Trotz heftiger Kritik: Umstrittene DJ spielt in Hamburg

Hamburg

Proteste gegen palästinensische DJ beim Habitat-Festival – Auftritt zur besten Zeit

Auch am Eingang zum Band-Bereich klebten die Protestler die Flyer und Briefe an.
privat

Trotz massiver Kritik hielt das Habitat-Festival am Auftritt der palästinensischen DJ Sama' Abdulhadi fest. Aktivisten protestierten mit Plakaten und Flugblättern.

Trotz wochenlanger Kritik hat die palästinensische DJ Sama' Abdulhadi in der Nacht zu Sonntag beim Habitat-Festival in Wilhelmsburg aufgelegt. Ausgerechnet einen der prominentesten Zeitslots hatte das Festival für ihren Auftritt vorgesehen. Begleitet wurde dieser von Protestaktionen rund um das Festivalgelände.

Nach Angaben der Initiatoren wurden entlang der Anreisewege sowie an Bahnhöfen und Bushaltestellen mehr als 180 Informationstexte angebracht. Zudem verteilten Aktivisten nach eigenen Angaben tausende Flugblätter und brachten Spruchbanner, Plakate und Sticker an. Die Proteste richteten sich gegen die Einladung Abdulhadis und erinnerten zugleich an den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, darunter das Massaker auf dem Nova-Musikfestival.

Habitat-Festival: Protest gegen Auftritt von palästinensischer DJ

Anzeige

Die Einladung der DJ, die im Westjordanland aufgewachsen ist, hatte bereits im Vorfeld bundesweit Kritik ausgelöst. Hintergrund sind öffentliche Äußerungen und Social-Media-Beiträge Abdulhadis nach dem Hamas-Terrorangriff. Kritiker werfen ihr vor, den Terror gegen Israel relativiert beziehungsweise gerechtfertigt zu haben. Unter anderem hatte Hamburgs Antisemitismusbeauftragte die Einladung scharf kritisiert. Das Habitat-Festival hielt dennoch an seinem Programm fest.

Fußgängerbrücke mit blauer und gelber Graffiti-Schrift und beschmierten Brüstungen.
Auf den Gehwegen rund um das Festivalgelände wurde an die Anschläge vom 7. Oktober 2023 erinnert.
privat

Die Organisatoren der Protestaktion werfen dem Festival vor, die Kritik herunterzuspielen und stattdessen Kommentare in sozialen Netzwerken zu deaktivieren sowie Protestmaterial zu entfernen. Mit ihren Aktionen wollten sie erreichen, dass die Debatte um den Auftritt sichtbar bleibt.

Anzeige

Die WochenMOPO 29/2026

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

• Vor Hamburgs Toren: Stade zwischen Idylle und Gewalt

• Lieblingsplätze: Die schönsten Sonnengärten in der City

• 16 Seiten Sport: Die Highlights und Flops der WM

• Jede Woche mit 40 Seiten Rätsel und Kultur: Kino unter freiem Himmel

Auch aus der Hamburger Politik kamen vor dem Auftritt deutliche Worte: „Antisemitismus ist keine legitime Meinung, sondern eine menschenfeindliche Ideologie. Und er ist auch nicht durch die Kunstfreiheit gedeckt. Wer das Hamas-Massaker relativiert oder als Teil eines angeblichen Widerstands verklärt, überschreitet eine rote Linie“, sagte zum Beispiel Dennis Thering von der CDU.

Das Habitat-Festival hatte die Kritik bereits im Vorfeld zurückgewiesen. Man distanziere sich von Antisemitismus und jeder Form von Gewalt. Zugleich betonte der Veranstalter, dass die Einladung der Künstlerin keine politische Positionierung des Festivals darstelle. (rei)