Verheerende Umfrage-Zahlen: Merz schaltet in der Generaldebatte plötzlich auf Angriff

Nur 7 Prozent Zustimmung im Osten: Kanzler Merz im Umfrage-Keller – und die AfD feiert im Plenum

Stand: 09.09.2026, 21:45 Uhr

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Bei der Generaldebatte im Bundestag feiert die AfD ihren Sachsen-Anhalt-Triumph. Merz giftet zurück – doch die Skepsis bleibt. Die Umfragen sind im Keller.

Berlin – Der Lärm in der Generaldebatte im Bundestag begann, bevor Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auch nur einen Satz gesagt hatte. Pfiffe, Zwischenrufe, höhnisches Gelächter – die AfD-Fraktion machte von der ersten Minute an klar, dass sie diesen Mittwoch (9. September) im Bundestag als ihre Bühne begreift: Drei Tage nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, bei dem die Partei mit 43,8 Prozent der Stimmen alle anderen Parteien weit hinter sich ließ, strömte das Selbstbewusstsein der AfD-Abgeordneten durch jeden Saalwinkel des Plenums.

Steht in den aktuellen Umfragen unter Druck: Kanzler Friedrich Merz (CDU).

Steht in den aktuellen Umfragen unter Druck: Kanzler Friedrich Merz (CDU). © Christoph Soeder/dpa

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) musste die Rede des Kanzlers gleich zweimal unterbrechen, um die Partei zur Ordnung zu rufen – und drohte schließlich mit dem Rauswurf. Eigentlich sollte es an diesem Tag ums Geld gehen, um Haushalt, Schulden und Sparpläne. Doch bis eine echte Finanzdebatte begann, vergingen fast anderthalb Stunden. Dazwischen: ein Grundsatzstreit über die Stabilität der Demokratie – und die Frage, wie eine Koalition reagiert, die laut aktuellen Umfragen tief im Keller steckt.

Aktuelle Umfrage nach Wahldesaster: AfD hängt Merz-CDU weiter ab

Denn das politische Stimmungsbild nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für die Bundesregierung weiterhin ernüchternd. Laut dem aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer des Instituts Forsa bleibt die AfD bundesweit mit 28 Prozent klar stärkste Kraft vor CDU/CSU mit 21 Prozent. Noch dramatischer sind die Zahlen für Ostdeutschland: Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, käme die AfD dort auf 45 Prozent – die CDU würde mit lediglich 12 Prozent sogar hinter der Linken landen. An der Zufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz ändert sich derweil kaum etwas: Nur 13 Prozent der Bundesbürger bewerten seine Arbeit positiv, 85 Prozent sind unzufrieden. Im Osten fällt das Urteil noch vernichtender aus – dort sind es gerade einmal sieben Prozent, die Merz positiv sehen.

ParteiAktuellVorwoche
AfD2828
CDU/CSU2115
Grüne1615
SPD1212
Linke1113
FDP44
BSW44

Auffällig ist dabei, wie festgefahren die Werte sind. Die AfD steht die fünfte Woche in Folge auf ihrem bisherigen Trendbarometer-Höchstwert von 28 Prozent – kein Ausreißer, sondern Dauerzustand. Selbst bei der Frage, welche Partei Deutschlands Probleme am ehesten lösen kann, liegt die AfD mit 13 Prozent knapp vor der Union mit 12 Prozent. 55 Prozent der Befragten trauen das keiner Partei zu. Auch die Stimmung zur Wirtschaft gibt wenig Anlass zur Hoffnung: Nur 15 Prozent der Bundesbürger erwarten in den kommenden Jahren eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, 65 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Hinzu kommt: Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt laut Trendbarometer bei 29 Prozent – deutlich über dem tatsächlichen Nichtwähleranteil bei der letzten Bundestagswahl von 17,9 Prozent. Für die CDU ist das mit Blick auf die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 20. September kein beruhigendes Signal.

