Neues iPhone Duo: Apple zeigt sein erstes Falt-Smartphone – mit überraschendem Verzicht
Stand: 10.09.2026, 13:59 Uhr
Apples erstes faltbares iPhone heißt Duo, kostet ab 2.369 Euro und bringt ein 7,6-Zoll-Display – doch es gibt Abstriche bei Kamera und FaceID.
Das erste Apple-Event der Ära Ternus, mit dem der neue CEO, der Tim Cook an der Spitze des Konzerns abgelöst hat, seinen Einstand gab, endete mit einem erwarteten, vorhersehbaren „one more thing“. Dem Slogan von Steve Jobs, den John Ternus nun für sich übernommen hat. iPhone Duo (nicht iPhone Ultra, wie monatelang spekuliert worden war) ist das erste faltbare iPhone, das erste mit einem Bildschirm von über siebeneinhalb Zoll und das erste, das die Schwelle von 2.000 Euro als Einstiegspreis deutlich übertrifft.
Partner-Content
Dieser Artikel von Paolo Ottolina entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.
Wir konnten das Duo und die weiteren Neuheiten des Keynote „Surprise and Shine“ (also iPhone 18 Pro und Pro Max, Apple Watch Series 12, Apple Watch Ultra 4 und AirPods 5) im Hands-on-Bereich und im Rahmen einiger vertiefender Presse-Previews ausprobieren. Wir versuchen, 10 Fragen zum Duo und zu den anderen Neuheiten von Apple zu beantworten, von den Bildschirmen über Kameras und Software bis hin zu Preisen und Marktstrategien.

Ja und nein. Wie alle anderen faltbaren Smartphones hat es ein kleineres Außendisplay (5,4 Zoll) und ein deutlich größeres Innendisplay (7,6 Zoll), das es im aufgeklappten Zustand im Grunde in ein Tablet verwandelt. Die Details machen jedoch den Unterschied: Beide Bildschirme haben dasselbe Seitenverhältnis (5:4, etwas quadratischer als das 4:3 der früheren Fernseher, aber auch als das 3:2 der ersten iPhones), was eine perfekte Symmetrie der Nutzung zwischen geöffnetem und geschlossenem Bildschirm schafft. Das „Passformat“ des Geräts, kurz und breit, sorgt für ein sehr kompaktes Telefon im geschlossenen Zustand, bei dem der Daumen endlich wieder nahezu jede Ecke des Displays erreicht, ohne zwingend beide Hände einsetzen zu müssen.
Apple und sein iPhone Duo: Formfaktor, Displaygröße und Nutzungskomfort
Gleichzeitig steht viel Platz zur Verfügung: Zwar wirken 5,4 Zoll im Vergleich zu modernen Smartphones wenig, die nutzbare Fläche entspricht aber fast (zu 90 Prozent) der des iPhone 18 Pro. Beim ersten Kontakt hat uns jedoch vor allem das Innendisplay besonders beeindruckt. Ein typisches und lästiges Problem der bisher gesehenen Innendisplays von Falt-Smartphones hängt mit der speziellen Technologie zusammen, die das Falten ermöglicht. Sie können nicht aus Glas bestehen (das sich nicht biegt), sondern sind „Plastik-Bildschirme“ (Plastic-OLED) und wirken daher sowohl optisch als auch haptisch minderwertig.
Sie spiegeln stark, sind schnell voller Fingerabdrücke und fühlen sich beim Berühren wenig angenehm an. Zudem ist die innere Falte stets sichtbar und beim Darüberstreichen zu spüren, auch wenn die neuesten Generationen – von Samsung über Oppo bis Honor – diesen Makel fast vollständig beseitigt haben. Beim iPhone Duo hat Apple dieses Problem frontal angegangen: Das Innendisplay verfügt über eine spezielle Technologie, eine mikroskopische Oberflächenbehandlung namens „nanotexture“ (bereits von professionellen Apple-Monitoren und -MacBooks bekannt, wenn auch in anderer Ausführung, da das Panel ein anderes ist). Das Ergebnis: Der Bildschirm ist matt, ohne dass die Farben verblassen, Reflexionen und Blendeffekte werden auf ein Minimum reduziert, Fingerabdrücke bleiben kaum zurück.
