Hamburg
Profiteure und Mitläufer der NS-Zeit: Diese Straßen wurden immer noch nicht umbenannt
Eine von der Stadt eingesetzte Kommission empfahl schon vor Jahren in elf Fällen einen neuen Namen. Geprüft wurden auch Berühmtheiten.
In Hamburg gibt es immer noch NS-belastete Straßennamen. Wege, die nach Personen benannt wurden, die in der NSdAP waren oder sich mit den Nazis arrangiert haben, um ordentlich Profit zu machen. Dabei hatte eine Kommission der Stadt bereits vor vier Jahren Empfehlungen abgegeben, welche Straßen dringend umbenannt werden müssten.
Die Hamburger Kulturbehörde berief 2020 eine Kommission aus acht Experten, die den Umgang mit NS-belasteten Straßennamen behandeln sollte. Diese Kommission legte im Frühjahr 2022 ihren Abschlussbericht mit Empfehlungen vor. Bei elf Straßen empfahl sie eine Umbenennung. Geprüft wurden auch Berühmtheiten wie Heidi Kabel.
Nur vier der Straßen haben mittlerweile neue Namen: Ein Teil des Högerdamms wurde in Recha-Lübcke-Damm umbenannt (2023). Ein weiterer Teil des Högerdamms in Bella-Spanier-Weg (2023). Die Schorrhöhe heißt jetzt Schwaßmannhöhe (2024), der Elingiusplatz Otto-Möller-Platz (2024). Der Kraepelinweg wurde zum Nicolaus-Heinrich-Julius-Weg (2024).
Hamburger Straßen nach Menschen mit NS-Verstrickung
Trotz Empfehlung behielten diese Straßen ihre Namen: Walter-Bärsch-Weg (Groß Borstel), Julius-Brecht-Straße (Osdorf), Heynemannstraße (Langenhorn), Oehleckerring (Langenhorn), Paul-Stritter-Weg (Alsterdorf), Strüverweg (Groß Borstel). Nur teilweise umbenannt wurde der Reinckeweg (Hummelsbüttel).
Auch der Albert-Schäfer-Weg (Eißendorf) wurde nicht umbenannt, obwohl Schäfer als Phoenix-Vorstand für die Ausbeutung von jüdischen Zwangsarbeitern verantwortlich war. In Harburg wird in der Bezirksversammlung darum gestritten. Unter anderem CDU und AfD sind gegen eine Umbenennung.
Heidi-Kabel-Platz soll ergänzendes Schild bekommen
Bei weiteren Straßennamen lautete die Empfehlung, die Straßen zurückzubenennen, wenn sie im Nationalsozialismus umbenannt worden waren. Und dann gibt es noch Fälle, bei denen statt Umbenennung ein ergänzendes Informationsschild am Straßennamen empfohlen wurde. Prominentestes Beispiel dafür ist Heidi Kabel.
Bei den meisten nicht umbenannten Straßen ist der Grund kein Streit um die Umbenennung, sondern eher eine Verschleppung. Teils haben die Bezirke es vorgezogen, erst einmal kolonial belastete Straßen neu zu benennen.
Nur bei zwei Straßen gibt es Streit um die Bewertung der Personen und ihre Verstrickung in die NS-Zeit: Albert-Schäfer-Weg und Paul-Stritter-Weg (Alsterdorf). Paul Stritter war bis 1930 Direktor der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA) und sie widersprach der Einschätzung der Kommission. Die ESA hatte eigene Forschungen in Auftrag gegeben, die zu einem anderen Ergebnis kamen, was eine NS-Verstrickung Stritters betrifft.
Vor etwas mehr als einem Jahr wurde auch die Hindenburgstraße in Alstertal endlich umbenannt. Das ging aber nicht auf eine Empfehlung der Kommission zurück, sie hatte Hindenburg gar nicht auf dem Zettel. Der Anstoß kam von der Bezirksversammlung in Nord.
Andere Städte haben den Hindenburg schon vor Jahrzehnten aus ihren Straßen und Gebäude-Bezeichnungen getilgt, Hamburg hat da deutlich länger gebraucht. Paul von Hindenburg trug als Reichspräsident zur Destabilisierung der Weimarer Republik bei und ernannte Adolf Hitler zum Reichskanzler.