Fleischpreise als Wahlkampfwaffe: Brasilien vor historisch engem Duell – Bolsonaro-Sohn im Supermarkt

Rechtsruck in Brasilien? Flávio Bolsonaro greift Lulas Macht an

Stand: 30.09.2026, 22:30 Uhr

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Gegenüberstellung der Kontrahenten: Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva und Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro im Wahlkampf.

Gegenüberstellung der Kontrahenten: Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva und Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro im Wahlkampf. © Miguel Schincariol / AFP

Korruption, Milizen und Supermarkt-Bühnen: In Brasilien fordert Bolsonaro den linken Amtsinhaber Lula heraus. Der Wahlkampf ist erbittert.

Am Sonntag entscheidet Brasilien über seine politische Zukunft: Der linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva trifft auf Flávio Bolsonaro, den Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten. Wirtschaftskrise, Justizstreit und Skandale treiben die Polarisierung auf die Spitze.

Wahlkampf im Supermarkt – Fleischpreise und Schuldenberg

Am Sonntag wählt Brasilien einen neuen Präsidenten. Der linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva tritt gegen Senator Flávio Bolsonaro an, den Sohn des inhaftierten rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Aktuelle Umfragen deuten auf ein sehr enges Wahlergebnis hin (mehr zum Duell: Lula gegen Bolsonaro: Diesmal tritt der Sohn an).

Obwohl die brasilianische Wirtschaft wächst und die Erwerbslosigkeit bei niedrigen 5,3 Prozent liegt, profitieren viele Bürger finanziell kaum davon. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) sind 82 Prozent der brasilianischen Familien verschuldet – ein Rekordwert. Hohe Lebenshaltungskosten und teure Kredite belasten die Haushaltsbudgets massiv.

Die Regierung Lula verbot daraufhin kürzlich Onlinewetten, um private Vermögen zu schützen. Gleichzeitig nutzten die Kandidaten Supermärkte als politische Bühne. Flávio Bolsonaro attackierte die Regierung mit Videos aus den Gängen: Darin hält er Picanha-Rindfleisch in die Kamera und erinnerte an Lulas nicht eingelöstes Versprechen von 2022, Fleisch für alle erschwinglich zu machen (siehe auch: Flávio Bolsonaro kandidiert im Schatten seines Vaters).

Familiäre Skandale

Neben der Wirtschaft prägt die Vergangenheit der Bolsonaro-Familie die Debatte. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) zitierte die Enthüllungsjournalistin Juliana Dal Piva: „Die Bolsonaros haben eine kriminelle Organisation gegründet.“ Vater und Söhne sollen über Jahre hinweg öffentliche Gehälter für teils fiktive Mitarbeiter zweckentfremdet und einbehalten haben.

Zudem beleuchtete die SZ Flávio Bolsonaros Verbindungen zu rechtsextremen Milizen. Als Abgeordneter verlieh er einem wegen Mordes verdächtigen Milizionär laut dem Bericht im Gefängnis eine Medaille. Parallel ermitteln Behörden in einem Korruptionsfall um den in Ungnade gefallenen Bankier Daniel Vorcaro (Hintergrund: Banco-Master-Skandal erschüttert Justiz und Politik). Flávio soll von diesem Geld für die Produktion eines Films über seinen Vater erhalten haben.

Hintergründe

Der künftige Präsident Brasiliens bestimmt bis zu vier der elf Richter am Obersten Gerichtshof. Flávio Bolsonaro forderte bereits die Entlassung von Richter Alexandre de Moraes, der den Prozess gegen Jair Bolsonaro leitete.

Laut SZ könnte Flávio seinen Vater im Falle eines Sieges begnadigen. Jair Bolsonaro verbüßt derzeit eine Haftstrafe von über 27 Jahren wegen seiner Beteiligung an den Putschplänen vom Januar 2023 (Details: Haftstrafe für Putschist Jair Bolsonaro).

ThemenfeldLuiz Inácio Lula da SilvaFlávio Bolsonaro
Wirtschaft & SozialesAusbau von Sozialprogrammen wie „Bolsa Família“, Verbot von OnlinewettenKürzung der Staatsausgaben um 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
Justiz & GerichtshofStärkung des Obersten Gerichtshofs, Verteidigung rechtsstaatlicher UrteileEntlassung von Richter Alexandre de Moraes, mögliche Begnadigung von Jair Bolsonaro
AußenpolitikTrotz US-Zöllen Distanz zu WashingtonAusrichtung an den USA unter Donald Trump
Klima & UmweltAbholzung im Amazonas auf Zehn-Jahres-Tief gesenktZusage zum Stopp illegaler Abholzung bis 2029 (durch Nähe zur Agrarlobby angezweifelt)

Reaktionen und internationale Spannungen

Auch bürgerliche Wähler positionierten sich aufgrund der gesellschaftlichen Spaltung radikaler. Die SZ zitierte eine Reiterhof-Betreiberin stellvertretend: „Ich muss Flávio nicht mögen. Aber wenn er der Einzige ist, der eine Chance hat, die Arbeiterpartei abzulösen, dann werde ich ihn unterstützen.“

International ist die Lage ähnlich angespannt: Der argentinische Präsident Javier Milei bezeichnete den brasilianischen Amtsinhaber bei einem Besuch kürzlich als „Verbrecher“ (mehr dazu: Javier Milei beschimpft Lula und sorgt für Aufsehen).

Ausblick

Am Sonntag findet die erste Wahlrunde statt. Wegen der knappen Umfragewerte rechnen Beobachter mit einer Stichwahl Ende Oktober. Der Wahlkampf wird in dieser Zeit voraussichtlich mit unverminderter Härte fortgeführt. (Quellen: F.A.Z., SZ, AFP) (frs)