AfD-Umfragehoch vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Minister warnt vor Folgen für Fachkräfte und Standort

Stand: 14.07.2026, 07:10 Uhr

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Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt rückt näher. Die AfD liegt in Umfragen deutlich vorn und strebt eine Regierungsübernahme an.

Magbedurg – Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht die AfD in Umfragen deutlich an der Spitze. Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sieht darin zunehmend auch wirtschaftliche Risiken für das Bundesland. Die hohen Zustimmungswerte für die Partei könnten sich nach seiner Einschätzung negativ auf die Attraktivität Sachsen-Anhalts als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort auswirken.

Umweltminister Armin Willingmann (SPD)

Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann (SPD). (Archivbild) © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe erklärte Willingmann, die Entwicklung mache sich bereits bei der Suche nach Fachkräften und Wissenschaftlern bemerkbar. „Das sehen wir etwa bei den Hochschulen, wenn wir Professorinnen und Professoren gewinnen wollen“, sagte der Minister.

Sachsen-Anhalt: Minister Willingmann warnt vor Folgen hoher AfD-Zustimmung für Fachkräfte

Nach Angaben Willingmanns lehnten potenzielle Bewerber inzwischen nicht mehr nur einzelne Stellenangebote ab. „Viele sagen auch: Ich möchte meine Familie nicht in ein Umfeld holen, in dem sich das Klima so entwickelt.“ Diese Entwicklung beobachte er nach eigenen Angaben zunehmend auch bei Unternehmen, die Schwierigkeiten hätten, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen.

Der Minister verwies zudem auf die wachsenden Herausforderungen durch den Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt. „Und nicht nur Wirtschaftsverbände warnen angesichts des unübersehbaren Fachkräftebedarfs in Sachsen-Anhalt vor dieser Entwicklung“, erklärte Willingmann.

Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl: AfD präsentiert Programm für mögliche Regierungsübernahme

Am 6. September sind die Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. In aktuellen Umfragen liegt die AfD mit 41 Prozent in dem Bundesland deutlich vorn. Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.

Knapp zwei Monate vor der Wahl will die Partei ihren Anspruch auf eine mögliche Regierungsübernahme untermauern. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sprach auf einem Landesparteitag in Magdeburg von der Möglichkeit einer „historischen Sensation“. Nachdem der Landesverband bereits im April ein umfassendes Regierungsprogramm beschlossen hatte, stellte Siegmund nun ein zusätzliches Sofortprogramm für die ersten 100 Tage einer möglichen AfD-geführten Landesregierung vor.

Sachsen-Anhalt: AfD 100-Tage-Plan sieht Änderungen bei Rundfunk, Migration und Schulen vor

Zu den angekündigten Maßnahmen gehört unter anderem die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrages beziehungsweise des Medienstaatsvertrages, der die rechtliche Grundlage für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bildet. Zudem kündigte die AfD einen Ausbau der Abschiebehaftplätze sowie eine stärkere Zusammenarbeit von Land und Kommunen bei Abschiebungen an.

Darüber hinaus sieht das Programm eine flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber, Kürzungen bei parteinahen Stiftungen und verschiedenen Demokratieförderprogrammen sowie eine mögliche Reduzierung der Zahl der Ministerien vor. Siegmund kündigte an, ein bis zwei Ministerien einsparen zu wollen.

Weitere Vorhaben betreffen den Bildungsbereich. Geplant sind unter anderem Sonderklassen für Kinder von Asylbewerbern, ein verstärkter Wachschutz an sogenannten Problemschulen sowie eine stärkere Präsenz der deutschen Nationalflagge an Schulen. Die Partei fordert außerdem, dass Regenbogenflaggen an Schulen verboten werden.

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Steinmeier sieht Wahlausgang trotz AfD-Führung offen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt trotz des aktuellen Vorsprungs der AfD in den Umfragen weiterhin für offen. Im Sommerinterview der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ warnte er davor, die aktuellen Erhebungen bereits als feststehendes Wahlergebnis zu betrachten. „Man sollte nicht so tun, als seien Umfragen schon das Wahlergebnis“, sagte das Staatsoberhaupt. Zugleich verwies Steinmeier darauf, dass der eigentliche Wahlkampf noch nicht vollständig begonnen habe.

Der Bundespräsident äußerte die Hoffnung, dass die Parteien der politischen Mitte gemeinsam verhindern könnten, dass extremistische Kräfte eine Mehrheit erreichen. „Ich setze darauf, dass die Parteien der Mitte dort alles tun werden, damit dort nicht extremistische Parteien die absolute Mehrheit bekommen“, sagte Steinmeier.

In den jüngsten Umfragen lag die AfD in Sachsen-Anhalt deutlich vor der CDU. Die derzeitige Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP könnte nach der Wahl ihre Mehrheit verlieren. Während die AfD eine alleinige Regierungsbildung anstrebt, gilt auch eine von der CDU geführte Minderheitsregierung als möglich. In diesem Fall könnte eine punktuelle Zusammenarbeit mit der Linken notwendig werden. (Quellen: Funke-Mediengruppe, ZDF, dpa, tagesschau) (jal)