iPhone Duo veröffentlicht: „Nanotexture“-Display und FaceTime-Kamera unter dem Bildschirm
Die matte Oberfläche reduziert zudem die Sichtbarkeit der Falte auf ein Minimum und fühlt sich beim Berühren sehr angenehm an. Die neue FaceTime-Kamera sitzt hinter dem Display und ist unsichtbar, wenn sie nicht in Gebrauch ist. Bis Ende des Jahres wird das iPhone Duo mit dem Apple Pencil mit USB-C kompatibel sein und es ermöglichen, auf beiden Bildschirmen Notizen zu machen, zu zeichnen oder Dokumente zu annotieren. Eine typische Schwachstelle der bisherigen Android-Falt-Smartphones liegt in der Benutzeroberfläche: Trotz der Bemühungen der Hersteller, allen voran Samsung, aber auch Honor, Oppo und Xiaomi, ist die Android-Oberfläche durch eine Reihe von Vorgaben von Google eingeschränkt.
Das Ergebnis ist, dass nicht alles reibungslos funktioniert. Manche Apps laufen auf dem Innendisplay im Querformat gut, aber nicht im Hochformat – oder umgekehrt. Manchmal sind sie zu breit, manchmal funktionieren sie mit zweispaltigem Layout (E-Mails), aber nicht immer. Mitunter klappt auch der Übergang zwischen Innen- und Außendisplay nicht richtig. Die Multi-Fenster-Funktion (zwei, manchmal drei Apps nebeneinander) ist oft umständlich. Ob Apple all diese Probleme gelöst hat, wird sich erst nach einem ausführlichen Test sagen lassen. Was wir jedoch während der Keynote und anschließend im Hands-on-Bereich des Steve Jobs Theater sehen konnten, deutet in die richtige Richtung.
Was kann das iPhone Duo? iOS 27 auf zwei Displays und optimierte Übergänge
Das identische 5:4-Format der beiden Displays ermöglicht es den Apps, auf beiden Bildschirmen symmetrisch zu funktionieren. Die Übergänge beim Öffnen und Schließen des Duo sind in puncto Flüssigkeit und Anmut beeindruckend. Die Oberfläche von iOS 27 passt sich dynamisch an und bietet virtuelle Schaltflächen zur Interaktion an der richtigen Stelle, in der Regel am Bildschirmrand, gut erreichbar mit dem Daumen. Damit sind zwar vermutlich nicht alle Reibungspunkte eines Faltgeräts beseitigt – ein klassisches Smartphone bleibt in der Bedienung insgesamt unmittelbarer –, aber der Weg wirkt vielversprechend.

Ein faltbares iPhone kann theoretisch einen Hybrid aus klassischem iPhone und iPad bieten, der das Beste aus beiden Welten vereint: Portabilität auf der einen, großes Display auf der anderen Seite. In der Praxis erzwingen die aktuelle Technologie und einige Marketingentscheidungen von Apple jedoch Kompromisse. Duo ist ein extrem teures Telefon, das allerdings kein FaceID besitzt: ein Rückschritt, denn es kehrt zum „alten“ TouchID zurück, mit einem Fingerabdrucksensor im Power-Button an der Seite, wie bei vielen anderen Faltgeräten. Wahrscheinlich lässt sich der komplexe Mechanismus aus Sensoren und Kameras von FaceID mit der aktuellen Technik nicht in die äußerst geringe Dicke des Faltgeräts von 4,5 Millimetern im aufgeklappten Zustand integrieren.
Apple bringt faltbares iPhone auf Markt: FaceID-Verzicht, Kamera-Abstriche und nur eSIM
Die Entsperrung kann aber auch über die Apple Watch erfolgen, wie beim Mac. Auf der Rückseite gibt es MagSafe – ein Pluspunkt –, doch die Kamera ist nicht auf dem Niveau des iPhone 18 Pro und Pro Max, auch um den klassischen Modellen bei bestimmten Aspekten einen technologischen Vorsprung zu sichern. Das iPhone Duo besitzt zwei Kameras auf der Rückseite und verzichtet auf ein Telezoom-Objektiv. Ein 2x-Zoom, wie beim iPhone 17 oder beim iPhone Air, wird über einen Ausschnitt (Crop) aus dem primären Fusion-Sensor mit 48 Megapixeln realisiert. Hinzu kommt das Ultraweitwinkel-Fusion-Modul mit 48 Megapixeln, dasselbe wie beim iPhone 18 Pro.
