Ringen um Ende des Ukraine-Kriegs: Putin äußert sich und macht Donbass-Ansage – „Historisches Russland“
Stand: 23.10.2026, 21:14 Uhr
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Kremlchef Putin zeigt sich offen für Dreier-Gespräche mit den USA und der Ukraine, lehnt eine Waffenruhe jedoch ab und pocht auf den Donbass.
Moskau – Steht der Ukraine-Krieg vor dem Ende? Zumindest hat sich Kremlchef Wladimir Putin jetzt bereit erklärt, die Verhandlungen mit den USA und der Ukraine wieder aufzunehmen. Doch es gibt einen Haken: Denn noch einmal bekräftigte er seinen unnachgiebigen Anspruch auf den Donbass und erteilte einer vorübergehenden Waffenruhe erneut eine Absage. Das geht aus einem Interview mit dem Staatsfernseh-Korrespondenten Pawel Sarubin hervor, das Putin gab und dessen Transkript der Kreml veröffentlichte.

„Wir haben vereinbart, dass wir bereit sind, unsere dreiseitigen Kontakte wieder aufzunehmen“, sagte Putin laut Medienberichten. Inhaltlich soll es nach Putins Darstellung um die langfristige Sicherheit gehen: „Das Ziel dieser Verhandlungen wird sein, die Sicherheit der Ukraine und Russlands nach dem Erreichen von Friedensabkommen zu gewährleisten – in ihrer endgültigen Form, nicht als Ergebnis einer vorübergehenden Waffenruhe für einen kurzen Zeitraum.“
Verhandlungen im Ukraine-Krieg im November in Aussicht
Eine Feuerpause ohne Gesamtlösung lehnte der Kremlchef damit weiterhin kategorisch ab. Zuvor hatte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow nach einem Treffen zwischen Putin und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in St. Petersburg neue Dreier-Verhandlungen zwischen Moskau, Kiew und Washington für November in Aussicht gestellt.
Witkoff, der von Donald Trump als zentraler Sondergesandter und Chefunterhändler eingesetzt wurde, betonte nach den Gesprächen, dass auch über „die Architektur der europäischen Sicherheit als Ganzes“ gesprochen werden müsse. Das sieht Putin genauso.
Meine Haltung zu dieser Angelegenheit ist erst mal, dass das nicht ihr Gebiet ist, sondern Gebiet des historischen Russlands.
„Gebiet des historischen Russlands“: Putin beharrt auf Donbass
Beim Thema Territorium bleibt Moskau bei seinen bekannten Maximalforderungen. Putin erklärte wörtlich: „Meine Haltung zu dieser Angelegenheit ist erst mal, dass das nicht ihr Gebiet ist, sondern Gebiet des historischen Russlands.“ Er verwies darauf, die Bewohner hätten in Referenden für den Anschluss an Russland gestimmt. Diese Abstimmungen fanden sieben Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs in besetzten Gebieten statt und wurden von den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft als völkerrechtswidrige Scheinreferenden verurteilt.
Moskau verlangt den vollständigen Abzug der ukrainischen Truppen aus dem gesamten Donbass (Donezk und Luhansk). Die Führung in Kiew lehnt es strikt ab, eigenes Staatsgebiet aufzugeben. Im Interview behauptete Putin ferner, alle Kriegsziele würden erreicht, und warf europäischen Staaten eine Kampagne gegen Russland vor. Für seine Behauptung, rund eine halbe Million Menschen hätten die ukrainische Armee verlassen, nannte er keinerlei Belege.
Chronologie: Die bisherigen Stationen der Ukraine-Gespräche
Die angekündigten Dreier-Gespräche reihen sich in eine Serie diplomatischer Vorstöße ein:
- Frühjahr 2022 (Istanbul): Erste direkte Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau kurz nach Beginn der russischen Invasion, die nach Bekanntwerden der Kriegsverbrechen in Butscha scheiterten.
- November 2025 (Genf): Europäische Notfall-Beratungen mit US-Außenminister Marco Rubio und Sondergesandtem Steve Witkoff über US-Friedensentwürfe.
- Dezember 2025 (Berlin): Konsultationen europäischer Staaten mit Washington und Kiew über künftige Sicherheitsgarantien.
- Februar 2026 (Genf): Zweitägige Verhandlungsrunde zwischen Vertretern Kiews, Moskaus und der USA, die wegen unnachgiebiger russischer Gebietsforderungen ohne Annäherung endete.
- Aktuell (St. Petersburg / Oslo): Sondierungsgespräche durch US-Gesandten Steve Witkoff mit Selenskyj und Putin als Vorbereitung für das geplante Treffen Mitte November.
Reaktionen aus Kiew
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, Kiew sei grundsätzlich zu Gesprächen bereit und unterstütze Initiativen für eine Waffenruhe. Zugleich kritisierte er die Verzögerungen westlicher Partner bei Waffenlieferungen: Russland nutze die schleppende Bereitstellung von Luftverteidigungssystemen für schwere Angriffe aus. Zuletzt hatte Russland Kiew mit zahlreichen ballistischen Raketen attackiert, wobei mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden. (Quellen: Kreml-Protokoll, Reuters, dpa, eigene Recherche) (cs)