„Mache ich lieber selbst“: Erziehungsfehler macht Kinder zu fiesen Menschen

Psychologin: Wenn Kinder mobben, liegt das häufig an einem unbewussten Erziehungsfehler

Stand: 13.10.2026, 22:07 Uhr

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Warum mobben manche Kinder ihre Klassenkameraden? Eine Expertin erklärt, was Eltern falsch machen und was das entscheidende Gegenmittel ist.

Frankfurt – Mobbing unter Kindern und Jugendlichen ist an Schulen und im Internet längst Alltag. Bei einer Studie des Robert Koch Instituts 2022 gaben rund 14 Prozent der 11-, 13- und 15-Jährigen in Deutschland an, von direktem Mobbing an der Schule betroffen zu sein. Rund sieben Prozent berichteten von Cybermobbing. Viele Eltern sind sich gar nicht bewusst, wie sehr ihr eigenes Verhalten das Risiko erhöht, dass ihre eigenen Kinder zu Mobbern werden.

Junges Mädchen entspannt sich auf einer Parkbank und beschäftigt sich mit ihrem Smartphone

Manche gemobbten Kinder mobben andere Kinder, um sich besser zu fühlen. Was Eltern tun können. (Symbolbild) © IMAGO/imagebroker

Etwa wenn sie versäumen, ihren Kindern einen gesunden Umgang mit Frust, Wut und Enttäuschung vorzuleben und beizubringen. „Fehlen Kindern die Mittel, um mit eigener Überforderung umzugehen, wird diese unter Umständen an Gleichaltrigen oder Jüngeren abreagiert“, sagt die Psychologin und Autorin Elisabeth Raffauf der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Von ihr ist vor Kurzem das Kinderbuch „Stark gegen Mobbing“ erschienen. Darin beantwortet eine Achtjährige die Frage: „Warum mobben eigentlich Kinder andere?“ mit „Weil sie selbst Probleme haben und dann die Wut an einer anderen Person einfach rauslassen wollen.“

Mobbing als Selbstbehandlung: „Andere klein machen, um sich selbst groß zu machen“

In manchen Familien gehörten Alltagssätze wie „Lässt du schon wieder deinen Turnbeutel rumliegen, wie vergesslich kann man sein?“ oder hämische Bemerkungen über Noten zum Umgangston. „Das sind Sachen, die ein Kind als sehr herabwürdigend empfindet“, betont Raffauf. „Auch wenn Eltern die Augen verdrehen, mit Schweigen strafen oder als Partner respektlos miteinander umgehen, prägt das die Kinder nachhaltig.“ Aus einem Mangel an emotionaler Regulation und Beachtung entstehe das typische Muster: „Man macht andere klein, um sich selbst groß zu machen“, erklärt die Psychologin bei der Frankfurter Rundschau.

Kinder, die sich selbst unzureichend geliebt oder herabgewürdigt fühlen, versuchen so, ihr eigenes Selbstwertgefühl aufzuwerten. Manchmal hätten die Eltern damit gar nichts zu tun. „Tragisch ist der Teufelskreis, wenn gemobbte Kinder selbst die Seiten wechseln. Auch hier steckt ein verunglückter Schutzmechanismus dahinter“, sagt Raffauf. „Das ist im psychologischen Sinne eine Selbstbehandlung. Das Kind hofft unbewusst, die selbst erfahrene Veletzung zu heilen, indem es die Seiten wechselt“, sagt sie.

„Perspektivwechsel“: Wie Eltern mit Mobbing umgehen können

Ein Mädchen habe der Psychologin aus Köln gestanden, dass sie selbst so klein gemacht worden sei, dass sie sich geschworen habe: „Das passiert mir nie mehr. Dann mache ich das lieber selbst.“ Verstärkt wird dieses Gefühl durch die digitale Welt, in der es nicht einmal mehr Blickkontakt braucht, um andere zu erniedrigen. „Im Netz wird das Mitgefühl ausgeschaltet. Social-Media- und TV-Formate, die öffentliches Herabwürdigen als cool darstellen, senken die Hemmschwelle zusätzlich“, sagt Raffauf der Frankfurter Rundschau. Doch was können Eltern tun, um Mobbing zu stoppen oder zu verhindern?

„Das Beste, was Eltern machen können, ist Selbstreflexion“, sagt Raffauf. Sie sollten hinterfragen, woher die eigene Wut kommt und wie sie im Alltag mit Konflikten umgehen. „Gleichzeitig müssen Eltern klare Grenzen aufzeigen, wenn Kinder grenzüberschreitend werden“, sagt sie. „Manchmal braucht es auch ein: ‚Wir können über alles reden, aber nicht so!‘“ Das entscheidende Gegenmittel bleibe erlerntes Mitgefühl: „Eltern sollten mit ihren Kindern gezielt den Perspektivwechsel üben.“ (Quellen: eigene Recherche)