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Vor rund zwei Millionen Haustüren in Deutschland stehen große Batterien auf Rädern – viel mehr sind E-Autos im Grunde genommen nicht. Der Strom, der darin gespeichert wird, wird im Normalfall genutzt, um das Fahrzeug anzutreiben. Doch das ist nicht die einzige Möglichkeit: Wer gerade nicht unterwegs sein muss, kann den Strom auch in seinem Haushalt nutzen oder gegen Geld zurück ins Netz geben. Bidirektionales Laden heißt die Technologie, die in ihrer Anwendung im Alltag in Deutschland noch am Anfang steht.

Das soll sich ändern: Erst 2025 hatte der Bundestag einige Hürden abgeschafft, die den Durchbruch bisher verhindert hatten. Seitdem entstehen in Deutschland die ersten Massenmarktangebote für Verbraucher: Ein gemeinsames Projekt von Eon und BMW etwa verspricht Nutzern 42 Cent pro eingespeister Kilowattstunde und bis zu 720 Euro Bonus im Jahr, Ford und Octopus Energy werben mit bis zu 360 Euro im Jahr und verbilligtem Ladestrom. Doch gerade jetzt, wo bidirektionales Laden in Deutschland langsam Fahrt aufnimmt, könnten Pläne der Bundesregierung die Technik ausbremsen.
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Solaranlagen dürfen künftig nur noch begrenzt Strom einspeisen
Es geht um die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), entstanden unter der Ägide des Wirtschaftsministeriums und erst in diesem Sommer vom Kabinett beschlossen. Eines der wichtigsten Ziele des Gesetzes ist aus Sicht von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Entlastung der Stromverteilnetze, die an vielen Stellen nicht Schritt gehalten haben mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Wenn etwa an sonnigen Tagen in den Mittagsstunden viele private Solaranlagen auf Dächern gleichzeitig Strom ins Netz einspeisen, bringt das manche Netze an ihre Grenzen.
Kleine Solaranlagen sollen deshalb künftig nur noch maximal 50 Prozent ihrer Leistung ins Netz einspeisen dürfen, um solche „Mittagsspitzen“ zu verhindern.
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Millionen E-Autos sind für das Stromsystem eine große Chance
Das Problem: Die Begrenzung soll nicht an der Solaranlage erfolgen, sondern am Verbindungspunkt des Haushalts mit dem Netz. Damit träfe die Regel, die ein Problem der Mittagszeit lösen soll, auch die Einspeisung aus Heimspeichern und eben E-Autos.
In einem Stromsystem, das zunehmend auf die zeitlich schwankende Stromproduktion von erneuerbaren Energien reagieren muss, ist das mehr als ein Ärgernis für E-Auto-Besitzer, die mit bidirektionalem Laden ein bisschen Geld verdienen wollen. Schon aktuell sind rund zwei Millionen E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs, und ihre Zahl wird wachsen. Dieser rollende Batteriepark kann und soll nach Ansicht von Expertinnen und Experten in Zukunft ebenso wie andere Speicher einspringen, wenn die Nachfrage nach Strom besonders hoch ist, aber gerade wenig davon produziert wird.
„Bidirektionales Laden wird für unser Stromsystem unglaublich relevant“, sagt Fanny Tausendteufel von der Denkfabrik Agora Verkehrswende. Das Potenzial sei groß – bereits der aktuelle Bestand an E-Autos könne so viel Speicherkapazität bereitstellen wie die Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland. Und mit der zunehmenden Verbreitung von E-Autos wird es noch wachsen. „Das ist eine Menge Flexibilität, die man nutzen kann, um das Stromsystem zu entlasten und so die Kosten für alle zu senken.“
Stromnetz-Regulierung könnte Flexibilität von E-Autos und Speichern bremsen
Doch genau diese Flexibilität könnte die Bundesregierung mit der geplanten Neuregelung jetzt ohne Not einschränken, sagt Benjamin Merle-Oberheide, Produktchef des Greentech-Unternehmens Enpal, das unter anderem Solaranlagen und Energiemanagementsysteme verkauft. „Flexibilität muss schnell zur Verfügung stehen“, sagt er. „Wenn in den entscheidenden Momenten E-Autos oder Speicher nur noch mit der halben Geschwindigkeit einspeisen können, schränkt man genau diese Fähigkeit des Marktes ein, schnell zu reagieren.“ Im Zweifel gehe es nur um eine Viertel- oder halbe Stunde, in der die Preise sehr hoch seien, weil die Nachfrage groß ist. „Wenn man dann nur gedrosselt einspeisen kann, schadet das auch der Wirtschaftlichkeit.“
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Die Autoindustrie ist irritiert über die Pläne der Regierung
Kann nur mit der Hälfte der Leistung eingespeist werden, so die Sorge in der Branche, könnten die Angebote für Kunden nicht mehr attraktiv genug sein. Das Problem der zu hohen Einspeisung in den Mittagsstunden ließe sich seiner Meinung nach auch anders lösen, etwa indem man festlegt, dass E-Autos in den betroffenen Zeiträumen nicht einspeisen können.
Auch die Autohersteller, die in den kommenden Jahren immer mehr Modelle auf den Markt bringen wollen, die ebenfalls Strom wieder ins Netz einspeisen, zeigen sich von den Plänen der Bundesregierung irritiert. Eine pauschale Begrenzung, die auch die systemdienliche Einspeisung aus Elektrofahrzeugen erfasse, sei „ausdrücklich nicht sachgerecht“, erklärt der Verband der Automobilindustrie (VDA). Diese würde nicht nur den Beitrag zur Netzstabilität erschweren, den bidirektionales Laden leisten kann, sondern auch die Wirtschaftlichkeit der entsprechenden Technologie beeinträchtigen und sie so weniger attraktiv für Verbraucher machen. „Das kann niemand wollen“, so der VDA.
Einspeisung aus E-Auto-Batterien bleibt laut Ministerium möglich
Das Bundeswirtschaftsministerium teilt diese Sorgen offenbar nicht. Eine Einspeisung aus E-Auto-Batterien bleibe weiterhin möglich, sagt das Haus von Ministerin Reiche auf Anfrage. „Nur eben nicht mit der gesamten Leistung der Solaranlage, sondern über einen längeren Zeitraum.“
Ob die Drosselung am Ende tatsächlich Gesetz wird, ist noch offen. Das EEG und das dazugehörige Netzpaket werden nach der Sommerpause im Bundestag beraten.