Xi Jinping gründet WAICO: Chinas KI-Strategie für den Globalen Süden

Die Präsidenten der beiden größten Volkswirtschaften der Welt sprachen fast zeitgleich. In Washington, wo es noch Donnerstagabend war, warf US-Präsident Donald Trump China den Diebstahl von Wählerdaten und den Versuch der Einmischung in die US-Wahlen 2020 vor. In Shanghai präsentierte sich Chinas Staatschef Xi Jinping als Anführer des globalen Südens und gab die Gründung der World Artificial Intelligence Cooperation Organization (WAICO) bekannt, die internationale Kooperation und globale Regeln in Sachen Künstliche Intelligenz fördern soll und ihren Sitz in Shanghai hat.

Es war das erste Mal, dass Xi die World Artificial Intelligence Conference, Chinas wichtigste KI-Konferenz, persönlich eröffnete. Mit dem Auftritt machte er die KI-Entwicklung in der Volksrepublik endgültig zur Chefsache. In der Rede selbst platzierte er wie üblich einige Spitzen gegen die USA, ohne diese namentlich zu erwähnen. Er appellierte, man solle sich „gemeinsam dagegen wehren, dass der Begriff der nationalen Sicherheit im Bereich der KI überstrapaziert wird und die Sicherheit eines Landes über die Sicherheit anderer gestellt wird“. Weiter sagte er, „die KI-Entwicklung sollte kein Solo-Auftritt eines Landes sein, sondern die Symphonie der internationalen Kooperation“.

China diskutiert KI-Einschränkungen

Er meinte damit offensichtlich die USA, die die Entwicklung modernster KI-Modelle dominieren und deren Verbreitung kontrollieren. Die Mahnung könnte sich aber genauso gut an China selbst richten, das die Umsiedlung des chinesischen KI-Start-ups Manus nach Singapur und den folgenden Verkauf an den US-Konzern Meta unterbunden hat und den Export von Technologie immer strenger kontrolliert. Die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters berichteten übereinstimmend, dass Peking mit chinesischen KI-Unternehmen mögliche Einschränkungen für besonders leistungsfähige KI-Modelle diskutiert. Eine Option wären Blockaden für Ausländer.

Im globalen KI-Rennen präsentierte Xi die Volksrepublik dennoch als den Akteur, der auf Offenheit setzt. Anders als die Modelle der US-Konkurrenz sind die Angebote der chinesischen Unternehmen „open source“, sie legen also ihren Quellcode offen und stoßen aufgrund von Kostenvorteilen auch im Westen auf großes Interesse. Etliche westliche Großkonzerne wie etwa Airbnb nutzen chinesische Modelle.

USA warnen vor Chinas KI-Plänen

Pünktlich zur Konferenz veröffentlichte das chinesische Start-up Moonshot AI ein neues KI-Modell, das nach Darstellung des Unternehmens die Lücke zu den neuesten Modellen der US-Konkurrenten Anthropic und Open AI verringert, jedoch nicht schließt. Die Aktienkurse der börsennotierten chinesischen KI-Entwickler Zhipu AI und Minimax büßten nach Vorstellung des Modells zweistellig ein. Parallel steht in Shanghai mit CXMT einer der chinesischen Chipgiganten kurz vor dem Börsengang, mit einem Emissionsvolumen in Höhe von umgerechnet 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro wird es sich voraussichtlich um den größten in ganz Asien im laufenden Jahr handeln.

Die WAICO diene dazu, chinesische KI in die Welt zu verkaufen, sagte auf der Messe eine europäische Diplomatin. An der tatsächlichen Entwicklung der Organisation habe außer China nur Russland mitgewirkt. Viele Länder hätten sich nicht beteiligen wollen, weil der Aufbau der Organisation sehr „undurchsichtig“ sei. Zudem sei die Planung sehr kurzfristig verlaufen. Die formelle Unterzeichnung der WAICO-Dokumente sei alphabetisch nach Ländernamen verlaufen, nachträglich habe Kamerun dann auch noch unterzeichnet.

Zu den 29 Ländern, die sich an der Organisation beteiligen, zählen neben üblichen Partnern Chinas wie Russland und Pakistan auch große Länder wie Indonesien und Brasilien, um die auch der Westen wirbt. UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich in Shanghai positiv über Chinas Initiative und nannte Chinas Open-Source-Strategie einen „enormen globalen Erfolg“. Die USA hatten im Vorfeld Partnerländer vor der WAICO gewarnt, sagte die Diplomatin.