Stand: 24.09.2026, 13:40 Uhr
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Grüne Abgrenzung von der Linken: Der grüne BaWü-Ministerpräsident Cem Özdemir fordert für die Partei „denselben Maßstab“ wie bei der AfD.
Stuttgart – Cem Özdemir ist klar gegen ein Bündnis seiner Partei mit der Linkspartei in Berlin. Im Umgang mit der Linken müsse man künftig „denselben Maßstab“ anlegen wie bei der AfD, forderte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg in der Welt. Mit dieser strikten Abgrenzung rückt der Grünen-Politiker noch näher an Positionen der Union heran.
Als Grund nannte Özdemir Vorfälle von Antisemitismus sowie die Weigerung von Teilen der Berliner Linken, Probleme wie Clankriminalität konsequent zu benennen und zu bekämpfen.

Özdemir warnte seine Partei ausdrücklich vor einer rot-grün-roten Koalition, da ein solches Bündnis in der Hauptstadt „nicht erträglich“ sei und die Linkspartei nicht an der Regierung beteiligt werden dürfe. Passend dazu lehnte er auch die von den Berliner Grünen aktuell diskutierten Enteignungen großer Immobilienkonzerne als „falschen Weg“ ab.
Achtungserfolge bei Ost-Wahlen: Grüne trotz Verlusten in Berlin Schlüsselpartei
In Berlin erreichte Spitzenkandidat Werner Graf im September 14,3 Prozent der Stimmen. Trotz leichter Stimmverluste im Vergleich zur Wiederholungswahl 2023 bleibt die Partei damit für die aktuelle Regierungsbildung unverzichtbar und kann selbstbewusst Bedingungen formulieren.
Bei den Ost-Wahlen kam die Partei zumindest mit einem blauen Auge davon: Bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern (5,7 Prozent) und der Wahl in Sachsen-Anhalt (mit 8,9 Prozent ein deutliches Plus) gelang ihr der Wiedereinzug in die Landesparlamente.
Wie das Nachrichtenportal merkur.de analysierte, könnten die Grünen – sofern sie in diesen Ländern Teil der neuen Landesregierungen werden – ihr Gewicht im Bundesrat ausbauen und künftig in der Lage sein, zustimmungspflichtige Gesetze zu blockieren.
Auch Merz dabei? Der Stand der „Pizza-Connection“ im Jahr 2026
Parallel zu dieser neuen Stärke der Grünen ändert die Union intern ihren Kurs gegenüber der Partei. Das Nachrichtenportal fr.de berichtete schon im Mai von informellen Treffen in Berlin, bei denen sich Abgeordnete von CDU, CSU und Grünen vertraulich austauschten – eine Wiederbelebung der früheren parteiübergreifenden Gesprächskreise namens „Pizza Connection“.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) informiert laut dem Bericht schon damals regelmäßig die grüne Fraktionsspitze. Auslöser für diese Annäherung war offenbar die – sich inzwischen zuspitzende – Krise der schwarz-roten Bundesregierung.
Rückblick: Markus Söders „toter Gaul“ und Widerspruch aus der Union
Dieser taktischen Annäherung gingen jahrelange parteiinterne Konflikte in der Union voraus. Besonders Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die Grünen lange Zeit als politischen Hauptgegner attackiert. Noch im Oktober 2024 bezeichnete er ein schwarz-grünes Bündnis bei Welt TV als vollkommen aussichtslos (Söder sprach von einem „toten Gaul“).
Im Dezember 2024 machte er den früheren Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) zudem persönlich für ein „wirtschaftliches Desaster“ verantwortlich. Die Abneigung beruhte teils auf Gegenseitigkeit: In einem Spiegel-Interview von 2026 erklärte Habeck später, Söder gehöre zu den Menschen, „an denen ich nichts bewundere“.
„Einfach den Mund halten“: Wie Söders Anti-Grünen-Kurs die Union spaltete
Dieser harte Abgrenzungskurs Söders eskalierte Anfang 2025 zu einem offenen parteiinternen Streit. Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Daniel Günther riet Söder bei „Markus Lanz“ im ZDF, „einfach den Mund zu halten“, anstatt fiktive Debatten mit sich selbst zu führen. Söder entgegnete damals, Günther solle sich um die Probleme seines hochverschuldeten Bundeslandes kümmern.
Im Herbst 2025 distanzierten sich auch führende CSU-Politiker von der harten Linie: Gegenüber dem Magazin Stern kritisierte Ex-Parteichef Horst Seehofer Söders Kurs als „strategische Fehlentscheidung“.
Dessen Vorgänger Erwin Huber forderte damals ebenfalls, die Tür zu den Grünen dürfe nicht durch populistische Angriffe verschlossen bleiben. (Quellen: Welt, dpa, Welt TV, vorherige Berichterstattung) (frs)