Ein weiterer Faktor: Es gibt keinen physischen SIM-Slot, hier wird ausschließlich die eSIM unterstützt. Es bestand kein Zweifel daran, dass das Faltmodell zum bislang teuersten iPhone werden würde, und genau so ist es gekommen. Der Einstiegspreis liegt bei 2.369 Euro für die Variante mit der Basisspeicherausstattung von 256 GB. Das Topmodell mit 2 Terabyte Speicher kostet 3.869 Euro. Der italienische Preis ergibt sich aus mehreren Faktoren: zum einen aus der inhärenten Komplexität (und den entsprechenden Kosten) der für ein Falt-Smartphone nötigen Technologien, zum anderen aus den Verteuerungen sämtlicher Komponenten infolge der Speicherkrise – und nicht nur dort – durch die Rechenzentren der KI.
Informationen zum iPhone Duo: Preise, Speicheroptionen und internationale Strategien
Hinzu kommt ein wahrscheinlicher Aufschlag, den Apple eher in den Auslandsmärkten einkalkuliert hat, um die Preislisten in den USA zu schonen, wo das Duo bei „nur“ 1.999 Dollar startet und damit knapp unterhalb der symbolischen 2.000-Dollar-Marke bleibt. Zum Vergleich: Das Galaxy Z Fold8 von Samsung kostet in den USA 1.899,99 Dollar. Vom Ersatz der normalen iPhones kann trotzdem keine Rede sein. Der Markt für Falt-Smartphones macht nach Schätzungen von Analysten derzeit gerade einmal 1,6 Prozent des gesamten Smartphone-Absatzes aus: rund 18 bis 20 Millionen Geräte gegenüber 1,2 Milliarden weltweit verkauften Smartphones (Zahlen für 2025).
Mit dem Einstieg von Apple und weiteren Marken – zuletzt Xiaomi – erwarten die Analysten von Omdia, dass die Stückzahlen bis 2030 auf 40 Millionen steigen werden. Das bleibt verschwindend gering im Vergleich zum Gesamtmarkt. Apple und andere Hersteller benötigen diese Modelle jedoch, nicht nur um etwas Neues anbieten zu können, sondern auch, um höhere Preise verlangen und damit höhere Margen erzielen zu können, was bei den immer ähnlicher werdenden und wenig innovativen klassischen Smartphones nur schwer zu rechtfertigen ist. Beim iPhone 18 Pro und 18 Pro Max bleibt das Design im Wesentlichen gleich, neu sind aber Farben – darunter ein mutiges Burgunderrot, das das Orange des Vorjahres ersetzt.
iPhone 18 Pro: neue Farben und variable Blende
Die Dynamic Island ist kleiner und vielseitiger und kann bis zu drei in Echtzeit aktive Elemente in der schwarzen Display-Aussparung anzeigen, in der auch FaceID untergebracht ist. Der Akku wurde verbessert und die Ladegeschwindigkeit erhöht. Vor allem aber gibt es eine neue, so ausgereifte Kamera wie nie zuvor, die noch stärker auf Creator, Videomacher, Influencer und angehende Regisseure zielt, für die das iPhone längst ein professionelles Werkzeug im Aufnahme-Equipment geworden ist. Die wichtigste Neuerung bei iPhone 18 Pro und 18 Pro Max ist die 48-Megapixel-Fusion-Kamera mit variabler Blende, ein Novum für das iPhone – wenn auch nicht für die Branche, denn vor Jahren hatten bereits Samsung mit den Galaxy S9 und S10 sowie Xiaomi und Huawei damit experimentiert.
Winzige Lamellen erlauben es, die Blendenöffnung physisch zu verändern, um Lichtmenge und Schärfentiefe automatisch oder manuell zu steuern, wobei in der Kamera-App vier Blendenstufen zur Auswahl stehen. Apple verspricht, dass der neue Sensor und die neue rechnerische Bildverarbeitung Aufnahmen bei wenig Licht und die Schärfe von Bildelementen im Hintergrund verbessern. Hinzu kommen neue Regler für Textur und Körnung in den Fotostilen, Cinema-Effekte, die nach der Aufnahme auf Videos mit bis zu 60 fps angewendet werden können, Zeitraffer in 4K Dolby Vision HDR sowie neue Algorithmen für Mix Audio. Die Kamera-App erhält außerdem umfassendere Pro-Regler mit Einstellung von Blende, Verschlusszeit, Weißabgleich und Histogramm für die Belichtung.
