Stand: 07.08.2026, 07:19 Uhr
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Die Gemeinde Philippsthal muss einen Fehlbedarf von 3,3 Millionen Euro ausgleichen. Bürgermeister Timo Heusner hofft auf Zahlungen des größten Unternehmens nach vier Jahren Pause.
Philippsthal – Für Einheimische wie durchreisende Zweiradfahrer auf dem Werratalradweg ist das historische Torbogenhaus die Eingangspforte zum Schlossareal im Herzen von Philippsthal. Über die Zukunft des sanierungsbedürftigen Gebäudes sowie weitere Projekte und Herausforderungen sprachen wir mit Bürgermeister Timo Heusner im Sommerinterview.
Welche drei Themen oder Projekte haben Sie seit Jahresbeginn am meisten gefordert?
(überlegt) Der Haushalt, die laufenden Bauprojekte wie unsere Kita und der geplante Ausbau von ACO-Haustechnik.
Seit der Kommunalwahl herrschen im Gemeindeparlament neue Mehrheitsverhältnisse. Wie hat sich das aus Ihrer Sicht auf das politische Klima und die Zusammenarbeit in den Gremien ausgewirkt?
Wir stehen ja noch am Anfang der Wahlperiode. Den Haushalt wollten wir wegen der schwierigen Finanzlage bewusst mit den neuen Gremien beraten und beschließen. Kämmerer Michael Schneider war in allen Fraktionen zu Haushaltsgesprächen zu Gast. Die anschließenden Haushaltsberatungen waren sehr sachlich und konsensorientiert. Ich hoffe, dass dieser respektvolle Umgang miteinander beibehalten wird.
Der Fehlbedarf von 3,3 Millionen Euro im aktuellen Haushalt kann nur durch den Griff in die Rücklage ausgeglichen werden, die zum Jahresende voraussichtlich vollständig aufgebraucht sein wird. Wie wollen sie die Gemeindefinanzen langfristig stabilisieren?
Ich blicke immer positiv nach vorn und hoffe daher, dass sich die wirtschaftliche Lage beim größten Unternehmen verbessert und nach vier Jahren endlich wieder Zahlungen fließen. Wir sind bereits mit den Planungen für den kommenden Haushalt beschäftigt. Dabei sieht es nicht so schlecht aus wie in diesem Jahr. Gleichwohl werden wir uns nach der Sommerpause mit den Fraktionen zusammensetzen und Konsolidierungsmaßnahmen erarbeiten. Wir als Verwaltung können zwar Vorschläge machen. Die Entscheidungen treffen aber am Ende die gewählten Gremien.
Warum hat sich Philippsthal eigentlich – zumindest öffentlichkeitswirksam – nicht an der Aktion „Kommunen am Limit“ beteiligt?
Wir haben uns an zahlreichen anderen Aktionen und Resolutionen zur Finanzlage der Kommunen beteiligt und weisen regelmäßig auf diese Problematik hin. Ich bin ein wenig enttäuscht darüber, dass wir mit unserem Anliegen auf Bundes- und Landesebene kaum Gehör finden. Man fühlt sich allein gelassen und ich hatte das Gefühl, damit nicht wirklich etwas zu erreichen. Ich bedanke mich aber bei allen Kollegen, die bei dem Aktionstag erneut Flagge gezeigt haben.
Die größten Investitionen im laufenden Jahr sind der Kita-Neubau in Röhrigshof und das geplante Feuerwehrhaus in Gethsemane. Wie ist der aktuelle Stand bei diesen Projekten?
Die Arbeiten an der Kita liegen im Plan. Die Außenverkleidung ist fertig und aktuell läuft der Innenausbau, der voraussichtlich Mitte September oder Anfang Oktober abgeschlossen sein soll. Danach folgen die Arbeiten an den Außenanlagen. Wir hoffen auf den Einzug in der ersten Januarwoche. Bei der Feuerwehr Gethsemane sind wir noch in der Planungsphase und stehen kurz davor, den Bauantrag einzureichen. Wann die Arbeiten beginnen, kann ich aktuell nicht genau abschätzen.
Investitionsbedarf besteht auch im Sportbad. Alle bisherigen Bewerbungen für die Aufnahme in Förderprogramme waren jedoch erfolglos. Wie lange kann der Betrieb dort noch aufrechterhalten werden?
Die Gemeindegremien haben sich klar zum langfristigen Erhalt des Sportbades bekannt. Der Betrieb ist in diesem und auch in den kommenden Jahren weiterhin gewährleistet. Der Gemeindevorstand hat eine Schwimmbadkommission eingerichtet, die aktuell prüft, ob eine Sanierung oder ein kompletter Neubau die bessere Alternative ist. Dieser Prozess dauert voraussichtlich bis Jahresende. Wir sprechen von einer hohen Investitionssumme und müssen die Arbeiten EU-weit ausschreiben. Von anderen Städten und Gemeinden, die ihre Bäder mithilfe von Förderprogrammen saniert haben, haben wir wertvolle Empfehlungen erhalten. Das Budget des Programms „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“ reicht bundesweit jeweils nur für wenige Schwimmbäder pro Jahr. Deshalb ist Geduld gefragt. Wir hoffen auf die höchstmögliche Förderquote, um auch einen möglichen Neubau finanziell stemmen zu können.
Dafür wurde Philippsthal in das Städtebau-Förderprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ aufgenommen. Wie ist der Prozess angelaufen und welche Schwerpunkte zeichnen sich ab?
