Verdi startet Tarifverhandlungen mit Privatbanken – Gehaltsforderung an „Stärketest“ geknüpft

Privatbanken-Tarifrunde: Das fordert Verdi für 150.000 Beschäftigte

Stand: 05.10.2026, 13:44 Uhr

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Aufgerufen zum Streik waren Beschäftigte von privaten und öffentlichen Banken.

Im Sommer 2024 mündeten die letzten Tarifverhandlungen zwischen Verdi und den Banken in einem Warnstreik in Frankfurt. (Archivbild) © christoph boeckheler

Mehr Gehalt, Homeoffice und KI: Verdi zieht für 150.000 Bankbeschäftigte in die Tarifrunde. Alle Streitthemen und Termine im Überblick.

Berlin/Frankfurt am Main – Update vom 5. Oktober: Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hat nun auch die konkreten Forderungen bekannt gegeben, mit denen man in die erste Tarifverhandlung am Donnerstag (8. Oktober) geht. Im Zentrum steht die Forderung nach sechs Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie ein Anstieg der Vergütungen bei Nachwuchskräften um monatlich 300 Euro. „Die wieder steigende Inflation bedroht die Kaufkraft der Beschäftigten. Mit sechs Prozent mehr Gehalt wollen wir Kaufkraftverluste ausgleichen und die Beschäftigten angemessen am Erfolg der Banken beteiligen“, erklärt Jan Duscheck, Verdi-Bundesfachgruppenleiter Bankgewerbe und Verhandlungsführer, am Montagvormittag.

Weiterhin bemüht sich Verdi in den anstehenden Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) unter anderem um folgende Punkte:

  • Regelungen zur KI in der Bankenbranche: „Im Mittelpunkt stehen dabei ein verbesserter Beschäftigungsschutz sowie verbindliche Vereinbarungen zur Personalplanung und Qualifizierung“;
  • Mehr Selbstbestimmung über Arbeitszeit zur Belastungssteuerung: Konkret soll die Möglichkeit geschaffen werden, „Gehaltsbestandteile in bis zu 20 zusätzliche freie Tage pro Jahr umzuwandeln“;
  • Umgang mit kurzen Erkrankungen: Ziel ist es für Verdi, die bisherige gesetzliche Grundregel (kein ärztlicher Nachweis bei Erkrankung bis zu drei Tagen) tarifvertraglich abzusichern.

Man erwarte „von den Arbeitgebern, die Forderungen zum Verhandlungsauftakt konstruktiv aufzugreifen und den Weg für spürbare Gehaltsverbesserungen freizumachen“, heißt es in der Verdi-Mitteilung abschließend.

Start am 8. Oktober: Verdi und Privatbanken-Arbeitgeber gehen in die Tarifverhandlungen

Ursprungsmeldung: Kostendruck, Personalabbau, Digitalisierung, aber immer größer werdende Einschränkungen beim Homeoffice: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht im Bereich der privaten Banken immer größere Belastungen auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zukommen. Deswegen geht es am Donnerstag (8. Oktober), zwei Jahre nach dem letzten Tarifabschluss, in diesem Jahr erneut in die Tarifrunde mit dem Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken). Die genauen Forderungen werden nach einem „Stärketest“ nun genau festgezurrt.

Zuvor hatte man beispielsweise nur einen Rahmen für die anstehende Forderung nach Entgelterhöhung festgelegt. 4 bis 8 Prozent wolle man am Verhandlungstisch mit den privaten Banken für die rund 150.000 Beschäftigten an den 80 deutschen Privatbanken fordern, hieß es im Vorfeld. Wie viel genau – das hing von einem sogenannten „Stärketest“ ab. Bis Ende September setzte man sich das Ziel, 400 neue Mitarbeitende in die Organisation und den Tarifkampf einzubinden. Wäre das gelungen, hätte man mit dieser Zahl im Rücken 8 Prozent mehr Gehalt gefordert. Geworden sind es, laut offizieller Verdi-Übersicht, 175 neue Mitarbeitende. Das entspricht in den Verhandlungen einer Forderung von 5,7 Prozent mehr Gehalt.

Banken-Tarifrunde 2026: Verdi und private Banken verhandeln über Geld und Zukunft

Verdi geht es in den Verhandlungen mit den deutschen Privatbanken nicht nur ums Geld. Neben einer deutlichen Entgelterhöhung gehe es „auch um Zukunftssicherheit, den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen, gute Regelungen für Altersteilzeit sowie die Gestaltung von KI und Transformation.“ Welche Forderungen man zu den Streitthemen konkret stellen will, entscheide die Tarifkommission nun ebenfalls dem Stärketest entsprechend vor dem Verhandlungsstart am Donnerstag.

Für Verdi sind es nach 2024 die nächsten Verhandlungen mit dem AGV Banken. Im Juli 2024 einigte man sich auf eine stufenweise Erhöhung des Entgelts um insgesamt 10,5 Prozent. Die dritte und letzte Stufe dieser Einigung griff im Juli 2026. Vor zwei Jahren zogen sich die Verhandlungen, im Sommer verlieh Verdi seinen Forderungen mit Warnstreiks, unter anderem in Frankfurt am Main, noch Nachdruck.

Nach Tarifrunde 2024: Verdi kämpft im kommenden Jahr auch für Beschäftigte in öffentlichen Banken

Nun gibt man sich zunächst drei Verhandlungstermine Zeit: Nach dem ersten Treffen am 8. Oktober 2026 in Berlin stehen bereits die Termine für die Runden zwei und drei fest. Am 2. November treffen sich die Tarifparteien in Frankfurt am Main, am 23. November erneut in Berlin.

Weiter geht es im Bankensektor dann im kommenden Jahr: Für den März 2027 sind Verhandlungen mit den öffentlichen Banken geplant. Auch bei dieser Tarifrunde will man für die rund 68.000 Beschäftigten bei freien Sparkassen, Landesbanken und Co. um die angemessene Vergütung bei höherer Belastung kämpfen. Und auch dort will Verdi mit dem Rückhalt aus einem vorherigen Stärketest an den Verhandlungstisch gehen. (Verwendete Quellen: Verdi, Frankfurter Rundschau, dpa) (stma)