Nico Santos im Interview: „Es geht darum, den Algorithmus auszutricksen“

Stand: 06.09.2026, 13:00 Uhr

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Nico Santos - Nico Santos kehrt als Vorjahressieger auf den roten Coaching-Stuhl von "The Voice of Germany" zurück.

Nico Santos - Nico Santos kehrt als Vorjahressieger auf den roten Coaching-Stuhl von "The Voice of Germany" zurück. © Joyn/Christoph Köstlin

Nachdem Nico Santos im vergangenen Jahr „The Voice of Germany“ als Coach gewinnen konnte, geht er nun die Titelverteidigung an. Ob sich durch seinen Sieg etwas verändert hat und warum er nie lange an Hasskommentare denkt, verrät er im Interview.

Im vergangenen Jahr coachte Nico Santos die junge Sängerin Anne Mosters (20) zum Sieg von „The Voice of Germany“. Nun kehrt er für die 16. Staffel der ProSieben-Castingshow (ab Freitag, 11. September, um 20.15 Uhr) zum fünften Mal auf den roten Coachingsessel zurück. Während die Talente der neuen Staffel bereits um die Gunst der Coaches - neben Nico Santos sind auch Rea Garvey, Shirin David sowie Michi und Smudo von den Fantastischen Vier dabei - singen, nahm sich der 33-Jährige Zeit für ein Gespräch über „The Voice of Germany“, Hass im Netz, seine eigene Musik - und er verrät, wie er es schafft, angesichts von weltweiten Krisen hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.

Nico Santos - Negative Kommentare habe er meistens schnell vergessen, erklärt Nico Santos lachend im Interview.

Nico Santos - Negative Kommentare habe er meistens schnell vergessen, erklärt Nico Santos lachend im Interview. © Joyn/Christoph Köstlin

„Neue Staffel, neues Glück“

teleschau: Sie stehen wieder als Coach bei „The Voice of Germany“ auf der Bühne, und bald geht es für Sie auf Arena-Tour. Werden Sie eigentlich noch nervös, wenn sie vor einem großen Publikum auftreten?

Nico Santos: Ja, auf jeden Fall! Es wird meine erste, richtig große Arena-Tour, da bin ich sehr gespannt und aufgeregt. Ich muss aber zugeben: Da steckt so viel Planung dahinter, das hätte ich nicht gedacht. Das Live-Erlebnis wird immer krasser, immer größer und immer mehr - Bad Bunny hat ein ganzes Haus als B-Stage, und als ich bei seinem Konzert war, war einfach Penelope Cruz da. Ich für mich habe mir vorgenommen, mein Bestes auf der Bühne zu geben, damit es für meine Band, meine Crew, mich und vor allem für die Fans ein tolles Erlebnis wird. Ich habe richtig Bock!

teleschau: Letztes Jahr haben Sie „The Voice of Germany“ als Coach gewonnen. Ändert das Ihre Herangehensweise für die kommende Staffel?

Santos: Neue Staffel, neues Glück, würde ich sagen (lacht). Ich habe allerdings schon das Gefühl, dass sich die Dynamik etwas verändert hat. Normalerweise musste ich immer sehr um die Talents kämpfen, aber dieses Jahr wird es dadurch für mich doch ein bisschen einfacher. Das haben mir aber auch schon die Ex-Coaches gesagt, die kennen das. Das heißt aber nicht, dass ich es jetzt leichter habe. Eher ist es sogar schwieriger geworden, das bekomme ich dann ab den Battles besonders zu spüren. Wenn sich in den Blind Auditions nämlich so viele gute Talents für mein Team entscheiden, es aber nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen in der nächsten Runde gibt. Das wird dann leider schon das Ende für einige Talente sein, die dafür eigentlich viel zu gut wären.

teleschau: Ist es für junge Leute heutzutage leichter oder schwieriger, in der Musikbranche Fuß zu fassen?

Santos: Es gibt natürlich viel mehr Leute, die es schaffen wollen, und dadurch ist der Topf viel größer. Andererseits hat auf Social Media jeder und jede die Chance, entdeckt zu werden. Es ist schwer einzuschätzen, aber ich glaube, dass es heutzutage schwieriger ist. Mittlerweile gibt es ja sogar schon KI-Künstler. Damit muss man leben. Aber ich glaube, Musik machen letztendlich Emotionen aus. Wenn man Musik hört, dann will man ja etwas fühlen. Und das wird immer, immer bleiben.

„Es ist leider so, dass die negativen Dinge mehr im Kopf bleiben“

teleschau: Über Ihren Song „Optimist“, der in diesem Jahr herauskam, haben Sie gesagt, es sei eines der persönlichsten Lieder, das sie je geschrieben haben. Sind Sie immer optimistisch?

