Nvidia-Zahlen: Bernstein-Analyst rechnet mit Kursverdopplung

Stand: 28.08.2026, 18:38 Uhr

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Nvidia übertrifft selbst optimistischste Prognosen, Analysten passen ihre Kursziele an. Können Anleger mit der Aktie jetzt nochmal richtig Geld verdienen?

Der US-Chipkonzern gibt dem KI-Boom zum wiederholten Mal neuen Schwung, indem er im abgelaufenen Quartal selbst optimistische Prognosen der Wall Street hinter sich gelassen hat. Nvidia steigerte den Umsatz auf 96,22 Milliarden US-Dollar. Das entspricht mehr als einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lag zugleich rund vier Milliarden Dollar über den durchschnittlichen Erwartungen der Analysten.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit BÖRSE am Sonntag.

Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie konnte der Konzern die Prognosen übertreffen: Er lag bei 2,22 Dollar. Unterm Strich verdiente Nvidia 59,7 Milliarden Dollar. Noch wichtiger als der Blick zurück war allerdings der Ausblick. Für das laufende dritte Quartal stellt Nvidia einen Umsatz von rund 108 Milliarden Dollar in Aussicht. Die Wall Street hatte hier bislang lediglich gut 104 Milliarden Dollar erwartet.

Jensen Huang mit grauen Haaren und Brille, in schwarzer Lederjacke, gestikulierend vor einer Wand mit dem NVIDIA-Schriftzug.

NVIDIA-Chef Jensen Huang bei einem Auftritt in Tokio im Juli 2026. Der Chipkonzern hat inzwischen Absichtserklärungen mit sechs Finanzkonzernen unterzeichnet, um mehr als 500 Milliarden US-Dollar an Drittmitteln für den Ausbau von KI-Rechenzentren zu mobilisieren. © picture alliance / REUTERS | Manami Yamada

Damit liefert der Konzern das, was der Markt derzeit am dringendsten braucht: neue Belege dafür, dass die gewaltigen Investitionen in Künstliche Intelligenz anhalten und sich auch auszahlen. Nvidia-Chef Jensen Huang spricht von einem „Schlüsselmoment“ der KI. Die Technologie beginne, produktive und profitable Arbeit zu leisten. Gleichzeitig entsteht mit sogenannter physischer KI ein weiterer Wachstumsmarkt, bei dem künstliche Intelligenz mit Robotik, Maschinen oder autonomen Systemen verbunden wird.

Nvidia ist der zentrale Ausrüster des KI-Zeitalters. Die Chips und kompletten Rechensysteme des Unternehmens sind essenziell, um große KI-Modelle zu trainieren und anschließend auszuführen. Aus dem einst vor allem bei Computerspielern bekannten Grafikkartenhersteller ist damit einer der wichtigsten Infrastrukturkonzerne der Welt geworden.

Vera Rubin soll den nächsten Schub liefern

Für die kommenden Jahre setzt Nvidia unter anderem auf die neue Plattform Vera Rubin. Sie folgt auf die aktuelle Blackwell-Architektur und ist insbesondere für sogenannte agentische KI ausgelegt. Dabei handelt es sich um Systeme, die nicht nur Antworten liefern, sondern eigenständig Aufgaben planen und ausführen können. Auch bei der KI-Inferenz, also der eigentlichen Anwendung bereits trainierter Modelle, soll Vera Rubin deutliche Vorteile bei Kosten und Energieverbrauch bieten. Das ist wichtig, denn Nvidias größte Herausforderung besteht inzwischen nicht mehr darin, Nachfrage zu erzeugen. Die Frage lautet vielmehr, wie lange die enorme Ausgabenbereitschaft der großen Technologiekonzerne anhält. Amazon, Microsoft und Meta investieren Milliarden in Rechenzentren und entwickeln gleichzeitig eigene Spezialchips. Zudem wollen Konkurrenten wie AMD, Intel, Broadcom und Marvell Nvidia Marktanteile abnehmen.

Bislang spricht die Entwicklung allerdings eher für Nvidia. Für das Geschäftsjahr 2027/28 stellt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent in Aussicht. Daraus könnte sich ein Jahresumsatz von rund 700 Milliarden Dollar ergeben – eine Größenordnung, die selbst viele Nvidia-Bullen überrascht.

Analysten sehen trotz fünf Billionen Dollar Bewertung Luft nach oben

Eigentlich, so möchte man zumindest meinen, müsste ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als fünf Billionen Dollar irgendwann an Grenzen stoßen. Die jüngsten Zahlen zeigen jedoch, dass der Konzern noch immer in einer außergewöhnlichen Wachstumsphase steckt. Die Analysten reagieren entsprechend.

Besonders weit geht Bernstein. Analyst Stacy Rasgon hob sein Kursziel von 315 auf 400 Dollar an und beließ Nvidia auf „Outperform“. Sollte sich seine Einschätzung bewahrheiten, würde die Aktie vom aktuellen Kurs aus noch einmal fast 100 Prozent zulegen. Rasgon sieht vor allem im Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027/28 einen entscheidenden Beleg dafür, dass Nvidia stärker wachsen könnte als bislang angenommen. Auch Goldman Sachs wurde optimistischer. Die Investmentbank erhöhte ihr Kursziel von 285 auf 300 Dollar. Nvidia habe die größten Optimisten bestätigt und hohe Markterwartungen noch getoppt, schrieb Analyst James Schneider in einer Studie zur Aktie. Der Weg für eine Outperformance der Aktie sei geebnet. JPMorgan legte ebenfalls nach und hob das Ziel von 280 auf 320 Dollar an. Die Bank sieht in den Vorgaben für die kommenden Geschäftsjahre Hinweise auf ein weiterhin extrem schnelles Wachstum. RBC erhöhte das Kursziel von 300 auf 330 Dollar.

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Kann sich der Kurs tatsächlich noch einmal verdoppeln?

Der Optimismus der Analysten bedeutet allerdings nicht, dass Nvidia ein Selbstläufer ist. Je höher die Erwartungen, desto heftiger kann die Reaktion ausfallen, wenn Nvidia einmal nur „sehr gute“ statt außergewöhnlicher Zahlen liefert. Die Bruttomarge von 74 Prozent im kommenden Quartal liegt beispielsweise etwas unter dem, was einige Analysten erwartet hatten. Zudem wird die Abhängigkeit von den Investitionsplänen der großen Hyperscaler zunehmend Thema.

Sollten Microsoft, Amazon, Meta oder andere Kunden irgendwann ihre KI-Ausgaben reduzieren, würde das Nvidia unmittelbar treffen. Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerb durch eigene Chips der großen Kunden und durch klassische Halbleiterkonkurrenten.

Noch aber ist davon wenig zu sehen. Im Gegenteil: Nvidia baut seine Position weiter aus. Berichten zufolge verhandelt der Konzern zudem über die Übernahme der KI-Plattform Hugging Face. Im Raum steht eine Bewertung von mehr als 13 Milliarden Dollar. Eine solche Transaktion würde Nvidia noch stärker mit der Software- und Entwicklerseite des KI-Ökosystems verbinden.

Auch die bisherigen Zahlen liefern den Bullen neue Argumente. Nvidia wächst mit einer Geschwindigkeit, die für einen Konzern dieser Größe beispiellos ist. Gleichzeitig entstehen mit Inferenz, agentischer KI, Robotik und autonomem Fahren neue Absatzmärkte. Und Bernsteins Kursziel von 400 Dollar zeigt: Trotz der gewaltigen Rally der vergangenen Jahre sehen Analysten das Wachstumsmärchen rundum Nvidia noch nicht am Ende angelangt.