Siri AI: Funktionen, Sprachen und EU-Konflikt
Siri AI ist die neue Version des Apple-Assistenten, die Apple bereits vor zwei Jahren erstmals angekündigt und dann verschoben hatte. Sie kann den persönlichen Kontext der Nutzerinnen und Nutzer nutzen, Informationen in Mail und Nachrichten durchsuchen, verstehen, was auf dem Bildschirm angezeigt wird, und Aktionen in Apps ausführen, einschließlich solcher von Drittanbietern. Apple nennt über 300 bereits kompatible Anwendungen, darunter WhatsApp, Outlook, Audible und Notability. Siri kann zudem Fragen zu dem beantworten, was mit der Kamera erfasst wird, und verfügt über eine eigene App, deren Unterhaltungen per iCloud synchronisiert werden.
Die Neuerung wird am 14. September zunächst in einer Betaversion und ausschließlich auf Englisch eingeführt; Französisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch und Spanisch sollen im Oktober folgen. Italienisch wird zwar von Apple Intelligence unterstützt, jedoch noch nicht von Siri AI. Vor allem aber wird Siri AI zum Start in der Europäischen Union auf iOS, iPadOS und watchOS nicht verfügbar sein: Apple erklärt, man arbeite daran, die Lösung mit den europäischen Anforderungen kompatibel zu machen, ohne Privatsphäre und Sicherheit zu gefährden, habe aber bislang keinen Einführungstermin genannt. Der Konflikt mit der EU-Kommission im Zusammenhang mit den Regeln des Digital Markets Act ist tiefgreifend, und eine Annäherung der Positionen scheint derzeit nicht leicht.
Apple-Produkte: Audio Intelligence auf Apple Watch und Einschränkungen in Europa
Auf den neuen Apple Watch Series 12 und Apple Watch Ultra 4 debütiert Audio Intelligence, eine der interessantesten während des Events vorgestellten Neuerungen. Sie nutzt die Mikrofone der Uhren, den neuen S11-Chip und Apple Intelligence für vier unterschiedliche Funktionen. Sound Recognition erkennt wichtige Geräusche wie Sirenen, Alarme und Türklingeln, was insbesondere für Menschen mit Hörbehinderung sehr hilfreich ist. Music Recognition nutzt *Shazam*, um automatisch einen Song zu identifizieren. Die nützlichsten und innovativsten Funktionen sind jedoch die letzten beiden.
Live Rewind ermöglicht es, die letzten 15 Sekunden eines Gesprächs in Textform wiederherzustellen. Du erinnerst dich nicht mehr genau daran, was dein Chef gesagt hat, weil du abgelenkt warst? Die Watch kann es dir sagen. Siri Recap wiederum kann kurze Zusammenfassungen der im Laufe eines Tages gehörten Gespräche erstellen. Apple betont, dass die Audiodaten weder aufgezeichnet noch gespeichert werden und dass ein Großteil der Verarbeitung auf dem Gerät selbst erfolgt, während Siri Recap zudem Private Cloud Compute nutzt. Auch hier gibt es jedoch ein „Aber“ für europäische Nutzerinnen und Nutzer: Live Rewind und Siri Recap setzen Siri AI und Apple Intelligence voraus, und da Siri AI vorerst in der EU nicht verfügbar ist, werden die beiden fortschrittlichsten Funktionen von Audio Intelligence zunächst nicht zu uns kommen.
AirPods 5: Fokus auf Klang und neue Software-Funktionen
Nein, die in den vergangenen Monaten kursierenden Gerüchte über künftige AirPods mit Kameras oder optischen Sensoren beziehen sich auf andere, noch nicht angekündigte Produkte und haben mit diesem Modell nichts zu tun. Die Neuerungen der AirPods 5 betreffen vor allem den Klang: eine neue akustische Multiport-Architektur, ein aktualisiertes Adaptive EQ und eine aktive Geräuschunterdrückung, die laut Apple bis zu 50 Prozent mehr Lärm reduziert als die AirPods 4 mit ANC. Auch der Transparenzmodus und das adaptive Audio werden verbessert, und es kommt eine Echtzeitübersetzung über Apple Intelligence hinzu.
Die AirPods 5 kosten 149 Euro; die Version für 169 Euro bietet zusätzlich ein kabelloses Ladecase und eine Lautstärkeregelung am Stiel. Damit rundet Apple sein neues Produktportfolio ab, in dem iPhone Duo, iPhone 18 Pro, die Apple Watches und die AirPods 5 jeweils unterschiedliche Zielgruppen adressieren: von Early Adopters und Kreativen über Technik-Enthusiasten bis hin zu all jenen, die vor allem von den neuen KI-Funktionen profitieren wollen.