Santos: Ich habe den Song für mich selbst als Erinnerung geschrieben: „Hey Nico, sei nicht so doof, sei optimistisch, sieh das Schöne im Leben.“ Ich bin gerne Optimist, und ich schaue gerne auf das Gute, aber lasse mich genauso oft von den nicht so schönen Sachen ablenken. Es ist leider so, dass die negativen Dinge mehr im Kopf bleiben. Ich meine, mal gelesen zu haben, dass 34 positive Kommentare genauso viel Gewicht haben wie ein negativer Kommentar. Deswegen mein Song, damit gehe ich mit einem ganz anderen Gefühl durch den Tag. Und ich glaube, dass gute Energie eben gute Energie anzieht.

teleschau: Wie gehen Sie im Alltag mit negativen Kommentaren um?

Santos: (lacht) Mein Körper hat sich da selbst eine Methode angeeignet, denn ich bin Gott sei Dank sehr vergesslich und kann mich deshalb schnell nicht mehr an negative Kommentare erinnern. Auch wenn ich zwei Tage lang daran denken muss, ist es eine Woche später aus meinem Kopf verschwunden. Das ist manchmal echt lustig. Durch meine Vergesslichkeit kann ich auch sehr schnell verzeihen. Deshalb liegen mir Sachen selten so schwer auf dem Herzen, dass ich nicht darüber hinwegschauen kann.

„Social Media macht es nicht gerade leicht, das Gute zu sehen“

teleschau: Über „Optimist“ haben Sie außerdem gesagt, es ist ein Song für alle, die „gerade ein bisschen Hoffnung brauchen“. Das ist heutzutage vor allem für junge Menschen nicht immer leicht ...

Santos: Definitiv. Ich glaube, wir leben gerade, global betrachtet, in einer wirklich schwierigen Zeit. Und Social Media macht es nicht gerade leichter, das Gute zu sehen. Früher hat man die „Tagesschau“ geguckt und in 15 Minuten die Nachrichten des Tages gesehen. Jetzt sieht man das alles 24 Stunden lang auf Instagram oder TikTok - einfach überall. Deshalb versuche ich, ganz bewusst auch auf die kleinen, schönen Dinge zu achten: der gute Kaffee am Morgen, dass ich gut geschlafen habe, dass meine Freunde da sind, dass meine Familie bei mir ist. Ich glaube, das ist unglaublich wichtig.

teleschau: Also lieber mal etwas Abstand zur Welt nehmen, dabei aber trotzdem informiert bleiben?

Santos: Lustig, dass Sie das ansprechen. Wir haben „Optimist“ zu fünft auf Mallorca geschrieben und haben dafür ein Haus gemietet. Da sind wir beim Abendessen auf genau das Thema gekommen und haben da drei Stunden drüber diskutiert. Zwei von uns haben gar kein Social Media mehr, weil sie sich von der ganzen Negativität fernhalten wollen. Ich bin aber eher der Typ, der gerne über Sachen informiert ist und sich darüber eine eigene Meinung bildet. Dabei versuche ich immer, mir beide Seiten und Meinungen zu einem Thema anzuschauen. Ich glaube, auch nur mit viel Wissen und viel Information kann man etwas bewegen. Trotzdem kann ich verstehen, dass es für sehr viele sehr schwer ist. Die ganze Zeit nur negative Dinge zu sehen, schadet der Psyche. Und aus dem Gespräch über dieses fragile Thema ist der Song entstanden. Wir haben gesagt: In einer Welt, in der immer mehr passiert, lasst uns einen Song schreiben als Reminder für uns alle. Jeder von uns hat Schönes im Leben, über das es sich lohnt zu schreiben.

Nico Santos: „Mir gefällt, wie die Jugend denkt“

teleschau: Der Song ist sozusagen eine Art Safe-Space für Ihre Fans?

Santos: Ja, auf jeden Fall. Ich finde, einen Safe Space zu finden, ist auch für mich selbst sehr wichtig. Deshalb folge ich zum Beispiel ganz vielen Seiten auf Instagram und TikTok, die Good-News-Momente teilen, und bemühe mich, eher die positiven als die negativen Kommentare zu klicken. Es geht darum, den Algorithmus auszutricksen, damit man eigentlich nur positive Sachen sieht - und manchmal funktioniert das tatsächlich.

teleschau: Wenn man sich auf Social Media umschaut, lassen Jugendliche und junge Leute sich von der vielen Negativität aber nicht unterkriegen. Man denke zum Beispiel an die diesjährige Wahl zum Jugendwort des Jahres ...

Santos: (lacht) Die Aktion mit „Mehrzweckeier“ fand ich wirklich sehr lustig. Mir gefällt, wie die Jugend denkt. Die Zukunftsaussichten sind vielleicht grau, aber sie bleiben irgendwo positiv und verlieren nicht komplett die Hoffnung. Und das ist unglaublich wichtig, finde ich. Mein Vater ist jetzt 81, wurde im Zweiten Weltkrieg geboren, also in einer Zeit, die schrecklicher nicht sein konnte. Er hat mir mitgegeben, nie die Hoffnung auf bessere Zeiten zu verlieren. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)