Rechtspopulist Farage zurück im britischen Parlament – „Mr. Brexit“ ist wieder da

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Der britische Rechtspopulist Nigel Farage kehrt als Abgeordneter ins britische Unterhaus zurück. Der Chef der Partei Reform UK gewann eine von ihm ausgelöste Nachwahl im Wahlkreis Clacton (Großbritannien) mit 22.239 Stimmen. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt ausgerechnet Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“). Er kam auf 9455 Stimmen.

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Der Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK legt sein Mandat nieder. (Archivbild)

Farage hatte sich bereits vor der Verkündung des Ergebnisses zum Sieger erklärt. Der offiziellen Veranstaltung zur Verkündung des Ergebnisses der Wahl für einen Sitz im britischen Parlament wollte er aus Sicherheitsgründen fernbleiben, sagte Farage bei einem Parteievent in Clacton vor seinen Anhängern. Farage zufolge habe ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn informiert. Ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer „glaubwürdigen Drohung“.

Großbritannien: Nigel Farage siegt in Nachwahl gegen „Graf Mülltonnengesicht“

Er habe mehr Stimmen erhalten als bei der letzten Wahl in dem Bezirk bei den Parlamentswahlen im Jahr 2024, sagte der Chef der Partei Reform UK und sprach von einem „überzeugenden, überwältigenden Sieg“. Im Jahr 2024 erhielt Farage 46,2 Prozent der Stimmen und zog damit als Abgeordneter ins britische Unterhaus ein. 

Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab der auch als „Mr. Brexit“ bekannte Politiker seinen Parlamentssitz in einem politischen Stunt ab. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten.

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Farage-Wahlkampf wurde zur Farce: Große Parteien verzichteten aus Protest auf Kandidatur

Wie der „Guardian“ zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt.

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Farage hatte die Nachwahl als Duell zwischen den Wählern und dem politischen Establishment zu inszenieren versucht. Entwickelt hatte sich der Wahlkampf jedoch zu einer regelrechten Farce. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, und warfen ihm ein Ablenkungsmanöver vor. Die Nachrichtenagentur PA sprach im Vorfeld von «einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte».

Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus – und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun jedoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben.

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Ein Ritter mit Mülleimer-Helm als größter Gegner

Trotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt als Hauptkonkurrent ausgerechnet der Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey .Count Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm.

Britische Medien munkelten zuletzt, ob der in Großbritannien bekannte Komiker nicht doch für eine Überraschung sorgen könnte – denn Proteststimmen gegen Farages Manöver galten als möglich. Eine Umfrage im Kreis Clacton prophezeite jedoch bereits den deutlichen Sieg von Farage.

Quatschkandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als der frühere Premier Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger unter anderem noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo und ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) gemeinsam auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten.

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Farage als nächster Premierminister?

Taktische Abgänge haben bei Farage praktisch Tradition. Kurz nach dem Brexit-Referendum 2016 trat Farage als Chef der Ukip-Partei ab – nur um später an der Spitze der neu gegründeten Brexit-Partei wieder ins Rampenlicht zurückzukehren. Die Partei wurde später in Reform UK umbenannt. Auch deren Vorsitz legte Farage nach dem EU-Austritt im Frühjahr 2021 nieder. Kurz vor der Parlamentswahl im Juli 2024 kehrte er dann an die Parteispitze zurück.

Reform UK lag in den vergangenen Monaten in Umfragen teils deutlich vorn und fuhr auch bei Wahlen Siege ein. Der Erfolg der Partei wird vor allem Farage persönlich zugeschrieben. Bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai gewannen die Rechtspopulisten Hunderte Mandate in weiten Teilen des Landes und stürzten so die Labour-Partei und Ex-Premier Keir Starmer in die Krise.

Nach der Ernennung von Andy Burnham zum neuen Premierminister hofft Labour deshalb auf einen Umschwung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich das Stimmungsbild zumindest ein wenig gebessert haben dürfte: Teils liegt die Partei wieder vor Reform UK. Wie lange Burnhams Flitterwochen, wie es in britischen Medien oft heißt, anhalten, bleibt im politisch oft wechselhaften Großbritannien allerdings abzuwarten. 

Die nächste reguläre Parlamentswahl im Vereinigten Königreich ist spätestens für 2029 angesetzt. Farage und seine Partei fordern seit dem Rücktritt von Ex-Premier Starmer immer wieder Neuwahlen.

afp/dpa/viv