Stand: 07.10.2026, 14:02 Uhr

Hyundai erneuert bis Ende 2027 wichtige Baureihen und bringt kleinere Vollhybridmodelle. Parallel wächst das Elektroangebot. Für die Jahre danach planen die Koreaner weitere SUV und eine neue Generation der Fahrzeugsoftware.
SP-X/Istanbul. Auf der Zukunftsfolie von Hyundai stehen die Autos in drei Reihen: oben die Benziner, darunter die Hybride, unten die Elektrofahrzeuge. In allen Reihen noch ein paar verdeckte Modelle. Doch die Richtung ist erkennbar: Die Koreaner wollen bei kleineren Autos nachlegen und Kunden mit unterschiedlichen Antriebswünschen erreichen. Allein bis Ende 2027 stehen in Europa fünf Modellstarts an. Jede neue Baureihe soll einen elektrifizierten Antrieb erhalten.
Den Auftakt macht der Ioniq 3, ein elektrischer Fünftürer aus dem türkischen Werk Izmit. Mit 4,15 Metern Länge und einem guten Raumangebot füllt der Fastback die Lücke zwischen dem City-Stromer Inster und dem elektrischen Kona. Im Innenraum gibt der Ioniq 3 einen Vorgeschmack auf kommende Modelle. Seine neue Bedienplattform Pleos verbindet einen großen Touchscreen mit separaten Tasten. Apps lassen sich direkt im Auto nutzen und nachladen, Funktionen per Funk aktualisieren. Ein Sprachassistent soll frei formulierte Wünsche verstehen. Bis 2030 will der Konzern das System in den meisten Modellen von Hyundai, Kia und Genesis einsetzen.
Schon 2027 folgt ein neuer Bayon, der Crossover, der momentan zusammen mit dem i20 das Verbrenner-Kleinwagenprogramm der Koreaner stellt. Laut Europas Produktchef Raf Van Nuffel sieht man vor allem bei Kleinwagen und kleinen SUV noch Platz für Wachstum. Drei der fünf angekündigten Neuheiten gehören zum B-Segment, also etwa in die Größenklasse von VW Polo und T-Cross.
Bisher beginnt Hyundais europäisches Vollhybridangebot beim Kona, darüber folgen Tucson und Santa Fe. Künftig soll die Kombination aus Benzin- und Elektromotor auch in kleinere, günstigere Modelle einziehen. Der nächste Bayon jedenfalls ist als Vollhybrid gesetzt. Ein weiteres Modell darunter ist ebenfalls angekündigt, möglicherweise ein Nachfolger des i20.
Bei den kleinsten Autos ist der Wechsel bereits vollzogen: Die Produktion des i10 in Izmit endete im November 2025, um Platz für den Ioniq 3 zu schaffen. Dafür investierte die Marke 260 Millionen Euro. Die Rolle des Elektro-Einstiegsmodells übernahm der Inster. Der äußerst Variable Winzling ist nicht nur als Zweitwagen beliebt, sondern wird auch häufig gewerblich eingesetzt, beispielsweise von Pflegediensten.
Doch warum fahren die Koreaner bei kleinen Autos überhaupt zweigleisig? Van Nuffel begründet das mit dem unterschiedlichen Tempo der Elektrifizierung in Europa. Besonders in den volumenstarken Kleinwagen- und Kompaktklassen will die Marke deshalb nicht auf den Benziner verzichten. Das Ziel, bis 2027 alle Baureihen zu elektrifizieren, bedeutet also: Für jede soll es eine Variante mit elektrischer Unterstützung oder reinem Elektroantrieb geben.
Ein weiteres wichtiges Modell wurde bereits präsentiert: der neue Tucson, der Anfang 2027 nach Europa kommt. Der kompakte SUV tritt nun im aktuellen Markendesign auf, wird größer und kantiger. Bei den Motoren bleibt es aber klassisch bei Benziner, Vollhybrid und Plug-in-Hybrid. Letzterer soll 81 Kilometer elektrisch schaffen, elf Kilometer mehr als das bisherige Modell. Der Diesel entfällt, eine reine Elektroversion ist ebenfalls nicht vorgesehen.
Auch die Zahl der E-Modelle wächst weiter. Mittelfristig steht die Ablösung des Kona an. Sein Nachfolger dürfte aber nicht Ioniq 4 heißen, sondern weiter den eingeführten Namen Kona tragen. Momentan reicht die Stromer-Palette vom Inster über Ioniq 3 bis zu den 800-Volt-Modellen Ioniq 5 und 6 sowie dem Elektro-Flaggschiff Ioniq 9. Außerdem gibt es seit kurzem noch eine elektrische Version des Kleinbusses Staria mit sieben oder neun Sitzen.
Im Rahmen der Multi-Energie-Strategie hält Hyundai weiter an der Brennstoffzelle fest. Seit Anfang 2026 ist die zweite Generation des Nexo auch in Deutschland bestellbar. Sie tankt Wasserstoff und erzeugt damit an Bord Strom, der einen Elektromotor antreibt. Aber eigentlich sieht Hyundai die Zukunft der Brennstoffzelle eher im Schwerlastverkehr. Im Pkw erschwert vor allem das dünne Tankstellennetz die Verbreitung.
Bis 2030 soll die Modellpalette Fahrzeugsegmente abdecken, die rund 85 Prozent des europäischen Marktes ausmachen. Das kündigte der Hersteller im August bei seinem Investorentag an. Zugleich soll der europäische Elektroabsatz von 116.000 Autos im Jahr 2025 auf mehr als 420.000 im Jahr 2030 steigen, also auf mehr als das Dreifache. Im europäischen Automarkt belegt die Marke Hyundai momentan Rang zehn. Mit den neuen Modellen wollen die Koreaner auch in dieser Rangliste weiter nach vorn.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit SPS Spot Press Services.