Russland fürchtet Ukraine-Drohnen: Flottentag ohne Flotte – Putin lässt Banner mit Schiffsfotos aufstellen
Stand: 29.07.2026, 08:16 Uhr
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Putin sagt den russischen Flottentag erneut ab – offenbar aus Sicherheitsgründen. Das alternative Konzept von Russlands Staatschef erntet Spott.
Nicht nur im Vorjahr, sondern auch zur eigentlich geplanten aktuellen Ausgabe sagt Russlands Regierungschef Wladimir Putin den traditionellen Flottentag in der Ostsee-Metropole St. Petersburg erneut ab. Stattdessen begrüßte Putin die Marinesoldaten vor einem großen Bild eines Kriegsschiffs statt vor einem echten Schiff. In den sozialen Medien sorgte das für Hähme. Üblicherweise nutzt Putin die Veranstaltung, die jeweils jährlich am letzten Sonntag im Juli stattfindet, um die Seemacht der russischen Föderation mit Kriegsschiffen auf der Newa in St. Petersburg, Marineparaden und Flugshows von Militärflugzeugen zu präsentieren.
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Dieser Artikel von John Fitzpatrick und Tony Phillips entstand in Kooperation mit newsweek.com
Doch der Pomp wurde in diesem Jahr gestrichen. Quellen des russischen Verteidigungsministeriums teilten dem St. Petersburger Nachrichtenportal Fontanka mit, dass es keinen Befehl zur Organisation einer Parade gegeben habe. Ein Marinesprecher sagte dem Medium, „es ist nicht der richtige Zeitpunkt“. Der Kreml erklärte, die Veranstaltung im vergangenen Jahr sei aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Zwar wurde dies diesmal nicht offiziell als Grund genannt, doch ukrainische Drohnen hatten bereits Ziele in Russlands zweitgrößter Stadt getroffen, die normalerweise gut durch Luftabwehr geschützt ist.

Die Stadt stand am Freitag (24. Juli) unter Beschuss, als die Ukraine einen weiteren Angriff auf Standorte startete, die mit dem Onlinehändler Wildberries in Verbindung gebracht werden, wodurch dichte Rauchwolken aufstiegen und der kommerzielle Flugverkehr vorübergehend eingestellt wurde. Statt der üblichen Großveranstaltung hielt Putin eine deutlich kleinere Ansprache vor Seeleuten im Admiralitätsgebäude, dem Marinehauptquartier der Stadt. Videoaufnahmen zeigten, wie er vor Marinesoldaten salutierte, die stramm vor dem Bild eines U-Bootes standen – eine Szene, über die pro-ukrainische Nutzer in sozialen Netzwerken herzogen.
Im Netz wird über Putins „Flottentag ohne Flotte“ gespottet
Der ukrainische X-Kanal Military News UA veröffentlichte den Hinweis, in Russland habe „am Flottentag eine Parade stattgefunden, aber ohne die Flotte selbst. Statt echter Schiffe gab es riesige Banner mit deren Fotos.“ Das Nachrichtenportal Nexta zeigte dieselben Aufnahmen auf X und kommentierte: „Putin blamiert sich erneut auf der Weltbühne! Der sogenannte Flottentag wird mit einem auf eine Wand gemalten U-Boot gefeiert.“ In einem weiteren Beitrag fügte Nexta hinzu: „Der Kreml hat das Missgeschick bereits von seinen offiziellen Webseiten entfernt – aber das Internet vergisst nie.“
„Der Kameramann ist jetzt wahrscheinlich in Kolyma“, witzelten Nutzer nach dem Ansehen der Aufnahmen und spielten damit auf den Standort eines berüchtigten Gulag aus Sowjetzeiten an. Das ukrainische Medium United 24 Media schrieb: „Putin hat eine Marineparade ohne Flotte veranstaltet. Stattdessen begnügte er sich mit einem riesigen Druckbild eines U-Bootes.“ Jürgen Nauditt, ein pro-ukrainischer X-Nutzer, der über den Ukraine-Krieg berichtet, kommentierte: „Die Flottentagsparade der Russischen Föderation fand ohne die Flotte statt – ein Umstand, der den tatsächlichen Zustand der russischen Marine deutlich illustriert.“
Reaktionen internationaler Medien und des Kreml
Newsweek hat den Kreml um eine Stellungnahme gebeten. Putin nutzte den Tag dennoch, um die übliche Kreml-Rhetorik über den von ihm begonnenen Krieg in der Ukraine zu wiederholen. Er sagte, die russische Marine spiele eine entscheidende Rolle bei der Erreichung von Moskaus Kriegszielen in der Ukraine und sei ein Schlüsselelement zur Gewährleistung der globalen Sicherheit Russlands.
Zudem erklärte er, Moskau werde seine Interessen auf der Nördlichen Seeroute schützen und die Sicherheit Kaliningrads gegen alle Bedrohungen gewährleisten, womit er auf die Exklave verwies, die als möglicher Brennpunkt bei einem Konflikt zwischen Russland und der NATO gilt. Putin räumte die Kosten des Krieges ein, signalisierte jedoch, dass die hohen Militärausgaben fortgesetzt würden. „Wir sind jetzt gezwungen, viele Ressourcen bereitzustellen – und das ist gerechtfertigt –, um den Erfolg und die Erreichung der Ziele der speziellen Militäroperation zu gewährleisten“, sagte er.
Das Institute for the Study of War (ISW) bewertete am Sonntag (26. Juli) Äußerungen von Admiral Alexander Moissejew – Oberbefehlshaber der russischen Marine – wonach Russland in der Nordflotte Regimente mit unbemannten Systemen aufbauen wolle. Weiter erklärte dass ISW, der Plan ziele „unter anderem darauf ab, russische Schiffe vor verstärkten ukrainischen Angriffen auf russische Marineeinheiten im Schwarzen und im Asowschen Meer zu schützen“.