„Wir ehren heute einen Menschen, der sein politisches Handeln in den Dienst von Frieden, von Freiheit und von Sicherheit gestellt hat.“ Das hat Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) am Freitag im Landtag gesagt, als der Premierminister der Republik Armenien, Nikol Pashinyan, von der Albert-Osswald-Stiftung mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet wurde. Während des Festaktes wurde der Einundfünfzigjährige als Friedensbringer geehrt, der nach Jahren des Krieges einen diplomatischen Weg eingeschlagen hat, um neue Perspektiven für sein Land und sein Volk zu schaffen.
Vor etwa 120 Gästen hielt Serap Güler (CDU), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, die Laudatio auf den Preisträger, der mit einer Delegation in die Landeshauptstadt gekommen war. „Ihr Weg ist gekennzeichnet von politischem Mut, von Haltung trotz Gegenwind und von Verantwortung auch in schwierigen Momenten sowie der Bereitschaft, seinem Land eine neue Zukunft zu zeigen“, sagte Güler. Sie zeichnete den schwierigen Weg Armeniens zum Frieden mit Aserbaidschan nach und führte den Washington-Gipfel 2025 an, der ein „Meilenstein in der Geschichte des Südkaukasus“ gewesen sei. Damals hatten die beiden Länder Friedensvereinbarungen unterzeichnet. Armenien, so führte sie weiter aus, habe viele Kompromisse und auch schmerzhafte Verluste auf sich genommen, um Frieden mit Aserbaidschan zu erlangen.
Inspiriert vom deutschen Grundgesetz
„Seit der Samtenen Revolution hat ihr Land wichtige Fortschritte gemacht, zugleich bleibt noch einiges zu tun bei der Konsolidierung demokratischer Institutionen, der Rechtsstaatlichkeit und damit einhergehend der Modernisierung der armenischen Verfassung“, sagte Güler. Die Staatsministerin wies darauf hin, dass diese zu einem großen Teil vom deutschen Grundgesetz inspiriert worden sei. „Das ehrt uns sehr.“
Sie erinnerte daran, dass der 1975 geborene Pashinyan im Untergrund leben musste und als politischer Gefangener inhaftiert wurde. Nach der Samtenen Revolution 2018 war der frühere Journalist zum Premierminister Armeniens gewählt worden. 2025 stimmte das Parlament dafür, der EU beitreten zu wollen. Laut Güler ist Deutschland derzeit Armeniens wichtigster Handelspartner.
Die Urkunde bekam Pashinyan vom früheren Minister Karl Starzacher und Michaela Jäckel-Osswald überreicht, die beide Mitglieder des Kuratoriums der Albert-Osswald-Stiftung sind. Der Hessische Friedenspreis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird seit 1994 von der Stiftung verliehen. Die Auszeichnung soll Bemühungen zur Beendigung von Kriegen, Gewalt oder Präventionsprojekte sowie Beiträge zur Völkerverständigung würdigen. Der Friedenspreis wurde von dem früheren hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald und seiner Familie ins Leben gerufen.
In seiner Dankesrede erinnerte Pashinyan an die Erfolge im Friedensprozess und gab zugleich zu, dass noch nicht alles perfekt sei. Er kündigte an, die Demokratie in Armenien nachhaltig zu stärken und ihre Errungenschaften als unumkehrbar zu verankern. Der Premierminister dankte der EU und Deutschland für die Unterstützung. Das Verhältnis zwischen der EU und Armenien befinde sich an einem historischen Punkt. Es sei eine strategische Partnerschaft, deren Möglichkeiten es zu erforschen gelte.
Aber auch zwischen Hessen und Armenien gibt es Anknüpfungspunkte, wie Jung zuvor erläutert hatte. „In Hessen sind wir stolz auf unsere Weinbautradition im Rheingau und an der Bergstraße“, sagte der Minister. Er erinnerte daran, dass seit mehr als 1000 Jahren Wein im Rheingau angebaut werde. Er musste allerdings anerkennen, dass es in Armenien seit 6000 Jahren Weinbau gibt. Bei einem solchen Erfahrungsvorsprung seien die Hessen gerne bereit, aufmerksam zuzuhören, versprach der Minister.