Plan der Bahn Alkoholverbot an Bahnhöfen ist richtig – doch das Problem ist ein anderes
21.07.2026 · 13:30 Uhr
Ein alkoholisierter Mann gestikuliert am Hauptbahnhof in Hamburg mit einer Wodkaflasche in der Hand.
Foto: Daniel Reinhardt
Meinung | Düsseldorf · Die Deutsche Bahn will Alkohol bis zum Herbst aus allen Bahnhöfen verbannt haben. Der Schritt ist richtig, doch vor allem die Zahl der Vorfälle in Zügen erschreckt. Es braucht weitere Maßnahmen, um Angriffe auf Zugbegleiter zu verhindern.
Es ist erst ein paar Tage her, da präsentierten der NRW-Verkehrsminister und der Chef des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr erschreckende Details zu sicherheitsrelevanten Vorfällen in den Zügen in NRW. Deren Zahl stieg im vergangenen Jahr um 1348 auf 20.153 Vorfälle. Bei mehr als 58 Prozent davon handelte es sich um Straftaten. Überwiegend waren Bahnmitarbeiter Ziel der Attacken – insbesondere bei den Ticketkontrollen.
Damit ist allerdings klar: Mit einem Alkoholverbot, das die Deutsche Bahn an allen 5400 Bahnhöfen in Deutschland plant, wird dieses Problem wohl nur teils adressiert. Und dennoch ist der Schritt richtig. Bahnhöfe gelten immer noch vielen Kundinnen und Kunden als Angstraum. Ein Alkoholverbot kann ein erster Schritt sein, um das subjektive Sicherheitsgefühl zu erhöhen.
Das Bahnhofsumfeld muss konsequent mitgedacht werden
Damit es allerdings eine nachhaltige Lösung wird, muss das Bahnhofsumfeld konsequent mitgedacht werden – und hier sind die Kommunen und ihre Ordnungsbehörden zuständig. Ein Verbot in den Bahnhöfen allein würde zu einer reinen Problemverlagerung auf die Vorplätze führen. Deshalb muss die Bahn hier noch enger mit den Kommunen zusammenarbeiten.
Und die Maßnahmen entbinden die Bahn und die Verkehrspolitiker letztlich nicht davon, kluge Maßnahmen zu entwickeln, wie Vorfälle in den Zügen besser verhindert werden können. Das betrifft Alkoholverbote in den Zügen selbst, aber auch den Einsatz von technischen Hilfsmitteln. Erste Ansätze gibt es: Beispielhaft sei der Einsatz von KI-gestützter Videotechnik in den Zügen genannt, die das Sicherheitspersonal schon frühzeitig alarmiert, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Und es muss ausreichend gut geschultes Sicherheitspersonal und Bundespolizisten, konsequente Anzeigen und eine klare Ahndung von Verstößen geben. Die Angriffe auf Zugbegleiter und andere Fahrgäste sind schlicht nicht hinnehmbar.
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