Bereits Anfang des Jahres hatte OpenAI seine Pläne für Werbung in ChatGPT öffentlich gemacht, im Februar folgte der erste Testlauf in den USA. Am kommenden Montag folgen nun über 30 Länder des Europäischen Wirtschaftsraums, darunter Deutschland. Betroffen sind derzeit allerdings nur Nutzer des kostenlosen ChatGPT-Angebots.
Bezahltarife und bestimmte Konversationen weiterhin werbefrei
Damit müssen Nutzer des kostenlosen ChatGPT-Tarifs nach den USA, Großbritannien und Japan auch hierzulande mit Werbung rechnen. Ausgenommen bleiben die kostenpflichtigen Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Education. Darüber hinaus gelten abhängig vom jeweiligen Gespräch oder vom angegebenen Alter weitere Einschränkungen: So soll laut den dazugehörigen FAQ von OpenAI keine Werbung angezeigt werden, wenn das System einen Nutzer unter 18 Jahren erkennt. Auch temporäre Chats sollen werbefrei bleiben. Gleiches gilt für sensible Themen, zu denen OpenAI beispielsweise Unterhaltungen über psychische Gesundheit und Politik zählt.
Werbung nach dem aktuellen Gesprächsthema
Auch an anderer Stelle soll laut OpenAI auf personalisierte Werbung verzichtet werden. Die vom Unternehmen als „generische Werbung“ bezeichnete Variante soll sich hingegen nach dem jeweiligen Gesprächsthema richten und begrenzte Kontextinformationen wie den ungefähren Standort und das verwendete Gerät einbeziehen. Gespeicherte frühere Konversationen sowie Erinnerungen sollen hingegen nicht Teil der jeweiligen Werbung sein. OpenAI betont zudem, dass Werbeanzeigen keinen Einfluss auf die Antworten von ChatGPT haben. Die Anzeigen sollen weiter eindeutig als solche gekennzeichnet und optisch von den Antworten des KI-Systems getrennt dargestellt werden. Die Anzahl der Werbeeinblendungen ist hingegen nicht genau festgelegt, laut OpenAI können eine oder auch mehrere Anzeigen angezeigt werden.
Personalisierung in anderen Ländern optional möglich
Grundsätzlich sieht der Konzern allerdings auch ein System für personalisierte Werbung vor, das im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz nicht verfügbar sein soll. Ist in anderen Ländern die Anzeigenpersonalisierung aktiviert, können ausgewählte Inhalte aus der weiteren ChatGPT-Nutzung berücksichtigt werden. Bei aktivierter Erinnerungsfunktion können zudem Erinnerungen gespeichert und verwendet sowie aktuelle Chats bei der Anzeigenauswahl einbezogen werden. Voraussetzung dafür ist bislang allerdings die Zustimmung des Anwenders.
Darüber hinaus sollen Werbetreibende keinen Zugriff auf die Chats, den Gesprächsverlauf, Erinnerungen oder andere persönliche Daten der Nutzer erhalten.
Einführung mit kommerziellen Nutzung begründet
Bereits früher hatte der KI-Konzern den Schritt mit der weiter fortschreitenden kommerziellen Nutzung von ChatGPT begründet. Laut eigenen Angaben sollen mittlerweile rund 20 Prozent der geführten Gespräche eine eindeutige kommerzielle Absicht aufweisen. Darüber hinaus soll ein großer Teil der Unterhaltungen im Zusammenhang mit möglichen Kauf- oder geschäftlichen Entscheidungen stehen. Gleichzeitig würde Werbung OpenAI eine zusätzliche Einnahmequelle bei kostenlosen Accounts bieten, deren Nutzung ebenfalls Rechenkosten verursacht, und damit dazu beitragen, den Dienst auch weiterhin anbieten zu können. Dabei bleibt der Umstand, dass durch die Eingaben im kostenlosen Tarif die eigenen KI-Modelle trainiert werden, von OpenAI unerwähnt.
Kostenlos ohne Werbung, aber mit weniger Funktionen
Nutzer in Deutschland sollen laut dem Unternehmen bereits per E-Mail über die bevorstehende Einführung informiert worden sein. Darüber hinaus will OpenAI den Nutzern neben dem Umstieg auf einen kostenpflichtigen Tarif weitere Möglichkeiten anbieten, Werbung vollständig zu vermeiden, die allerdings mit einem reduzierten Funktionsumfang einhergehen würden. So sollen unter anderem weniger Nachrichten pro Tag erlaubt sein, zudem soll dann keine Bildgenerierung zur Verfügung stehen. Bislang ist allerdings noch offen, ob diese Möglichkeit zur Einführung direkt auch in Deutschland verfügbar sein wird.