- Sabotageakte gegen das Stromnetz in deutschen Bundesländern häufen sich. Es gibt dazu auch Bekennerschreiben.
- Die Polizei findet im Osten Sachsens weitere zwölf Sprengvorrichtungen an Starkstromleitungen.
- Die Sprengsätze seien «selbst hergestellt» worden. Spezialisten haben sie entschärft.
Nach Angriffen auf das Stromnetz in drei deutschen Bundesländern hat die Polizei auch im Osten von Sachsen insgesamt zwölf Sprengvorrichtungen entdeckt. «Diese sollten Schäden an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen», teilten die Sicherheitsbehörden mit.
Die Sprengsätze seien «selbst hergestellt» worden. Spezialisten des Landeskriminalamtes hätten sie entschärft. Zu einem tatsächlichen Schaden sei es nicht gekommen und es bestehe auch keine Gefahrenlage für die Bevölkerung, hiess es. Die Ermittler fanden Sprengsätze im Bereich von Hochspannungstrassen bei den Umspannwerken Bärwalde und Graustein. Die Orte befinden sich in der Lausitzer Braunkohleregion an der Grenze zum Bundesland Brandenburg.
Grossfahndung läuft
Die Polizei fahndet weiter mit einem Grosseinsatz nach einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll. Unbekannt ist, ob er auch mit den jüngsten Funden in Ostsachsen in Verbindung gebracht wird.
Hintergrund der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren Medienhäusern und der Deutschen Presse-Agentur eingegangen sind. Dabei geht es um Vorfälle in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen. In allen drei Bundesländern wird Braunkohle abgebaut und damit Strom produziert.
Zum Motiv des Verdächtigen sagte der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt, es handle sich sehr wahrscheinlich um «Klimaterrorismus» durch einen Einzeltäter. Denn in einem Bekennerschreiben heisst es: «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.» Die Polizei ermittelt unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung.
Am Freitag hatten Beamte in der Wohnung des Tatverdächtigen Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando rund 100 Kilometer entfernt in einem Wald einen Lastwagen, der zu einem Wohnmobil umgebaut worden war.
Polizeibeamte durchsuchen das Gelände auf einem Feld beim Kraftwerk Bergheim bei Köln nach einem Sabotageversuch. (2.9.2026)
REUTERS / Thilo Schmuelgen
Am Dienstagmorgen hatte es im Süden Brandenburgs einen Anschlag auf die Stromversorgung gegeben. Dabei wurden mehr als 20 selbst gebaute Raketen gegen Hochspannungsleitungen unweit des Kraftwerks Jänschwalde abgefeuert. In zwei Fällen kam es zu einem Kurzschluss, aber keinem Stromausfall. Am Dienstagabend kam es dann zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln [Bild oben]. Auch hier wurden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke mussten vom Netz genommen werden.
Schliesslich entdeckte am Donnerstagabend ein Spaziergänger in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf eine Abschussvorrichtungen und alarmierte die Polizei. Am Freitag suchte die Polizei nach Hinweisen in einem Bekennerschreiben das Gelände um ein Kraftwerk bei Aachen ab. Am Freitagabend gab es dann bei einer Stromanlage in Hamm einen Polizeieinsatz bei einer ehemaligen Stromanlage, die aber seit längerem ausser Betrieb war.