Gelungenes Debüt für Klopp? Deutschland zeigt gegen Niederlande gute Ansätze

Remis zum Auftakt: Kann Klopp mit dem Auftritt des DFB-Teams zufrieden sein?

Stand: 24.09.2026, 23:41 Uhr

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Erst viel Glück, aber dann kommt doch noch Pech hinzu. Die Rhetorik von Bundestrainer Klopp und der kämpferische Auftritt des DFB-Teams passen übereinander. Das ist eine Basis für mehr.

Amsterdam – Als sich seine Spieler aufwärmten, trottete Jürgen Klopp einsam durch den Mittelkreis der beeindruckenden Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam, die Hände hinter dem Rücken gefaltet, und sah verdächtig gedankenversunken aus wie dereinst Franz Beckenbauer nach dem WM-Titel 1990. Aber ganz soweit ist es natürlich noch nicht. Ein Anfang ist jedoch gemacht beim Bundestrainer-Klopp-Debüt.

24.09.2026, Niederlande, Amsterdam: Fußball, Männer: Nations League A, Niederlande - Deutschland, Gruppenphase, Gruppe 2, Spieltag 1, Johan Cruyff ArenA, Yannik Engelhardt (2.v.l, Deutschland) und Serge Gnabry (2.v.r, Deutschland) werden von Bundestrainer Jürgen Klopp (l, Deutschland) eingewechselt. Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Da nimmt das Unheil seinen Lauf: Klopp wechselt neben Yannik Engelhardt (Mitte) Serge Gnabry ein. © Federico Gambarini/dpa

Dabei half ein generöser Schiedsrichter mit. Denn dass der vermeintliche Führungstreffer der Niederländer nach VAR-Eingriff zurückgenommen wurde, glich einem Treppenwitz in der an Treppenwitzen reichen Kurzgeschichte der Videoassistenz. Und dass Deutschland bald darauf 1:0 führen durfte, hatte auch damit zu tun, dass Kimmich das generöse Angebot des Unparteiischen dankend annahm, der das Spiel trotz eines mit einem Oberschenkelfaserriss an der Mittellinie zusammengebrochenen Mittelstürmers Brian Brobbey laufen ließ.

Klopp als Menschenfänger: Bundestrainer sorgt für Popularität für DFB-Team

Obendrauf kam später das vorzeitige Abpfeifen einer unübersichtlichen Strafraumsituation zugunsten der Gäste. Als der Ball im deutschen Tor einschlug, war das Spiel sonderbarerweise bereits unterbrochen worden. Wieder Glück für Klopp. Auch wenn zum Ende das Pech hinzukam, erst in der Nachspielzeit nach einem bösen Patzer des eingewechselten Serge Gnabry den (allerdings hochverdienten) Ausgleich kassiert zu haben.   

Die deutsche Mannschaft zeigte sich, wie von Klopp verlangt, in der zeitweisen Abwehrschlacht wehrhaft, aber das beschriebene dreifache Glück war mindestens genauso wichtig wie die vielen mit Inbrunst geführten Zweikämpfe. Bedenklich: Die Unsicherheit, die Torwart André ter Stegen trotz einiger Glanzparaden zuverlässig unzuverlässig verbreitete, sieht verdächtig nach einer Baustelle aus, deren Schlund gefährlich weit offensteht.       

Jürgen Klopp hat das Land angesteckt mit seiner Rhetorik, Lässigkeit und dem coolen Käppi. Zumindest ist ihm das mit seinem eindringlichen politischen Statement bei demjenigen noch immer mehrheitlichen Teil der Bevölkerung gelungen, der nicht rechtsaußen unterwegs ist.

Wenn jemand aus dieser Haltung heraus Menschen wieder einfangen kann, dann wohl Jürgen Klopp, dessen Beliebtheitswerte nach dem Red-Bull-Dauertief wieder spürbar steigen. Glatt könnte man meinen: Es findet eine gewisse Überhöhung statt. Als die deutsche Mannschaft vorgestellt wurde, gab es den größten Beifall, auch vom Heimpublikum, als His Highness Klopp auf den beiden Videoscreens erschien.  

