Stand: 01.08.2026, 17:00 Uhr
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Die Marktgemeinde Schliersee bekommt ein digitales Mitmach-Portal. Die Resonanz im Gemeinderat war positiv, lediglich der Aufwand für die Administration warf noch Fragen auf.
Schliersee – Verstopfte Gullys, überfüllte Mülleimer, fehlende Verkehrsschilder: Da der Bauhof nicht überall zur gleichen Zeit sein kann, ist die Marktgemeinde Schliersee grundsätzlich dankbar, wenn aufmerksame Bürger solche Dinge im Rathaus melden. Das Problem: „Wir bekommen oft mehrere E-Mails oder Anrufe zum selben Thema“, erklärte Geschäftsleiter Jörn Alkofer jüngst im Gemeinderat. Sie zu beantworten, was im Sinne einer bürgerfreundlichen Kommune für alle Mitarbeiter obligatorisch sei, binde jedoch einiges an Arbeitszeit. Abhilfe schaffen soll ein digitaler Schadensmelder auf einer komplett neuen Internetseite. „Schliersee 360“ heißt das Portal, das als Webapp alle Informationen bündeln soll, die für Bürger und Gäste relevant sind.
Programmiert hat sie Christian Bremm, der vor wenigen Monaten bereits das in erster Linie an Wohnmobilurlauber gerichtete Serviceangebot „Campen-Schliersee“ gestartet hat. Wie berichtet, hat der Betreiber des Campingplatzes Schliersee bei der Präsentation im Gemeinderat sehr viel Lob und beeindruckte Blicke erhalten. Dies war nun auch bei „Schliersee 360“ der Fall. Kritische Nachfragen bezogen sich derweil vor allem auf die Notwendigkeit und den Zeitaufwand der professionellen Betreuung der Internetseite.
Keine Registrierung für Nutzung notwendig
Zunächst aber erklärte Bürgermeister Florian Reinthaler (CSU), wie es überhaupt zur Idee einer Webapp kam. So habe vor einiger Zeit eine Firma im Hauptverwaltungs- und Werkausschuss der Gemeinde ein Angebot für die Erstellung und Betreuung eines solchen Infoportals unterbreitet. Bremm sei ebenfalls anwesend gewesen – und habe schnell festgestellt, dass er etwas Vergleichbares programmieren könne. Ohne damit Geld verdienen zu wollen, ohne die Nutzer zum Download einer App oder einer Registrierung zu zwingen – und vor allem ohne US-Konzern als Datensammler im Hintergrund, betonte Reinthaler.
Als „digitales Gmoabladl“ stellte Bremm „Schliersee 360“ vor. Denn auch wenn es paradox klinge: Die Webapp soll auch dafür sorgen, dass Menschen im echten Leben zusammenfinden. Ein digitales Fotoalbum, Umfragen, Fundsachen und sogar eine Mitmachrubrik, in der sich Leute mit gleichen Interessen verabreden können, sind enthalten. Auch Vereine können sich und ihr Angebot vorstellen, die Lokalnachrichten der Heimatzeitung sind ebenfalls verlinkt. Dazu gibt es jede Menge Infos wie Wetterwarnungen, Verkehrsauskünfte, Öffnungszeiten von Einzelhandel und Gastronomie oder sogar die Müllabfuhrtermine.
Doch wer bestückt all diese Rubriken mit den aktuellen Informationen? „Hat die Verwaltung im Rathaus Zeit für so was?“, fragte etwa Christoph Stöger (Die Schlierseer) und sagte, dass gerade die Gäste-Info von etwas frischem Wind profitieren könne. So viel Aufwand falle gar nicht an, beruhigte Bremm. Schwerpunktmäßig greife die Webapp automatisiert Schnittstellen von bereits existierenden Quellen wie Google ab. Um aber tatsächlich eine lebendige Plattform zu schaffen, brauche es die Mitwirkung aller Bürger, die deshalb bewusst einfach gehalten sei.
Frage nach Kontrolle und Administration
„Aber wer kontrolliert, wenn jemand etwas Illegales postet?“, erkundigte sich Martina Pomper (PWG). Entweder eine künstliche Intelligenz oder noch festzulegende Administratoren, erklärte Bremm. Für Letzteres plädierte auch Wolfgang Mundl (CSU). Auch wenn vieles automatisiert sei: „Jedes Tool braucht einen Admin.“ Trotzdem sei „Schliersee 360“ für die Gemeinde ein echter Mehrwert, betonte Alkofer. „Es entlastet uns wirklich.“ Um das Angebot bei möglichst vielen Bürgern publik zu machen, wird die Gemeinde laut Reinthaler eine Postwurfsendung an alle Haushalte starten.
Einstimmig machten die Gemeinderäte den Weg frei für eine vertragliche Vereinbarung über die Nutzung der Plattform zwischen Bremm und der Marktgemeinde. „Da wurde viel Logik und Energie reingesteckt“, lobte Horst Teckhaus (PWG) Bremms Arbeit. „Wir freuen uns auf die Weiterentwicklung“, ergänzte Reinthaler und kündigte auch gleich die erste richtige Nutzung der Webapp durch die Gemeinde an: als aktuelle Infoplattform rund um die Vollsperrung der B307 in Neuhaus ab 17. August. Ein Thema mit reichlich Stoff also.