Die Beteiligung aus der Bevölkerung an der Auftaktveranstaltung war erfreulich groß. In den Arbeitsgruppen wurden interessante Vorschläge zusammengetragen. Diese werden nun aufgearbeitet und sollen in das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept einfließen. Besonders hat mich gefreut, dass auch ACO-Haustechnik in diesem Prozess mitarbeiten will. Von den Besitzern der Häuser am Hattorfer Platz würde ich mir allerdings eine größere Beteiligung wünschen. Im Herbst findet dann zusammen mit interessierten Einwohnern noch einmal eine Begehung des Fördergebiets statt. Die Schwerpunkte werden danach priorisiert. Zu den potenziellen öffentlichen Projekten zählt sicherlich die ohnehin erforderliche Sanierung des Torbogenhauses am Schloss.
Welche Impulse, aber möglicherweise auch Belastungen, erwarten Sie durch den angekündigten Ausbau des ACO-Werks?
Der Ausbau bringt für Philippsthal zusätzliche Arbeitsplätze und zusätzliche Wertschöpfung in Form von Kaufkraft und Gewerbesteuer-Einnahmen. Zusätzliche Belastungen erwarte ich nicht. Auf dem Gelände wird bereits jetzt produziert und das Unternehmen hat für den Ausbau ein gutes Konzept erarbeitet. Ich freue mich darauf, wie sich das Gelände am Ortseingang verändern wird.
Um den in unmittelbarer Nachbarschaft angekündigten Neubau des Aldi-Marktes sowie eines Ärzte- und Geschäftshauses scheint es ruhig geworden zu sein. Verfolgen die Bauherren diese Pläne noch weiter?
Ja, die Pläne werden nach wie vor weiterverfolgt. Die Bauherren lassen dazu aktuell vom Regierungspräsidium geforderte Gutachten zur Kaufkraft und städtebaulichen Verträglichkeit erstellen.
Mit zwei Soccerfeldern und einem Pumptrack sollen zusätzliche Angebote für Kinder und Jugendliche geschaffen werden. Wann beginnen die Arbeiten?
Wir werten gerade das Ausschreibungsergebnis für den Bau des Soccerfeldes in Röhrigshof aus und entscheiden danach, wie wir mit den Projekten im Kernort umgehen und zu welchem Zeitpunkt wir diese ausschreiben. Für den Pumptrack haben wir den Förderbescheid aus dem Leader-Programm erhalten. Für das Soccerfeld haben wir die Zusage vom Sportland Hessen, bereits mit den Arbeiten beginnen zu dürfen, um bei einer gemeinsamen Ausschreibung Kosten zu sparen. Ich hoffe, dass die Baukosten nicht weiter explodieren. Wir hängen nun mal an den Förderbescheiden. Wenn diese erst Mitte des Jahres eintreffen, sind die Auftragsbücher der Firmen schon voll und das Preisniveau entsprechend hoch. Es wäre daher in meinen Augen sinnvoller, den Kommunen mehr Geld direkt zur Verfügung zu stellen als über komplizierte Förderprogramme, in denen ein nicht unerheblicher Teil des Budgets durch den Verwaltungsaufwand aufgefressen wird.
Dem Vernehmen nach droht im kommenden Jahr eine Vollsperrung der B62 in Vacha mit Umleitung über die schmale Straße durchs Philippsthaler Weidenhain. Was ist der aktuelle Stand und sehen Sie noch Möglichkeiten, diese Pläne abzuwenden?
Der Gemeindevorstand hat sich klar gegen diese Pläne positioniert. Auch eine reine Pkw-Umleitung, um die es ja geht, gibt diese Straße einfach nicht her. Hinzu kommt, dass die Gemeinde voraussichtlich im Jahr 2027 die Sandsteinmauer des Bergparks Weidenhain sichern muss. Ich würde mir wünschen, bei dieser Thematik von den Behörden in Thüringen besser eingebunden zu werden. Vor über vier Monaten hat uns der thüringische Verkehrsminister einen Vor-Ort-Besuch in Aussicht gestellt. Darauf warte ich noch immer.
Der Sommer 2026 zählt zu den heißesten und trockensten überhaupt. Was hilft Ihnen, einen kühlen Kopf zu behalten?
In meinem Büro profitiere ich von den dicken Mauern des Schlosses. Ansonsten habe ich zu Hause einen kleinen Pool zum Abkühlen. Um einen kühlen Kopf zu bewahren, helfen außerdem, viel zu trinken, und ab und zu ein Eis.
Timo Heusner (46) ist im Schenklengsfelder Ortsteil Wüstfeld aufgewachsen und war bis 2006 als Forstwirt tätig. Danach schulte er zum Finanzwirt um und arbeitete seit 2008 als Finanzbeamter. Als Kandidat der SPD setzte er sich bei der Philippsthaler Bürgermeisterwahl im Jahr 2019 mit 55,65 Prozent der Stimmen gegen zwei Mitbewerber durch und wurde 2025 mit 91,21 Prozent der Stimmen ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigt. Seit 2021 gehört er für die SPD dem Kreistag Hersfeld-Rotenburg an. Der 46-Jährige ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Philippsthal. In seiner Freizeit war er früher Fußballer sowie Coach der SG Kleinensee/Widdershausen und engagiert sich heute als Jugendtrainer beim VfL Philippsthal.