Meinung: News des Tages: VW-Rückruf, Missbrauchsskandal an der Elite-Uni Cornell, Terrorrazzia in Hagen und Unna

1. VWs haben womöglich eine Schraube locker

Foto: [M] DER SPIEGEL; Quelle: Volkswagen

Der Rückruf von VW nimmt immer größere Dimensionen an. Heute wurde bekannt, dass die VW-Tochtermarke Škoda mit deutlich mehr Modellen betroffen ist als ursprünglich gedacht: Bei rund 1,7 Millionen Autos weltweit muss eine Schraube ausgetauscht werden. (Hier mehr dazu.)

Grund dafür ist mangelnder Rostschutz an einer der beiden Befestigungen des Lenkgetriebes am Achsträger. Im schlimmsten Fall »reißt die Schraube ab, und die Lenkung fällt aus. Man sitzt im Wagen und dreht am Lenkrad, doch die Räder schlagen nicht mehr ein«, schreibt mein Kollege Haiko Tobias Prengel . Er hat sich intensiv mit der Schraube befasst, die bei Volkswagen den Namen N10552402 trägt.

Ein Horrorszenario, das Volkswagen verhindern will. »VWs Problemschraube hält rechnerisch einer Kraft stand, die einer Masse von etwa neun Tonnen entspricht«, schreibt Haiko. Dieser Wert gilt zwar für eine neue Schraube, aber Fälle, in denen sie abgerissen oder abgebrochen ist, sind nicht bekannt. Außerdem ist die zweite Schraube, die ebenfalls das Lenkgetriebe mit dem Vorderachsträger verbindet, nicht vom Rückruf betroffen.

N10552402 entwickelt sich deswegen vor allem für den ohnehin angeschlagenen VW-Konzern zum Albtraum. Vom besser beschichteten Ersatzteil, der Schraube WHT 013461, hat VW nicht genug Exemplare auf Lager. Diese werden jetzt produziert. Doch weil das Bauteil als sicherheitsrelevant eingestuft wird, muss VW trotzdem alle betroffenen Autos umgehend in die Werkstatt holen. Bei vielen davon wird erst mal ein neues Exemplar der Problemschraube N10552402 verbaut. Wenn WHT 013461 dann verfügbar ist, geht der Spaß noch mal von vorn los.

2. Missbrauchsskandal an US-Elite-Uni

Eliteuni Cornell in Ithaca im US-Bundesstaat New York

Eliteuni Cornell in Ithaca im US-Bundesstaat New York

Foto: Matt Rourke / AP

Als wir gestern in unserem Ressort über den Missbrauchsskandal an der amerikanischen Eliteuniversität Cornell diskutierten, ging es auch um die sogenannten Frat-Houses. »Frat« ist die Kurzform für »Fraternity«, die Frat-Houses sind die Wohn- und Gemeinschaftshäuser der amerikanischen Studierendenverbindungen. Verbindungen haben zwar auch in Deutschland nicht den Ruf, Abstinenzler anzuziehen. Doch die Exzesse in den amerikanischen Verbindungen suchten ihresgleichen, da waren sich alle, die mal in den USA studierten, einig.

Der Skandal, der derzeit die amerikanische Cornell-Universität erschüttert, übertrifft ausufernde Saufgelage und Drogentrips allerdings bei Weitem. Vor zwei Jahren sollen dort mehrere Studenten eine Kommilitonin in einem Frat-House mit Drogen betäubt und dann sexuell missbraucht haben .

»In den Monaten nach der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung gab es zunächst kaum Berichterstattung zu dem Fall«, schreibt meine Kollegin Miriam Khan. Womöglich auch, weil es zwar eine Untersuchung der Uni gegeben habe, aber keine Anklage der Behörden. Zwei Jahre später habe das Opfer dann Klage gegen die sieben Verdächtigen, die Studierendenverbindung, die Uni und weitere Beteiligte eingereicht. »Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft den Fall neu aufrollt.«

3. Terrorrazzia in NRW

Einsatz in Hagen

Einsatz in Hagen

Foto:

Alex Talash / dpa

Beinahe musste ich schmunzeln, als ich den Vorspann zur Meldung über eine Terrorrazzia in NRW las. Die Ermittler, so hieß es da, hätten eine Airsoftwaffe bei den Verdächtigen gefunden. Wenn das reicht, damit das SEK anrückt, dachte ich, muss sich wahrscheinlich ein Drittel aller Familien mit pubertierenden Kindern warm anziehen.

Infantiler Humor beiseite: Anfang des Jahres hatte der Verfassungsschutz die drei Männer nach SPIEGEL-Informationen als verdächtig identifiziert. Alles deutete demnach auf einen starken Radikalisierungsgrad sowie eine Affinität zum »Islamischen Staat« hin. Die Behörden überwachten die Männer und erfuhren dabei von Anschlagsgedanken und Planungen. Bei der Durchsuchung wurde neben der erwähnten Airsoftwaffe auch eine Machete gefunden.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul lobte die Ermittler. »Diese Typen haben sich in Anschlagsfantasien verloren und glaubten, unsichtbar zu sein«, sagte der CDU-Politiker. »Unser Verfassungsschutz sieht mehr, als ihnen lieb ist, und unsere Polizei schlägt zu, bevor sie es tun.«

  • Lesen Sie hier mehr: Razzien in NRW – drei Männer sollen Anschlag geplant haben

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Inflation im Euroraum steigt auf 3,8 Prozent: Alles wird teurer – das spüren immer mehr Menschen. Nun lässt sich das erneut in Zahlen belegen: Die Inflation im Euroraum steigt um 3,8 Prozent. Schuld ist vor allem Donald Trump.

