Plage in Kassel: Schädling befällt alle 3000 Eichen in der Karlsaue

Stand: 18.07.2026, 05:50 Uhr

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Warnung vor Eichenprozessionsspinnern in der Aue: An vielen Wegen stehen Warnbaken, um zu informieren.

Warnung vor Eichenprozessionsspinnern in der Aue: An vielen Wegen stehen Warnbaken, um zu informieren. © Foto: Katharina Breuning

In der Kasseler Karlsaue sind alle 3000 Eichen vom Eichenprozessionsspinner befallen. Fünf Baumpflegefirmen saugen jetzt die Nester ab – doch Fachkräfte und Schutzkleidung sind rar.

Kassel – Wer in diesen Tagen durch die Karlsaue geht, der bekommt schnell den Eindruck, dass dort weniger Menschen als sonst unterwegs sind. Dafür hat die Zahl der Eichenprozessionsspinner drastisch zugenommen. „Wir gehen davon aus, dass alle 3000 Eichen im Park befallen sind“, sagt Siegfried Hoß, Leiter Gärten und Gartendenkmalpflege von Hessen Kassel Heritage (HKH). Deshalb hat HKH überall im Park Warnhinweise und Absperrungen aufgestellt. Zwar ist die Karlsaue für Besucher nicht gesperrt worden, aber man weise darauf hin, dass die Spaziergänger den Park auf eigene Gefahr betreten.

Konkret werden die Menschen vor den Eichenprozessionsspinnern und umherfliegenden Brennhaaren gewarnt. „Berühren Sie auf keinen Fall Raupen oder Nester“, steht auf der Warnung. Hunde sollten auf alle Fälle auf den Wegen bleiben. Denn die Eichenprozessionsspinner, eine Schmetterlingsart, deren Raupen sich in Nestern vorzugsweise an Eichen ansiedeln, können auch für Haustiere gefährlich werden.

Vier Verdacht-Patienten im Klinikum Kassel

Dr. Klaus Weber, Chefarzt des Notfallzentrums Nordhessen am Klinikum Kassel sagt: „Diesen Sommer gab es bisher vier Fälle bei uns behandelter Personen, bei denen es möglich sein könnte, dass es einen Zusammenhang zum Eichenprozessionsspinner gibt.“ Nur in einem der Fälle sei es allerdings zu einer stärkeren allergischen Reaktion gekommen. Die betroffene Person wurde über Nacht zur Beobachtung aufgenommen.

Nachdem die Eichenprozessionsspinner im vergangenen Jahr erfolgreich von einer Firma mit Nematoden, mikroskopisch kleinen Fadenwürmern, bekämpft worden waren, hatten Mitarbeiter von HKH im Mai dieses Jahres die Bäume erneut mit Nematoden besprüht. Zu 100 Prozent habe das nicht gewirkt, räumt Hoß ein. Angesichts dessen sind jetzt fünf Baumpflegefirmen in der Karlsaue im Einsatz, die die Nester absaugen. Die Mitarbeiter von HKH haben die Baumstämme im unteren Bereich zudem mit heißem Wasser abgewaschen. Bei 60 Grad lösten sich die Brennhaare auf, sagt Hoß.

Eigentlich benötige man noch mehr Firmen, die zur Bekämpfung eingesetzt werden, um den Eichenprozessionsspinner-Peak in Kassel zu überwinden. Allerdings seien nicht nur die Fachkräfte rar, sondern auch die Schutzkleidung sei mittlerweile vergriffen, so Hoß. HKH plane nämlich, dass künftig auch die eigenen Mitarbeiter die Nester absaugen sollen.

In der Karlsaue habe man bei der Bekämpfung Prioritäten gesetzt, so Hoß. Zunächst habe man sich den Bereich an der Kita Menzelstraße und anschließend die Flächen, auf denen in zwei Wochen der Zissel stattfindet, vorgenommen. Jetzt sind die Baumpfleger im Bereich der Insel Siebenbergen unterwegs, wo im September der Herbstzauber geplant ist. „Wir sind mit allen Veranstaltern im Gespräch“, sagt Hoß. Auch mit der documenta – auch wenn noch nicht bekannt ist, ob die Kunstausstellung im kommenden Jahr überhaupt in der Karlsaue stattfinden soll.

Fest steht, dass die Bekämpfung der Raupen viel Geld kostet. Im vergangenen Jahr habe man 80.000 Euro dafür ausgegeben und für dieses Jahr ein wenig mehr vorgesehen, sagt Hoß. Das reiche nicht. Er geht davon aus, dass 150.000 Euro oder noch mehr erforderlich sind. „Da muss aus anderen Bereichen zugeschossen werden.“

 Stadt untersucht Ursachen und Strategien

Derzeit sind in Kassel (Stand: 16. Juli 2026) insgesamt 559 städtische Eichen vom Eichenprozessionsspinner betroffen, so Stadtsprecher Michael Schwab. Gegenüber der vergangenen Saison, in der 63 Bäume befallen waren, hat sich die Anzahl der Befallsbäume damit nahezu verneunfacht (Zunahme um rund 787 Prozent). Die Gesamtanzahl der städtischen Eichen (alle Gattungen) liege bei 7059 Einzelbäumen.

Für das kommende Jahr würden aktuell verschiedene Maßnahmen vorbereitet, so der Sprecher. Dies umfasse die Bewertung der diesjährig eingesetzten Bekämpfungsmethoden, die Fortführung des Monitorings sowie die Prüfung weiterer präventiver und organisatorischer Maßnahmen. Hierdurch soll der Befall möglichst frühzeitig erkannt werden. Die Art und der Umfang der konkreten Ausgestaltung erfolgten nach Abschluss der diesjährigen Saison auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse. Die Kosten für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners und die fachgerechte Entfernung der Gespinste belaufen sich laut Schwab auf einen Betrag im sechsstelligen Bereich. „Die Bewältigung des Befalls stellt die Stadt Kassel daher vor erhebliche organisatorische und finanzielle Herausforderungen.“