Ende des Ukraine-Kriegs: Polen-Minister gibt fatale Russland-Prognose ab – und zeigt Putins neue Doppelstrategie

„Russland gehen die Ressourcen aus“: Polens Außenminister gibt Prognose ab – Putin setzt nun auf Doppelstrategie

Stand: 26.10.2026, 20:12 Uhr

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Nach Meinung von Radoslaw Sikorski, Außenminister von Polen, könnten Russland nach dem Winter in der Ukraine die Ressourcen ausgehen. (Collage aus Archivbildern)

Nach Meinung von Radoslaw Sikorski, Außenminister von Polen, könnten Russland nach dem Winter in der Ukraine die Ressourcen ausgehen. (Collage aus Archivbildern) © Alexander Kazakov/dpa//Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Übersteht die Ukraine den Winter, könnten Russland laut Polens Außenminister Sikorski die Ressourcen ausgehen. Er warnt vor Putins Taktik und fordert Generatorenhilfe.

Warschau/Kiew – Sollte die Ukraine die kommenden kalten Monate überstehen, könnten die militärischen und wirtschaftlichen Mittel der Russischen Föderation im kommenden Jahr spürbar zur Neige gehen. Diese Prognose äußerte Polens Außenminister Radosław Sikorski bei einem Auftritt im Norden Polens, wie der Sender TVP World und die Kyiv Post übereinstimmend berichten. Angesichts der festgefahrenen Frontlinie und hoher Verluste auf russischer Seite warnt Sikorski jedoch vor den aktuellen militärischen Schritten von Kremlchef Wladimir Putin.

Sikorski betonte, dass die rund 1200 Kilometer lange Frontlinie in der Ukraine derzeit weitgehend statisch bleibe und die russische Offensive angesichts steigender Opferzahlen ins Stocken geraten sei. „Wenn die Ukraine diesen Winter übersteht – und ich bin optimistisch –, werden Russland im nächsten Jahr die Ressourcen ausgehen“, erklärte der polnische Chefdiplomat.

Putins Doppelstrategie: „General Winter“ und 200.000 neue Soldaten

Nach Einschätzung des polnischen Außenministers stützt sich die aktuelle Kriegsführung Moskaus auf zwei wesentliche Säulen: Zum einen führe Moskau gegenwärtig eine verdeckte Teilmobilmachung durch. Putin hoffe darauf, einen Durchbruch an der Front erzwingen zu können, „wenn er weitere 200.000 Soldaten als Kanonenfutter in die Schlacht wirft“.

Eine Frau nutzt während eines Stromausfalls in Kiew das Licht ihres Smartphones.

Eine Frau nutzt während eines Stromausfalls in Kiew das Licht ihres Smartphones. © Sergei Gapon / AFP

Zum anderen setze der russische Präsident nach traditioneller Militärtaktik auf den Faktor Kälte. „Wie es bei den Russen Tradition ist, setzt er auf ‚General Winter‘, weshalb er Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zerstört“, sagte der Minister.

Aus diesem Grund greifen die russischen Streitkräfte wiederholt gezielt die ukrainische Energie- und Wärmeversorgung an. Zerstörte Heizkraftwerke und Umspannwerke sollen die Zivilbevölkerung zermürben, wie auch Analysen über eine gezielte Zermürbungsstrategie im Winter zeigen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, führten die jüngsten russischen Angriffswellen auf Kraftwerke in mehreren Regionen dazu, dass Hunderttausende Bürger zeitweise ohne Strom und Heizung dastanden.

Dringender Appell für Generatoren und Notstromaggregate

Vor diesem Hintergrund rief Sikorski sowohl die europäische Gemeinschaft als auch die polnische Bevölkerung zu verstärkter humanitärer Unterstützung auf. Insbesondere die zügige Bereitstellung von Notstromaggregaten, Generatoren und Reparaturmaterial für das Stromnetz sei unerlässlich, um das Land durch die Frostperiode zu bringen.

In Polen wurde dazu die zivilgesellschaftliche Spendenkampagne „Wärme aus Polen für Kiew“ neu gestartet. Die Initiative, die im vergangenen Winter mit 80.000 Spendern Stromaggregate für die ukrainische Hauptstadt finanzierte, peilt in diesem Jahr ein Spendenziel von zehn Millionen Złoty (rund 2,5 Millionen Euro) an. Flankierend stellte auch die Europäische Union laut dpa bereits hunderte Notstromaggregate über Logistikzentren in Polen für ukrainische Krankenhäuser und Schulen bereit.

Der polnische Außenminister Radosław Sikorski spricht vor den Medien.

Der polnische Außenminister Radosław Sikorski spricht vor den Medien. © NICOLAS TUCAT / AFP

Bereits bei früheren Gelegenheiten, unter anderem beim Warsaw Security Forum, hatte Sikorski betont, dass Russland mittelfristig militärisch und wirtschaftlich überdehnt sei. Angriffe auf zivile Infrastruktur könnten zwar Leid verursachen, aber den Krieg letztlich nicht militärisch entscheiden. Entscheidend bleibe nun die westliche Standfestigkeit in den kommenden Wintermonaten. (Quellen: Kyiv Post, TVP World, dpa, Institute for the Study of War) (nak)