Der ukrainische Drohnenkrieg gegen den russischen E-Commerce-Riesen Wildberries reißt tiefe Löcher in die Kassen usbekischer Exportunternehmen.
Unternehmen in Usbekistan haben Regierungsvertreter über einen deutlichen Rückgang der Exporte über den russischen Online-Marktplatz informiert. Dieser Einbruch setzte ein, nachdem die Ukraine im vergangenen Monat eine Angriffswelle mit Sprengstoffdrohnen gegen die Lager- und Logistikinfrastruktur von Wildberries in ganz Russland gestartet hatte.
Wildberries hat sich zu einem wichtigen Vertriebskanal für usbekische Hersteller entwickelt. Nach Angaben von Wildberries überstieg der Umsatz mit in Usbekistan gefertigten Waren im Jahr 2025 die Marke von 1,4 Milliarden US-Dollar; zwei Jahre zuvor hatte dieser Wert noch bei 418 Millionen US-Dollar gelegen.
Usbekische Firmen beklagen Verluste
Nargiza Bekmuratova, Leiterin des Textilunternehmens Artatex, sprach bei einem Treffen zwischen Unternehmern und der Regierung den indirekten Druck an, dem usbekische Unternehmen durch die Zerstörungen an der Plattform Wildberries infolge von Drohnenangriffen ausgesetzt sind.
Artatex beschäftigt rund 300 Mitarbeiter und exportiert üblicherweise Waren im Wert von etwa drei Millionen US-Dollar pro Jahr nach Europa und in die USA. Bekmuratova stellte fest, dass die Exporte des Unternehmens im laufenden Jahr zurückgegangen seien. Dies sei maßgeblich auf die Störungen der Wildberries-Logistik infolge der zahlreichen Drohnenangriffe zurückzuführen.
„Unsere Exporte sind in diesem Jahr gesunken. Normalerweise exportieren wir jährlich Waren im Wert von drei Millionen US-Dollar. Der Grund dafür ist hinlänglich bekannt: Fast täglich brennt ein Lagerhaus von Wildberries ab“, erklärte die Unternehmerin. Sie warnte davor, dass das Unternehmen bei anhaltenden Störungen Schwierigkeiten haben könnte, ausstehende Zahlungen zu erhalten.
Russland zunehmend unsicher, Zentralasien im Fokus
Solche Szenarien sind in ganz Zentralasien zu beobachten. Insbesondere in Kirgisistan suchen in Bedrängnis geratene Unternehmen nach Wegen, eine Entschädigung für Waren zu erhalten, die in angegriffenen Lagern von Wildberries verloren gingen. Gleichzeitig gehen Analysten davon aus, dass Wildberries seine Lagerkapazitäten in Zentralasien massiv ausbauen könnte, um Waren und Betriebsabläufe aus der Kriegszone herauszuhalten.
Dies könnte jedoch zu Problemen führen: Sollte sich herausstellen, dass Wildberries Güter mit doppeltem Verwendungszweck (sogenannte Dual-Use-Güter, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können) über zentralasiatische Länder schleust, könnten diesen Ländern westliche Sanktionen drohen. Dennoch dürften für den Onlinehändler verfügbare Lagerstandorte in Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan von Interesse sein.
Der stellvertretende usbekische Premierminister Dschamschid Chodschajew erklärte, die Regierung werde ein gesondertes Treffen mit der Geschäftsführung von Wildberries abhalten, um auf die Bedenken usbekischer Exporteure einzugehen.
„Wir haben bereits mit der Geschäftsführung [von Wildberries] gesprochen; sie wird per Fernschalte [an einer Besprechung] teilnehmen. Wir werden ein separates Treffen [zur Situation bei Wildberries] abhalten. Ich habe mit deren Management gesprochen – sie werden eingebunden sein. [...] Wir werden eine systematische Lösung für dieses Problem erarbeiten“, sagte Chodschajew.
Er wies den stellvertretenden Vorsitzenden der Zentralbank, Abror Mirzo Olimov, sowie den Kabinettsvertreter Doniyor Ganiev an, die Forderungen der Exporteure im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Lage zu prüfen. Zudem forderte er die Verantwortlichen auf, Informationen zu den betroffenen Exporteuren zusammenzustellen und die Angelegenheit mit Wildberries zu erörtern. An dem geplanten Treffen sollen voraussichtlich sowohl die Unternehmensführung als auch Vertreter der usbekischen Behörde für Leichtindustrie teilnehmen.
Schäden gehen in die Milliarden
Chodschajew erkundigte sich zudem bei dem stellvertretenden Minister für Investitionen, Industrie und Handel, Ibrokhim Ergashev, ob Khurram Teshabaev, der für Russland zuständige Beamte des Ministeriums, über die geplanten Gespräche informiert worden sei. Wie RBC berichtete, kam es seit dem 18. Juli zu Drohnenangriffen auf Lagerhäuser und Sortierzentren in verschiedenen Regionen Russlands, darunter Tambow, Moskau, Krasnodar, Leningrad, Twer, Samara, Wladimir und Wolgograd sowie in der Region Stawropol, in Udmurtien, auf der Krim und in St. Petersburg.
Dabei wurden mehrere Einrichtungen durch Brände schwer beschädigt. Einige Lagerhäuser mussten vorübergehend geschlossen werden, was zu Einschränkungen bei der Auslieferung oder zur Umleitung von Waren an andere Standorte führte. Es gab Todesopfer und Verletzte unter der Belegschaft, zudem wurde Ware beschädigt.
Russischen und anderen Schätzungen zufolge haben die Angriffe 15 bis 20 Prozent oder mehr der Lagerkapazität von Wildberries beeinträchtigt. Einige Experten beziffern die direkten Verluste auf 100 bis 300 Milliarden Rubel (1,2 bis 3,7 Milliarden US-Dollar).
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen einer Kooperation zwischen der Ostdeutschen Medienholding und bne IntelliNews. Der Beitrag erschien zuerst hier auf Englisch.
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