In dem Zusammenhang bestätigt das Gesundheitsamt Frankfurt die „Monitoring-Maßnahmen angepasst und ausgeweitet“ zu haben. Das Amt tausche sich regelmäßig mit den „relevanten Stellen des Fraports aus“, heißt es auf eine Anfrage von IPPEN.MEDIA.