Stand: 07.08.2026, 13:35 Uhr
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Der norwegische Fußball-Verband will den Fifa-Präsidenten zum Rücktritt auffordern. Der afrikanische Kontinentalverband CAF bekräftigt dagegen einstimmig seine Unterstützung für Gianni Infantino.
Der norwegische Fußball-Verband NFF fordert offensiv den Rücktritt von Gianni Infantino. Nach einer Sitzung der Verbandsführung, bei der insbesondere die Zukunft des umstrittenen Fifa-Chefs erörtert wurde, sagte die NFF-Vorsitzende Lise Klaveness auf einer Pressekonferenz: „Wir werden den Fifa-Präsidenten jetzt zum Rücktritt auffordern.“ Klaveness ergänzte, Infantino verfüge „nicht über das institutionelle Vertrauen, das erforderlich ist, um die Fifa in der derzeitigen Phase stabil zu führen. Für Gianni Infantino gibt es keinen Weg zurück mehr.“ Im aktuellen „Chaos“ könne der Schweizer „nicht mehr die Persönlichkeit sein, die in der Lage ist, alle zu vereinen“
Jedoch: Trotz aller „Besorgnis über die wiederholten Alleingänge“ sieht der südamerikanische Verband Conmebol keinen Anlass für einen außerordentlichen Kongress zur Abwahl des Fifa-Präsidenten. Argentiniens Verbandspräsident Claudio Tapia sandte gar einen Brief an Infantino, in dem betont wird, „dass der richtige Weg darin besteht, weiter unter seiner Führung zu arbeiten“.
Bei Neuwahlen hätten die Südamerikaner mit zehn Stimmen aber nur geringes Gewicht, deutlich mächtiger sind die Afrikaner mit ihren 54 Stimmen. Deren Gunst hatte sich Infantino mit immer höheren finanziellen Ausschüttungen in den vergangenen Jahren nachhaltig gesichert. Der Kontinentalverband CAF „bekräftigte“ deshalb am Donnerstagabend wenig überraschend „einstimmig seine Unterstützung für Gianni Infantino und dankte ihm für seine über Jahre hinweg geleistete, unermüdliche Unterstützung des afrikanischen Fußballs“.
Die 55 Uefa-Verbände mit dem Deutschen Fußball-Bund stehen dem diametral gegenüber. Der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik (Concacaf) dürfte mit seinen 35 Stimmen eher auf ihrer Seite stehen. Allerdings nicht geschlossen. Mexiko äußerte sich inzwischen pro Infantino.
Im 46 Stimmen umfassenden asiatischen Verband gibt es eine Spaltung. Während Infantino Unterstützungsschreiben von Nationen wie Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten publizierte, ging beispielsweise Jordanien auf Konfrontationskurs. Die elf ozeanischen Mitgliedsländer halten sich noch bedeckt.
Er könne sich für die Neuwahlen am 18. März 2027 in Rabat „nicht vorstellen“, sagte der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel dem Nachrichtenportal t-online, „dass Gianni Infantino ohne Gegenkandidaten bleibt“. Kandidaturen dürfen bis zum 18. November eingereicht werden. „Um für eine Machtbegrenzung in der Fifa zu sorgen, braucht es auch einen neuen Generalsekretär“, ergänzte der 64-Jährige und spielte damit auf die enge Verbindung des Schweden Mattias Grafström zu Infantino an.
Den internen Schulterschluss beim Weltverband im Rahmen der Krisensitzung von Rabat am Mittwoch sehe er als „albern“ an. „Es war wieder ein typischer Schachzug von Infantino“, so Grindel: „Er bauscht eine Mitarbeitersitzung zur Krisensitzung auf, die völlig ohne sportpolitische Bedeutung ist. Jetzt tut er so, als habe er den Rückhalt in der Fifa, weil ein paar von ihm handverlesene Leute doch keine Revolution machen.“ Es komme vielmehr auf die Reaktion des regierenden Councils des Weltverbandes um DFB-Präsident Bernd Neuendorf an.
In dieser Fifa-Regierung, die bislang von Infantino dominiert wurde, sitzen 37 Männer und Frauen. Aus der Uefa unter anderem deren Präsident Aleksander Ceferin sowie der Deutsche Neuendorf. Beide gelten, wie allen voran Lise Klaveness, als ausgesprochen Infantino-kritisch, wissen aber auch, dass einer Ablösung ein komplexer diplomatischer Prozess vorausgehen muss. Der tiefe Riss, der sich derzeit durch die Fifa zieht, zeigt das sehr anschaulich. dpa/sid/jcm