Wer dieser Tage einen Blick auf verschiedene Wetterprognosen wirft, kann es bereits erahnen: Auf Deutschland kommt eine nächste Hitzewelle zu. Bei der Frage, wie extrem diese werden könnte, gehen die Prognosen aber weit auseinander.
Fest steht: „Es ist etwas sehr Heißes im Busch“, so Diplom-Meteorologe Georg Haas von wetter.com. Das Online-Portal gehört wie diese Redaktion zur FUNKE Mediengruppe.
Neue Hitzewelle: Wettermodelle prognostizieren extreme Temperaturen
Im Gespräch bekräftigt Haas, dass die Wettermodelle tatsächlich die nächste Hitzewelle zeigen. Beginnend in der kommenden Woche. Nur ist eben bislang nicht ganz klar, wie heiß es in Deutschland wirklich wird. „Es wird von einer großen Hitzewelle bis zu einer historischen Hitzewelle alles berechnet“, sagt Haas. Es sei möglich, dass neue Temperaturrekorde aufgestellt werden. Genauso möglich sei aber auch, dass die Temperaturen unter denen der vergangenen Hitzewelle Ende Juni liegen.
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Genaue Prognosen sind laut des Experten aktuell nicht möglich. „Je weiter eine Wetterprognose in der Zukunft liegt, desto mehr Informationen fehlen.“ Man stoße schlichtweg an die Grenzen der Vorhersagbarkeit. Das amerikanische Wettermodell sagt etwa für Ende des Monats 44 Grad in Nordrhein-Westfalen voraus. Temperaturen, die es laut Haas seit Beginn der Wetteraufzeichnungen nicht gegeben habe. Das europäische Wettermodell sei hingegen defensiver und liege mit Temperaturen von 37 oder 38 Grad wenige Grad darunter.

Eine Sandbank an der Niedrigwasser führenden Donau ist komplett ausgetrocknet. © Armin Weigel/dpa | Armin Weigel
Extremhitze oder mäßig warm? Wettermodelle liefern unterschiedliche Prognosen
Deutlicher würden die Unterschiede der Wettermodelle Anfang August werden, erklärt Haas. Während das europäische Wettermodell für Sachsen-Anhalt Temperaturen über 40 Grad prognostiziert, gehe das amerikanische Modell bereits auf 26 herunter. „Mit anderen Worten: Es kommt etwas Heißes auf uns zu, das ist gesichert.“ Ob Rekorde aufgestellt werden, sei aber bisher nicht klar. Je näher das Wetterereignis komme, desto eindeutiger seien laut Haas aber die Prognosen.
Ein „16-Tage-Trend“, wie ihn auch wetter.com anbietet, sei zwar eine gute Möglichkeit, um sich auf ein potenziell mögliches Wetterereignis einzustellen. Eine sichere Prognose sei das laut Haas aber nicht. Deutlich genauer sei hingegen das sogenannte „7-Tage-Wetter“, das lediglich das Wetter der kommenden Woche vorhersagt.

Im Südwesten Frankreichs erhellen Waldbrände den Himmel.© Romain Perrocheau/AFP/dpa | Romain Perrocheau
Waldbrandgefahr steigt: Trockenheit und Hitze bedrohen Deutschlands Wälder
Mit Blick auf die drohende Hitze zum Monatswechsel sieht der Meteorologe aber noch ein anderes Problem. „Gerade im Südwesten ist im Hinblick auf Regen wenig in Sicht“, sagt Haas. Dabei sei die Trockenheit schon jetzt ein Problem. Im Harz etwa gilt die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe.
Die Harzer Schmalspurbahn setzt seit dem heutigen Donnerstag daher statt der Dampflok auf eine Diesellok, um mögliche Funkensprünge zu verhindern. Auf der Oder ist wegen anhaltender Trockenheit teilweise die Güterschifffahrt eingestellt worden. In Berlin gibt es derweil Warnungen vor plötzlich herabfallenden Ästen in Parks. Der Grund? Zahlreiche Bäume, die unter Trockenheit leiden.
Haas verweist aber auch auf das europäische Ausland. In Spanien, Italien und Frankreich brennen die Wälder. „Mit dem Wassermangel wird sich die Waldbrandgefahr aber auch bei uns weiter erhöhen“, prognostiziert der Experte.
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Klimaanpassung gefordert: Hitze und tropische Nächte setzen Städten zu
Neben der steigenden Waldbrandgefahr und vermutlich heißen Tagen dürften auch tropische Nächte auf Deutschland zukommen. „Wenn sich die Luftmasse tagsüber auf nahezu 40 Grad aufheizt, gibt es in dicht bebauten Gebieten gar keine Chance, auf unter 20 Grad herunterzukühlen“, so Haas. Ein Problem, das vor allem in Ballungsgebieten – also Großstädten – besteht. Auch für Bewohnerinnen und Bewohner von Dachgeschosswohnungen oder Wohnungen, die kaum vor Sonne schützen, könnte dieses Wetter laut Haas erneut zur Hölle werden.
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Der Meteorologe und Wetter-Redakteur zieht daraus eine Konsequenz. „Wir müssen in Deutschland unbedingt über Klimaanpassung sprechen“, so Haas. Extremwetterlagen werden aufgrund der Klimakrise statistisch immer wahrscheinlicher. „Wie wollen wir damit zurechtkommen?“, fragt sich Haas und merkt an, dass sich Deutschland bezüglich Klimaschutz in den vergangenen Jahren hinten angestellt habe.
Hitzetote in Deutschland: RKI und Statistisches Bundesamt melden Rekordwerte
Der Experte verweist etwa auf die hohe Anzahl an Hitzetoten in Deutschland während der letzten Hitzewelle. Das Robert Koch-Institut zählte 5100 Hitzetote allein im Juni. Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen das. Auch im Nachbarland Frankreich sind während der massiven Hitzewelle in der zweiten Junihälfte über 5700 zusätzliche Todesfälle registriert worden.

Wegen der nächsten anstehenden Hitzewelle in Panik zu verfallen, sei laut des Experten Haas wenig ratsam. Vielmehr müsse man sich die Frage stellen, welche Rückschlüsse man in Deutschland aus diesem Wetter zieht. „Es wird immer argumentiert, dass Klimaschutz kostet. „Nein, unterlassener Klimaschutz kostet viel mehr“, betont Haas. Über Hitzewellen zu sprechen, ohne auch nötige Klimaschutzmaßnahmen zu thematisieren, sei mittlerweile schlichtweg nicht mehr möglich.
mit KNA, dpa und AFP