  • Direktmandat geht an AfD statt CDU: Nach einer Neuauszählung muss die CDU ihr Direktmandat in Berlin-Spandau der AfD überlassen. Zuvor war das Ergebnis falsch übermittelt worden. Die Korrektur wirkt sich auf die Größe des Berliner Abgeordnetenhauses aus.

  • »Wenn ich keinen Mut zeige, werden 170 Passagiere sterben«: Der Co-Pilot aus Oman attackierte ihn mit einem Messer: Trotz schwerer Verletzungen hat der indische Kapitän der Flydubai-Maschine aber Widerstand geleistet – und so wohl eine Katastrophe verhindert. Nun hat Smit Machchhar den Angriff geschildert.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Was macht eigentlich … Robert Habeck?

Ex-Vizekanzler Habeck, Fahrrad fahrend in Kopenhagen

Ex-Vizekanzler Habeck, Fahrrad fahrend in Kopenhagen

Foto:

Nanna Navntoft / DER SPIEGEL

Wenige Politiker der vergangenen Jahre haben so polarisiert wie Robert Habeck. Manche Menschen hielten ihn für das größte politische Talent seit Langem, für andere war er nur ein Feindbild, der Mann hinter dem »Heiz-Hammer«.

Nach dem Ende der Ampelkoalition hat sich der ehemalige grüne Vizekanzler aus der Politik zurückgezogen. Mein Kollege Xaver von Cranach hat ihn in Kopenhagen, wo Habeck jetzt lebt, getroffen und begleitet. Er ist mit ihm durch die Stadt geradelt, hat sich über Gott, die Welt und Politik unterhalten und hat mit ihm gegessen: »Wir landeten bei einer Pizzeria, und Habeck wollte nichts essen. Später nahm sich der Vegetarier dann doch noch ein Stück mit Salami aus dem Karton«, schreibt Xaver.

Doppelmoral? Typischer Habeck-Move, könnte man auch sagen. Als Russland die Ukraine überfiel und die Erdgas-Lebensader Nord Stream gekappt wurde, ließ Habeck als Wirtschaftsminister Flüssiggasterminals in der Nord- und Ostsee bauen. Hätte man auch nicht von ihm gedacht.

Aber machen Sie sich doch am besten selbst ein Bild:

  • Wo waren Sie, als die Sachsen-Anhalt-Wahl die Republik erschütterte, Herr Habeck? »In der Arktis« 

Was heute weniger wichtig ist

Sting feiert 75. Geburtstag

Sting feiert 75. Geburtstag

Foto:

Jordan Strauss / Invision / dpa

Agiler, als die Polizei erlaubt: Popsänger Sting, 75, hält nichts von der Rente mit 63. Der frühere Frontmann der Band The Police, der bürgerlich Gordon Matthew Thomas Sumner heißt, will weiter Konzerte spielen. Auch heute, an seinem Geburtstag, steht er auf der Bühne. »Ich habe das Gefühl, noch genauso viel Energie zu haben wie mit 14«, sagte Sting der Nachrichtenagentur dpa. Wie sich der 75. Geburtstag für ihn anfühlt? »Besser, als tot zu sein.«

Mini-Hohlspiegel

Aus den »Kieler Nachrichten«

Aus den »Kieler Nachrichten«

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Thomas Plaßmann

Und heute Abend?

Könnten Sie eine Bildungslücke schließen, falls die bei Ihnen klafft (wie bei mir) und »Band of Brothers« schauen. Die legendäre Weltkriegsserie aus dem Jahre 2001 war jahrzehntelang nur im Angebot des amerikanischen Streamingdienstes HBO zu sehen, der sie auch produziert hat. Seit Kurzem ist sie auch bei Amazon Prime verfügbar.

»Band of Brothers« erzählt die Geschichte einer Luftlandedivision, die hinter den feindlichen Linien in der Normandie mit Fallschirmen abspringt und sich als Teil der alliierten Invasion nach Berlin vorkämpft. Die Handlung ist an das gleichnamige Buch des Historikers Stephen Ambrose angelehnt, am Drehbuch hat unter anderem Tom Hanks mitgeschrieben.

Inzwischen genießt die Serie Legendenstatus und dient als Vorlage für die Games-Reihe »Brothers in Arms« und verschiedene Teile der »Call of Duty« – Serie.

Sie jetzt, 25 Jahre nach ihrer Erstausstrahlung zu schauen, ist doppelt interessant. »Band of Brothers« ist immer noch fesselnd. Gleichzeitig zeigt sich an manchen Stellen doch, wie sich das Erzählen in Streamingserien in dieser Zeit verändert hat.


Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort