Richtig versichert: Welche Policen Sie wirklich brauchen

Nicht jedes Kleinrisiko absichern, aber den finanziellen Grossbrand nie unterschätzen – so spart man bei Versicherungen.

06.08.2026, 12:42

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Zu viel, zu wenig oder am falschen Ort versichert? Im Versicherungsdickicht verliert man schnell den Überblick. Einige bezahlen für Policen, ohne dass sie diese benötigen. Andere riskieren Finanzkatastrophen, weil sie zu knapp abgedeckt sind. Eine Faustregel hilft beim Entscheid, welche Versicherung Sinn ergibt.

Vermeiden, vermindern, selbst tragen, versichern

Bevor Sie eine Versicherung abschliessen, sollten Sie sich vier Fragen stellen: Kann ich das Risiko vermeiden? Kann ich es vermindern? Kann ich einen Schaden selbst bezahlen? Oder brauche ich eine Versicherung?

Beispiel: Wer teuren Schmuck nicht an den Strand mitnimmt, vermeidet das Risiko eines Verlusts. Rauchmelder, Veloschlösser oder ein Skihelm helfen, Risiken zu vermindern.

Die vier Risikomanagement-Prinzipien

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  • Vermeiden: Der erste Schritt ist der einfachste: Das Risiko komplett umgehen, indem man die gefährliche Handlung oder Situation gar nicht erst eingeht.
  • Vermindern: Wenn ein Risiko nicht vermieden werden kann, lässt es sich oft verkleinern - durch einfache Massnahmen, die einen Schaden verhindern oder zumindest begrenzen können. Die Wahrscheinlichkeit oder die Auswirkung eines Schadens werden verringert.
  • Selber tragen: Nicht jedes Ärgernis braucht eine Versicherung. Die entscheidende Überlegung ist: Kleine Schäden, die mich nicht in finanzielle Not bringen, kann ich eigentlich selber tragen. Wer Bagatellschäden aus dem eigenen Sack zahlen kann, braucht dafür keine Versicherung und spart Geld.
  • Versichern: Erst wenn ein Schaden einen finanziell aus der Bahn werfen würde, ist eine Versicherung wirklich sinnvoll. Das Risiko wird gegen eine Prämie an einen externen Versicherer abgeben (Risikoüberwälzung oder Risikotransfer).

Die Faustregel: Versichern Sie nicht den verlorenen Fünfliber, sondern den finanziellen Grossbrand. Alles andere lohnt sich, nüchtern durchzurechnen.

Privathaftpflicht: Nicht knausern

Die Privathaftpflicht ist Ihre wichtigste Versicherung. Sie bezahlt Schäden, die Sie anderen versehentlich zufügen. Aus einem kleinen Missgeschick können hohe Folgekosten entstehen, besonders bei Personenschäden.

Bei der Deckungssumme sollte man nicht sparen. Sparpotenzial liegt eher bei unnötigen Zusatzdeckungen. Wer keine Drohne fliegt, keine fremden Autos fährt oder keine Haustiere hat, braucht die entsprechenden Bausteine nicht.

Privathaftpflicht vs. Rechtsschutzversicherung

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Privathaftpflicht- und Rechtsschutzversicherung werden oft verwechselt, sind aber im Kern verschieden.

  • Die Privathaftpflicht bietet passiven Rechtsschutz: Sie wehrt überhöhte Forderungen ab, die gegen einen gestellt werden.
  • Eine Rechtsschutzversicherung hingegen ermöglicht auch aktives Vorgehen – also wenn man selbst jemanden belangen möchte und dafür einen Anwalt braucht.

Achten Sie zudem auf Doppelversicherungen. Zum Beispiel Paare, die zusammenziehen und bereits je eine Haftpflichtversicherung besitzen.

Hausrat: oft unterschätzt

Eine einfache Frage hilft: Könnten Sie Ihren gesamten Haushalt morgen neu kaufen? Möbel, Kleider, Computer, Geschirr und Co. ergeben schnell mehrere Zehntausend Franken.

Haushalte sind oft nicht über-, sondern unterversichert. Wer zu tief einschätzt, einen Schaden nur anteilsmässig ersetzt. Machen Sie eine realistische Bestandesaufnahme!

Achtung Unterversicherung!

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Häufiger als Überversicherung ist beim Hausrat die Unterversicherung. Beispiel: Wer glaubt, seinen Hausrat auf 30'000 Franken zu schätzen, hat in Wirklichkeit oft Gegenstände im Wert von 100'000 Franken.

Die Konsequenz: Bei einem Schaden von 10'000 Franken zahlt die Versicherung nur 3000 Franken – proportional zur Unterversicherung.

Es lohnt sich also, die Wohnung einmal sorgfältig durchzugehen und den tatsächlichen Wert realistisch einzuschätzen. Dies sollte man alle paar Jahre wiederholen.

Zusätze (Handy, Ski, Velo etc.) sind oft unnötig. Vieles ist über die Hausratversicherung gedeckt. Zusätzliche Policen lohnen sich nur bei besonders teuren Geräten.

Ähnlich die Garantieverlängerung: Oft deckt man Risiken ab, die man problemlos selbst tragen könnte. Fragen Sie: Wäre ein Defekt tatsächlich ein finanzielles Problem?

Fahrzeuge: Nur Haftpflicht ist obligatorisch

Bei Kasko- und Zusatzversicherungen gibt es keine Patentlösung. Die Faustregel «nur 5 Jahre Vollkasko» ist überholt. Reparaturen sind heute teurer (Sensoren, Elektronik). Können Sie sich einen Totalschaden oder eine teure Reparatur nicht leisten, lohnt sich weiter Vollkasko.

Überflüssig ist die Insassenversicherung: Mitfahrende aus der Schweiz sind bereits über Arbeitgeber bzw. Krankenkasse versichert.

Bonus-Schutz ja oder nein?

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Wer lange unfallfrei fährt, profitiert von einem tieferen Prämiensatz. Diesen Bonus kann man schützen lassen – das lohnt sich aber vor allem dann, wenn man bereits einen sehr tiefen Prämiensatz erreicht hat und diesen nicht riskieren möchte.

Beim Schutz gegen grobe Fahrlässigkeit gilt die wichtigste Massnahme überhaupt: Risiken vermeiden! Wer nüchtern, ausgeruht und verhältnismässig fährt, reduziert das Risiko und braucht diesen Zusatz nicht.

Freizeit & Reisen: Wahre Gefahren absichern

Versichern Sie nicht verlorene Koffer, kaputte Sonnenbrillen, oder verpasste Flüge, sondern denken Sie an Risiken, die ins Geld gehen: Spital im Ausland, Rücktransport oder Haftpflichtfälle kosten schnell Zehntausende Franken.

Bei Automiete: Prüfen Sie Haftpflichtdeckung und Selbstbehalt. Wer diesen bis ca. 1000–2000 Franken selbst tragen kann, braucht nicht jede Zusatzversicherung.

Mietwagen: ruhig Blut am Schalter bewahren

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An Mietwagenschalter wird man oft mit einem ganzen Strauss an Versicherungsangeboten konfrontiert.

Zwei Punkte sind zentral:

  1. Haftpflichtdeckung: Gerade in Ländern wie den USA können Schadensforderungen enorm hoch ausfallen. Empfohlen wird eine Mindestdeckung von einer Million Franken – in den USA eher noch mehr.
  2. Schäden am Mietwagen: Übliche Kaskobausteine wie CDW (Kollisionsschutz) und LDW (Diebstahlschutz) decken oft nicht alles ab – häufig bleibt ein Selbstbehalt von 2000 Franken oder mehr. Wer diesen Betrag problemlos selbst zahlen kann, muss ihn nicht am Schalter extra versichern. Wem das zu hoch ist, ist mit der Zusatzversicherung besser beraten.

Aber: Wer beim Rückgabe-Check-in keine Zeit oder Lust für Diskussionen hat, leistet sich besser ein Rundum-Paket.

Vorsicht bei Versicherungen über Kreditkarte: Die Leistungen unterscheiden sich stark und sind an Bedingungen geknüpft. Kreditkarten sind kein Rundum-sorglos-Paket!

Radio SRF 1, Ratgeber, 3.8.2026, 11:10 Uhr