Hinzu kommt: Mit seiner wiederholten Medienschelte hat er schlauerweise noch Menschen auf seine Seite gezogen, die uns Journalisten ohnehin mit zunehmender Abscheu begegnen. Da bedient Klopp geschickt Instinkte – und macht sich noch populärer. Niemand sollte glauben, dahinter stecke kein Plan. 

Große Vorschusslorbeeren: Kann Klopp die Erwartungen erfüllen?

Im eigenen Freundeskreis, in dem selbst uns schlichten Fußballreportern zunehmende Skepsis für vermeintlichen Meinungspopulismus entgegengebracht wird, begegneten einem vor der aufregenden Partie in Amsterdam plötzlich wieder Leute, die sich tatsächlich auf ein Länderspiel freuten. Die sich von dem Menschenfänger Klopp begeistern lassen wollen.

Der sagte vor der Partie gegen die Niederlande, die viel hielt, was sie versprochen hatte: „Wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir es als richtiges Derby annehmen.“ Als Nachbarlandsduell in hitziger Atmosphäre. Ein kämpferisches Spiel, das wusste Klopp vorher, würde seine optimistische Rhetorik verstärken. Weil es wenig bringt, wenn ein Fußballtrainer wie ein Messias inszeniert wird, aber seine Mannschaft weitgehend wehrlos verliert. Das würde dann nicht mehr übereinander passen.

Klopp, der Seher, sollte seine Erwartungen erfüllt bekommen. Es wurde hitzig, es wurde kämpferisch, es wurde hochspannend. Einmal, als die beiden Deutschen Kevin Schade und Nadiem Amiri in der Nähe der gegnerischen Eckfahne gemeinsam einen Ball gewannen, feierte Klopp die Szene mit erhobenen Armen, die Hände zu Fäusten, das Gesicht zur Fratze,  wie ein Tor. Da wurde deutlich, dass die Verteidigungshaltung das war, was er vor allem sehen wollte. Als Basis für alles, was danach noch kommen kann. 

In Deutschland werden neue Bundestrainer traditionell mit offenen Armen empfangen. So war es bei Völler (2000), Klinsmann (2004), Löw (2006), Flick (2021) und Nagelsmann (2023). Aber dieser Vertrauensvorschuss, der bei Klopp noch größer ist als bei seinen Vorgängern, kann sich in diesen Zeiten der Getriebenheit viel schneller aufbrauchen.

Flick und Nagelsmann haben das heftig zu spüren bekommen. Die sozialen Netzwerke kennen noch mehr als die traditionellen Medien weniger Grautöne. Die Welle, auf der man sich gerade noch ganz oben wähnte, kann unvorhersehbar über einem zusammenbrechen und ihn verschlucken.

Für Flick und Nagelsmann, die sicher beide gute Fußballlehrer auf völlig unterschiedliche Art und Weise sind, war der Bundestrainerposten ein, zwei Nummern zu groß. Sie waren dem Amt nicht gewachsen und sind zum Schluss fast bemitleidenswert gescheitert. Selbst der mit allen Wassern gewaschene Klopp hat den immensen Druck, den diese Aufgabe mitbringt, bei seiner Vorstellungspressekonferenz gespürt. Er brauchte ein paar Wochen, um die Lockerheit wiederzufinden, die ihn bei seinen öffentlichen Auftritten bärenstark macht.

Diese Zeit und noch viel mehr muss man auch der Nationalmannschaft einräumen. Klopp hat mehrfach ausdrücklich und nachvollziehbar darauf hingewiesen und außerdem bemerkt, dass ein guter Start hilfreich wäre. Der, das kann hiermit trotz des aus deutscher Sicht ärgerlichen Endes getrost behauptet werden, ist gelungen. Das ist in dieser Form gegen einen Topgegner umso bemerkenswerter, als dabei sogar Verletzungen von Jamal Musiala und Kai Havertz kompensiert werden konnten.

Typisch Klopp: Hinterher gab es niemanden im deutschen Aufgebot, der nicht von ihm umarmt wurde. Besonders lange der unglückliche Gnabry. Gestrenge Worte wird er im Nachgang bei der Videoanalyse sicher noch bekommen. Und wahrscheinlich ist es sogar besser so, 1:1-Unentschieden statt sogleich ein Sieg: Die Heldenverehrung für Jürgen Klopp wird nicht zu ungestüm.