Schlagabtausch im Bundestag: AfD strotzt mit Umfrageergebnissen im Rücken vor Kraft

Vor diesem Hintergrund trafen die Bundespolitiker aller Parteien nach der Sachsen-Anhalt-Wahl am Mittwoch zum ersten Mal im Bundestag aufeinander. Statt über die Details des Haushaltes zu sprechen, ergaben sich die Rednerinnen und Redner in gegenseitigen Angriffen. AfD-Chefin Alice Weidel eröffnete die Aussprache als Chefin der größten Oppositionspartei mit einem Frontalangriff auf die Koalition. „Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben es Ihnen in der Sprache des demokratischen Souveräns mit aller Klarheit mitgeteilt: Schwarz-Rot ist vorbei“, sagte sie. Der Kanzler habe die Botschaft der Wähler nicht verstanden. „Das ist auch nicht weiter relevant, weil Ihre Zeit ist ohnehin abgelaufen. Die Bürger wollen den Politikwechsel, und sie werden ihn bekommen“, so Weidel weiter. Sie wiederholte das Ziel ihrer Partei, absehbar auf Bundesebene zu regieren.

Merz reagierte mit einer ungewöhnlich offensiven Rede – weniger staatsmännisch als oppositionell, wie der Spiegel berichtete. „Ja, Frau Weidel, heute können Sie vor Kraft kaum laufen“, leitete er seinen Auftritt ein und arbeitete sich minutenlang an Weidels Auftaktrede ab. Er warf der AfD „Verachtung unserer demokratischen Institutionen“ und eine „permanente Herabsetzung der Repräsentanten unseres Staates“ vor. „Sie wollen unser Land destabilisieren“, sagte der CDU-Chef.

Den schärfsten Angriff lieferte er beim Thema Migration: Der von der AfD verwendete Begriff „Remigration“ sei „nichts anderes als ein Synonym für ethnische Säuberung nach Herkunft und Hautfarbe“. Mehrere AfD-Abgeordnete schrien auf und widersprachen lautstark. Dass die AfD in Sachsen-Anhalt keine absolute Mehrheit erreicht habe, wertete Merz als Scheitern – die Partei habe ihr Wahlziel verfehlt, alleine regieren zu können. Für die Zukunft prophezeite er: „Nirgendwo in Deutschland werden Sie mit dieser Politik Mehrheiten bekommen.“

Aufgeheizte Stimmung in Haushaltsdebatte: Klöckner droht AfD mit Rauswurf

Die Atmosphäre im Plenarsaal war aufgeheizt. Während der gesamten Rede des Kanzlers riefen AfD-Abgeordnete immer wieder dazwischen, sodass Klöckner zweimal eingreifen musste. „Wir sind hier nicht auf dem Fußballplatz“, mahnte die CDU-Politikerin – und drohte schließlich: „Wenn das hier nochmal passiert, so ein Verhalten, schmeiß‘ ich Sie raus.“

Dass Merz‘ Strategie – der direkte Angriff auf die AfD statt einer inhaltlichen Antwort auf das Wahldesaster – innerhalb der Koalition nicht uneingeschränkt Zustimmung fand, war im Saal spürbar. Abgeordnete der SPD beobachteten den Auftritt des Kanzlers mit milder Skepsis, wie der Spiegel berichtete. Auch die Grünen übten indirekte Kritik: Fraktionschefin Katharina Dröge beklagte, dass Merz die Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt in seiner Rede mit keinem Wort erwähnt habe. Stattdessen sprach sie sich dafür aus, ein Verbot der AfD zu prüfen – ein Signal, das über die Debatte um den richtigen Umgang mit der Partei hinausgeht.

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch wiederum appellierte an die Geschlossenheit der demokratischen Kräfte: „Wenn wir uns hier zerlegen, dann gibt es nur eine Gruppe, die sich freut“, sagte er. Einen konkreten Plan, wie die Koalition aus dem Umfragetief herausfinden will, blieb Merz schuldig. „Wohlstand für alle Generationen“ – ohne inhaltliche Konkretisierung. (Quellen: dpa, ntv, Spiegel, eigene Recherche) (jenko)